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Aus der Stadt Besucher stehen Schlange für Enke-Austellung
Hannover Aus der Stadt Besucher stehen Schlange für Enke-Austellung
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00:16 12.11.2014
Einige Besucher waren im Enke-Trikot in die Ausstellung gekommen.
Einige Besucher waren im Enke-Trikot in die Ausstellung gekommen. Quelle: Alexander Körner
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Hannover

Als vor fünf Jahren Robert Enke Suizid beging, zeigte sich bald: Für die Menschen in der Stadt war da nicht nur ein beliebter Sportler gestorben. Nach einer Andacht in der Marktkirche formierte sich ein langer Trauerzug durch die Stadt, später kamen Zehntausende zur Trauerfeier ins Stadion.

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Im Landesmuseum ist jetzt die von der Robert-Enke-Stiftung mitkonzipierte Ausstellung „ROBERT gedENKEn“ über Leben und Leiden des 96-Torhüters zu sehen - und wieder ist die Resonanz gewaltig: An den ersten drei Tagen kamen bereits mehr als 4000 Besucher - von denen die meisten sonst eher im Stadion als im Museum zu finden sind. Am Sonntag bildeten sich vorm Eingang bis zu 30 Meter lange Schlangen, teils nahmen Besucher zwei Stunden Wartezeit in Kauf.

Die Frau des verstorbenen Sportlers, Teresa Enke, wollte den Sonntag eigentlich mit ihrer Tochter im Zoo verbringen. Als sie von dem Ansturm erfuhr, machte sie sich spontan auf zum Museum: „Ich habe meinen Augen nicht getraut, als ich die Besuchermassen sah“, sagt sie. Teresa Enke bedankte sich bei Menschen in der Schlange für ihre Geduld und informierte sie persönlich über die Wartezeiten. „Ich bin sehr berührt von der großen Anteilnahme - das hatte ich nicht erwartet“, erklärte sie: „Angesichts der großen Resonanz auf die Ausstellung bin ich sehr dankbar.“

Mit Robert Enke starb eben ein Mann, der nie einer dieser glatten Profis war. Er war der Torwart, den die Zuschauer mochten, weil er ein echtes Leben hatte, mit Höhen und Tiefen. Unvergesslich bleibt dieser Moment, als der stolze Vater seine erkrankte Tochter Lara nach einem Spiel auf dem Arm ins Stadion trug, ein aufmerksames kleines Mädchen. Teresa Enke hat einem Foto dieser Szene für die Ausstellung einen Satz beigefügt: „Dieser Anblick war für mich eine Erfüllung, wir hatten es geschafft, die Depressionen genauso wie Laras Herzoperationen überstanden. Ich hätte ihn gerne eingefroren, diesen Moment.“ Dann ist Lara gestorben, und als auch Robert Enke nicht mehr lebte, erfuhr man von den Depressionen, die ihn quälten.

Anlässlich des fünften Todestages des ehemaligen 96-Torwart Robert Enke zeigt das Landesmuseum Hannover mit der Robert-Enke-Stiftung eine fünftägige Aufklärungs- und Erinnerungsausstellung.

Die Ausstellung zeigt Siege und Niederlagen. Trikots, Pokale, Handschuhe sind zu sehen, ein Bildschirm zeigt Spielszenen mit Robert Enke. Das Hochzeitsfoto aus dem Jahr 2000 zeigt ein junges Paar, das sich sehr verliebt ansieht. Auf den Betrachter wirkt es dennoch bedrückend. Drei Jahre später, in Barcelona, begann die Depression. Die Ausstellung hebt einen Satz von Teresa Enke hervor, sie sagte ihn auf einer Pressekonferenz kurz nach dem Tod ihres Mannes: „Wir dachten, mit Liebe geht das.“ Ein Satz, der Millionen Menschen am Fernseher erklärte, dass Willensstärke im Kampf gegen Depressionen nicht genügt.

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Obwohl das Landesmuseum montags sonst nicht öffnet, ist die Ausstellung dort von 9 bis 18 Uhr und am Dienstag von 9 bis 17 Uhr zu sehen.

Die Exponate der Ausstellung hat Teresa Enke selbst ausgewählt. „Das geht einem nicht leicht von der Hand, manches war auch zu privat“, sagt sie. Sie entschied sich zu zeigen, „was Robert ausgemacht hat“. Glückliche Tage gehörten ebenso dazu wie seine Krankheit. Zur Ausstellung gehört deshalb auch ein Raum, der Besuchern helfen soll, sich in die psychische Situation depressiver Menschen hineinzuversetzen.

Mit Enkes Leben wird sich demnächst auch eine Dokumentation beschäftigen. Der Regisseur Klaus Stern produziert den Film „Der Torwart“ im kommenden Jahr. Teresa Enke soll darin mitwirken. Leben und Sterben des Ausnahmesportlers bewegen eben noch immer zahlreiche Menschen. Viele Besucher der Ausstellung hatten Tränen in den Augen: „Ich hoffe“, sagte einer von ihnen, „dass die Menschen endlich verstehen, was es mit Depressionen auf sich hat.“

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