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Aus der Stadt So kommentieren HAZ-Leser die Rathaus-Affäre
Hannover Aus der Stadt So kommentieren HAZ-Leser die Rathaus-Affäre
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08:56 17.01.2018
Nach monatelangen Querelen hat Hannovers Kulturdezernent Harald Härke um die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand gebeten. Ist die Rathaus-Affäre damit beendet?
Nach monatelangen Querelen hat Hannovers Kulturdezernent Harald Härke um die Versetzung in den vorzeitigen Ruhestand gebeten. Ist die Rathaus-Affäre damit beendet?  Quelle: Sebastian Kahnert
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Hannover

Kulturdezernent Harald Härke nimmt seinen Hut und Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) kann seine Führungsriege neu sortieren– ist die Krise beendet? So kommentieren HAZ-Leser die Rathaus-Affäre.

Der Falsche tritt zurück

Nun ist er also da, der Rücktritt – leider tritt der Falsche zurück! Merkwürdig: Plötzlich sind fast alle Stimmen gegen den verdienten und bisher beliebten Harald Härke gerichtet. „Damit endlich Ruhe einkehrt“, lassen sich einige vernehmen. In der Stadt Hannover herrscht neuerdings offensichtlich ein sozialdemokratischer Despot. Rechtsstaatlichkeit? Fehlanzeige! Die Stadt Hannover kontrolliert sich selbst. Der Vorschlag einer Kontrolle durch eine unbeteiligte, neutrale Kommune wurde aus angeblich juristischen Gründen abgelehnt. Nun klatschen auch noch alle Beifall.

Der parteilose Dezernent Härke ist aus persönlichen Motiven vernichtet worden. CDU-Fraktionschef Jens Seidel hegt sogar Zweifel, ob der „vorzeitige Ruhestand“ überhaupt juristisch wasserdicht ist. Arme Sozialdemokraten! Der große Sozialdemokrat Egon Bahr hat einmal gesagt: „Die SPD ist eine Scheißpartei – aber eine wunderbare!“ Nun hat sich letzteres in Hannover auch noch verabschiedet.

Von Matthias Sesselmann, Hannover

Der Verantwortung nicht gewachsen

Das Verhalten des Oberbürgermeisters und des Rates der Stadt Hannover gegenüber Harald Härke kann man ja wohl nur noch als Mobbing bezeichnen. Stefan Schostok ist seiner Verantwortung als Chef der Verwaltung ganz offensichtlich nicht gewachsen. Wann zieht er entsprechende Konsequenzen und erklärt endlich seinen Rücktritt?

Von Heinrich Domröse, Hannover

Öffentlich diskutieren

In der Sonntagsbeilage Ihrer Zeitung zitieren Sie den österreichischen Philosophen Pfaller, der eine klarere politische Sprache einfordert. Hier mein Beitrag dazu: Je länger nun diese sogenannte „Affäre Härke“ dauert, umso mehr drängt sich mir der Verdacht auf, es geht um ganz was anderes: Einigen in der Verwaltungsspitze ist der Doppel-Dezernent Härke zu mächtig geworden. Wie passend, dass er selbst auch noch den Anlass geliefert hat. Er hat einen Fehler gemacht, den er allerdings öffentlich eingestanden hat. So manche von denen, die jetzt auf ihn einschlagen, wären zu solch einem Eingeständnis wohl nicht in der Lage.

Der Fehler Härkes ist zwar nicht in Ordnung, aber das, was daraus gemacht worden ist, auch nicht. Es soll wohl eher darum gehen, dass der Oberbürgermeister „Führungsschwäche“ zeigt und froh ist, auf diese Weise den für ihn unbequemen Dezernenten loszuwerden. Erst entzieht Schostock ihm das Personaldezernat und fordert Härke auf, den vorzeitigen Ruhestand zu beantragen, obwohl er weiß, dass das gar nicht geht, bescheinigt Härke aber die Fähigkeit, Hannover den Titel „Kulturhauptstadt“ zu bescheren.

Dann taucht ein mysteriöser Vermerk auf, der wohl nicht von Härke sein kann, und das nimmt Schostock zum Anlass, Härke auch das Kulturdezernat zu entziehen und es sich selbst einzuverleiben. Welch Selbstüberschätzung zu glauben, dass es dann gelingt. Wie praktisch auch, dass die Kommunalaufsicht eine Lösung gebastelt hat, dass Härke doch in den vorzeitigen Ruhestand gehen kann. Ein Schelm, der Schlechtes dabei denkt. Der Oberbürgermeister hat noch nicht mal den Schneid, das Disziplinarverfahren abzuwarten.

Wenn man die genauen Einzelteile zusammenführt, hat das Ganze das Zeug zu einem Untersuchungsausschuss. Davor seien allerdings die SPD und andere, denn dabei käme wohl heraus, dass man seinerzeit einen eher unfähigen Mann an die Verwaltungsspitze gehievt hat. Aber vielleicht gibt es ja doch noch eine breitere öffentliche Diskussion, was die HAZ ja auch schon vorsichtig angedeutet hatte.

Von Aribert Dreer, Schwarmstedt

Es grenzt an Mobbing

Die Vorwürfe, die auch von Harald Härke eingeräumt wurden, würden nach Einschätzung der Rathausspitze im Rahmen des eingeleiteten Disziplinarverfahrens wohl mit einer Geldbuße geahndet; für einen „Rausschmiss“ hätten sie nicht gereicht. Die nachfolgenden – mittlerweile erfolgreichen – Bemühungen, den Personaldezernenten loszuwerden, grenzen in meinen Augen an Mobbing. Ich kann nur hoffen, dass mit anderen Beschäftigten der Stadtverwaltung seitens der Verwaltungsspitze nicht genauso umgegangen wird!

Von Hans Hansen, Hannover