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Aus der Stadt Rot-Grün plant Zwangskastration für streunende Katzen
Hannover Aus der Stadt Rot-Grün plant Zwangskastration für streunende Katzen
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00:15 01.03.2013
Von Bernd Haase
Geht es nach der neuen 
Landesregierung, könnte
 es bald ernst werden
 für die Katzen des Landes.
Der Koalitionsvertrag 
sieht eine Kastrationspflicht vor – umsetzen kann das 
Land dies jedoch 
nicht so einfach. Quelle: dpa
Hannover

Als Tierschützer im vergangenen Jahr bei einer Bürgerfragestunde der Regionsversammlung aufstanden und für eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für Katzen warben, wurden sie ziemlich schnell abgebügelt. Es gebe im Raum Hannover kein Problem mit freilaufenden, sich unkontrolliert vermehrenden Katzen, lautete die Begründung. „Die Leute, die so etwas sagen, sind nicht diejenigen, die sich spätabends mit der Falle auf die Lauer legen“, sagt Grit Wolff-Neubert. Sie und ihre Mitstreiter von den Vereinen „Katzenhilfe Hannover“ und „Hände für Pfoten“, legen sich regelmäßig auf die Lauer – um Katzen zu helfen.

Die Vereine unterhalten ein Sorgentelefon. Manchmal wünschen Anrufer Beratungen, oft machen sie aber auch auf Stellen aufmerksam, an denen sie freilaufende Katzen gesehen haben. Dann fahren Mitglieder der Vereine hin. Im günstigen Fall können sie den Hinweisgeber in den Gebrauch der Falle einweisen, manchmal müssen sie selbst tätig werden. Dann präparieren sie eine etwa einen Meter lange Holzfalle mit Futter und hoffen, dass eine Katze hineintappt. Sie bringen das Tier zum Tierarzt, lassen es kastrieren, gegebenenfalls impfen und setzen es wieder aus – „alles auf unsere Kosten, obwohl wir ein kleiner Verein sind“, wie Wolff-Neubert betont. Bis zu 100 Katzen lassen die Tierfreunde pro Jahr behandeln, 2012 haben sie dafür 24.000 Euro ausgegeben – finanziert aus Spenden und Mitgliederbeiträgen.

Bis zu zwölf Junge pro Jahr

Mut macht den Tierfreunden jetzt der frisch ausgehandelte rot-grüne Koalitionsvertrag in Niedersachsen. Der nämlich sieht eine Kastrationspflicht für Katzen vor. „Wenn das Land vorschriebe, dass Katzen, die Freigang haben, kastriert werden müssen, wäre das für uns wunderbar“, sagt Wolff-Neubert. Sie sieht nämlich durchaus ein Problem und verweist auf die Formel, die seit einigen Jahren gerne benutzt wird: Eine freilebende Katze kann jährlich bis zu zwölf Junge werfen. Überleben drei davon pro Jahr, kommt die so entstandene Katzenfamilie binnen zehn Jahren Berechnungen zufolge auf eine Reproduktionsrate von sage und schreibe 80 Millionen Jungen. Den Tieren die Fortpflanzungsmöglichkeit zu nehmen, sei die einzige Möglichkeit, den Katzenüberschuss unter Kontrolle zu bekommen, heißt es auf der Homepage der Katzenhilfe.

Auch Heiko Schwarzfeld, Geschäftsführer des Tierschutzvereins für Hannover und Umgegend, sieht Handlungsbedarf. Dabei sei zwischen Straßen- (vulgo: streunenden), Freigänger- und Hauskatzen zu unterscheiden. Reine Stubentiger, die nie ihre vier Wände verlassen, könnten unbehelligt bleiben, registrierte Zuchtkatzen sowieso. Freigänger hingegen, die mal drinnen, mal draußen leben, sollten kastriert und mit einem Chip oder einer Tätowierung gekennzeichnet werden, findet Schwarzfeld. „Sie paaren sich untereinander oder mit Straßenkatzen, die oft in Gartenkolonien, auf Brachen, Friedhöfen oder in der Umgebung von Altenheimen und Krankenhäusern leben“, sagt er. Das rasante Wachstum der Population, das so erzeugt werde, erzeuge Druck: „Die Tiere ziehen sich Krankheiten zu, leiden unter Parasiten und verelenden. Viele kommen schon krank zur Welt.“

