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Aus der Stadt Roma wollen sich nicht länger verstecken
Hannover Aus der Stadt Roma wollen sich nicht länger verstecken
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00:15 26.02.2014
Von Michael Zgoll
Foto: Selbstbewusst: Roma bei ihrem Treffen in der Hochschule Hannover.
Selbstbewusst: Roma bei ihrem Treffen in der Hochschule Hannover. Quelle: Zgoll
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Hannover

Es stellten sich junge Roma aus Niedersachsen vor, die ihre Herkunft nicht länger verleugnen möchten - und trotzdem nicht gemobbt werden wollen in Schule und Beruf. Und es trat der Verein „Starke Roma-Frauen aus Niedersachsen“ auf die Bühne, gegründet von Frauen, die nicht mehr ständig in der Angst vor Abschiebung leben und die ihren Kindern eine Perspektive in Deutschland verschaffen wollen. Zum „Roma-Treffen 2014“ mit seinen rund 60 Teilnehmern kamen auch etliche Politiker, darunter Landtagsabgeordnete von SPD und Grünen sowie Regionspräsident Hauke Jagau und Bürgermeister Bernd Strauch.

Lobend erwähnte Probst Martin Tenge einen erst jüngst fertiggestellten Anlaufpunkt für rumänische und bulgarische Zuwanderer in Hannover: den Eltern-Kind-Treff in der Calenberger Neustadt. In dieser Einrichtung der katholischen Familienbildungsstätte sollen schwerpunktmäßig Sinti und Roma Alphabetisierungskurse besuchen. Dort können sie in einem „Baby-Café“ Platz nehmen und sich an einem „Näh-Café“ beteiligen. Parallel zur endgültigen Fertigstellung der Räumlichkeiten werden sich in den nächsten Wochen geschulte Integrationslotsen, Migrationsberater und Streetworker darum kümmern, überhaupt erst einmal diejenigen zu erreichen, für die das Angebot gedacht ist. Erleichtert wird ihnen die Arbeit, weil das „Forum für Sinti und Roma“ in der benachbarten Probstei St. Clemens ein Büro hat.

Die Roma sind in Niedersachsen noch immer nicht offiziell als Minderheit anerkannt. Darauf wies Djevdet Berisa hin, Organisator des gestrigen Treffens und Vorsitzender des Vereins Romane Aglonipe. Dass Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein hier schon viel weiter seien, sagte Nino Novakovic, frisch gewählter Vorsitzender der neuen Roma-Jugendorganisation. Es gehe den Zuwanderern ebenso wie den schon viele Jahre in Deutschland lebenden Sinti und Roma darum, nicht mehr ständig in der Angst vor Diskriminierung und Abschiebung leben zu müssen, sondern ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht zuerkannt zu bekommen. Er selbst lebe schon zehn Jahre in Niedersachsen, müsse sich aufgrund der Residenzpflicht aber jedes Mal bei der Ausländerbehörde melden, wenn er beispielsweise nach Hamburg fahren wolle.

Den Wert der Bildung für eine wirkliche Integration hoben mehrere Redner in den Räumen der Hochschul-Fakultät für Diakonie, Gesundheit und Soziales hervor. „Kinder brauchen Perspektiven, und das geht nicht ohne Bildung“, sagte etwa Bürgermeister Strauch. Allerdings müssten sich die Roma hier auch auf die „Stadtgesellschaft“ zubewegen. Ein Schnittpunkt kann die Kultur sein: Passenderweise konnte der Vorsitzende des Jazz Clubs darauf verweisen, dass Django Deluxe am 17. April am Lindener Berg auftreten und Gypsy-Jazz spielen.

Wie wichtig es ist, auf beiden Seiten Vorurteile und Ressentiments abzubauen, hob Regionspräsident Jagau hervor. Dies sei oft nicht einfach und ein langer Weg, „aber er muss gegangen werden“.

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