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Aus der Stadt Rosenkrieg um gekapptes Stromkabel
Hannover Aus der Stadt Rosenkrieg um gekapptes Stromkabel
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22:13 09.04.2015
Quelle: Symbolbild
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Andreas W. soll im Mai vergangenen Jahres ein Stromkabel am Haus seiner Ex-Frau durchgeschnitten haben und damit nicht nur einen Schaden von mehr als 300 Euro verursacht haben. Die Staatsanwaltschaft warf dem Laatzener außerdem vor, mit der Aktion seine ehemalige Frau und die gemeinsamen drei Kinder in Gefahr gebracht zu haben.

Mit genau diesem Aspekt konnten W. und sein Anwalt Michael Fürst den Verdacht entkräften. „Wieso sollte ich, nur um meiner ehemaligen Frau eins auszuwischen, riskieren, dass meine eigenen Kinder Schaden nehmen könnten“, sagte W., der seit der Scheidung von seiner Frau mit ihr um das Sorgerecht für die drei Kinder streitet. Die Kabel, die er in der Nacht vom 7. auf den 8. Mai vergangenen Jahres im Garten des Hauses Am Kleikamp in Laatzen durchschnitten haben soll, hatte er dort selbst gelegt. „Daher weiß ich auch, dass dort drei Kabel an der Hauswand hinauflaufen“, so der Beschuldigte. „Warum sollte ich nur eines davon durchschneiden?“

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Tatsächlich stützte sich der Vorwurf gegen W. nur auf die Aussage der Ex-Frau. Sie hatte in der besagten Nacht einen Elektriker gerufen, weil der Strom in den zwei Kinderzimmern und einem Umkleideraum des Hauses ausgefallen war, das sie vor der Scheidung gemeinsam mit W. bewohnt hatte. Als der Elektriker im Haus keine Ursache für den Stromausfall finden konnte, schlug die Ex-Frau vor, in den Garten zu gehen und nach den zwischen Garage und Haus verlegten Kabeln zu sehen.

„Der Techniker sagte aus, dass das Kabel so glatt durchgeschnitten war, dass nach dem Einschalten der Sicherung wieder Strom floss“, konfrontierte Richter Koray Freudenberg den Beschuldigten. Dieser gab jedoch zu bedenken, dass er als gelernter Elektriker die Kabel wohl eher so manipuliert hätte, dass die Störung nicht so leicht zu finden gewesen wäre.

„Letztlich können wir nicht klären, ob sie es waren, ihre Ex-Frau die Tat selbst begangen hat, um sie in ein schlechtes Licht zu rücken, oder ein dritter Unbekannter um das Haus ging und die Leitung kappte“, sagte Freudenberg, der versicherte, in familienrechtlichen Verfahren immer wieder ähnliche Begebenheiten erlebt zu haben. Die Staatsanwaltschaft zog daraufhin den Vorwurf der Sachbeschädigung zurück.

Bevor W. vor Gericht entlassen wurde, wollte Freudenberg jedoch noch von dem Elektriker wissen, wie lang er gewöhnlich brauche, um ein durchschnittenes Kabel zu reparieren. „Ich würde sagen, zwischen 5 und 10 Minuten“, sagte W. Der von seiner Ex-Frau beauftragte Techniker berechnete ihr fünf Arbeitsstunden.

Tobias Morchner 09.04.2015
Bernd Haase 09.04.2015
Mathias Klein 10.04.2015