Ein möglicher Grund, warum Katzenbesitzer mit ihrem Vierbeiner den Gang zum Tierarzt scheuen, könnte in den Kosten liegen. 60 Euro berechnet ein Veterinär, wenn er einem Kater die Hoden abschneidet. Muss er eine Katze behandeln, ist der Eingriff komplizierter und kostet zwischen 100 und 120 Euro. Derzeit bleiben die Tierschutzvereine und -verbände oft auf diesen Kosten sitzen, und das wurmt Schwarzfeld: „Gegner der Kastrationspflicht argumentieren, dass sich die Durchsetzung nicht kontrollieren lässt. Der Sinn liegt aber darin, gegebenenfalls eine Handhabe gegen Besitzer von unkastrierten Tieren zu haben, und dass sich ein Bewusstsein für die Notwendigkeit der Kastration bildet.“

Willa Bohnet, stellvertretende Leiterin des Tierschutzzentrums an der Tierärztlichen Hochschule, sieht die Dinge ein wenig anders. „Es ist kritisch, wenn die Politik vorschreibt, dass jemand einem Tier Organe entnehmen lassen muss“, sagt sie. Das Problem der Katzenüberbevölkerung sei kein generelles, sondern ein örtliches: „Wenn beispielsweise eine Katze auf einem Bauernhof im ländlichen Raum Junge kriegt, lassen die sich in der Regel schnell an neue Besitzer vermitteln.“ Bestehendes Recht, wonach Kommunen auf Basis des Gefahrenabwehrgesetzes Zwangskastrationen anordnen und damit unkontrollierte Fortpflanzung bremsen können, hält Bohnet für ausreichend. Ansonsten müsse das Tierschutzgesetz gelten, das einen Eingriff nur erlaubt, wenn eine tierärztliche Indikation für den Einzelfall vorliegt. Eine Änderung dieser Rechtslage auf Bundesebene wäre überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass SPD und Grüne in Niedersachsen in Sachen Katzenkastration zur Tat schreiten können.

5000 Streuner in Hannover

Wie viele freilaufende Katzen in der Stadt Hannover leben, ist schwer zu sagen. Experten gehen davon aus, dass in dicht besiedelten Gebieten eine auf 100 Einwohner kommt – dann wären es in er Landeshauptstadt etwa 5000. In ländlichen Gebieten der Region dürfte das Verhältnis nach Schätzungen sogar bei drei Tieren je 100 Einwohner liegen. Fest steht, dass das Katzenhaus im Tierheim des Tierschutzvereins Hannover in Langenhagen-Krähenwinkel mit seinen 200 Plätzen regelmäßig gut ausgebucht ist. Immerhin: „Katzen lassen sich leichter vermitteln als Hunde, weil die Anforderungen an den Halter geringer sind“, sagt Geschäftsführer Schwarzfeld. Das Problem der Überbevölkerung aber lasse sich nur durch den Einsatz der Vereine nicht lösen.

Die Stadt Hannover steht in Sachen Zwangskastration und Kennzeichnungspflicht auf demselben Standpunkt wie die Region: „Wir sehen keinen Bedarf für einen Erlass, das Problem ist nicht dringend“, heißt es aus dem Rathaus. Die Tierschutzvereine hoffen darauf, dass die rot-grüne Koalitionsvereinbarung in diesem Punkt eines Tages umgesetzt wird und sammeln dafür auf ihrer Internetseite www.tierschutz-niedersachsen.de auch Unterschriften. Solange allerdings Bundesrecht dagegen steht, werden Grit Wolff-Neubert und andere Katzenfreunde wohl noch manchen Abend auf der Lauer liegen.

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