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Aus der Stadt Gerd Andres gewinnt 
gegen Hofmann
Hannover Aus der Stadt Gerd Andres gewinnt 
gegen Hofmann
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00:15 08.11.2015
Von Gunnar Menkens
Hannover

Es war ein Auftritt, wie ihn die SPD noch nicht gesehen hatte. Ratsherr Henning Hofmann, 36, etabliert als Bezirksbürgermeister im Stadtbezirk Buchholz-Kleefeld, wanderte vor mehr als 50 Genossen im Raum auf und ab. Weil Hofmann ein großer Freund der sozialen Medien und ihrer Geräte ist, hielt er dabei ein Tablet in der Hand, auf das er immer wieder blickte auf seinen Wegen von links nach rechts und von rechts nach links, vor sich ein Publikum aus Köpfe drehenden Parteifreunden. „Grauenhaft“, berichtete hinterher ein Zuhörer, „er hat die Leute kaum angeguckt.“ Was modern wirken sollte, befremdete offenbar etliche eingesessene Genossen.

Hofmanns Bewerbung sollte die Genossen im Ortsverein überzeugen, ihn im nächsten Jahr erneut für ein Mandat im Stadtparlament aufzustellen. Sein Gegenspieler heißt Gerd Andres, 64, Parlamentarischer Staatssekretär unter Kanzler Gerhard Schröder und ein Profi im politischen Geschäft. Dessen Kandidatur hatte in der SPD vor Monaten für einiges Aufsehen gesorgt. Manche Sozialdemokraten glaubten, hier suche ein Politrentner und Strippenzieher alter Schule eine Beschäftigung zulasten eines jungen und bei den Bürgern beliebten Mannes der nachfolgenden Generation; andere meinten, es sei an der Zeit, dass der Stadtbezirk im Rat endlich wieder eine Stimme bekommt.

Diese Karte spielte Gerd Andres vom ersten Tag an. Seinen Angriff im Ortsverein am Mittwochabend hatte er präzise vorbereitet – die Protokolle von 48 Ratssitzungen hatte er nach Wortmeldungen von Henning Hofmann durchsucht. Andres fand sein Wunschresultat: Kein einziges Mal hatte Hofmann etwas gesagt. „Und wer nichts sagt, der wird nicht gehört und fällt hinten runter.“ Zum Nachteil des Stadtbezirks, dessen Interessen Hofmann im Rat doch vertreten solle. Und während Hofmann überwiegend sein Wirken als Bezirksbürgermeister für Buchholz und Kleefeld präsentierte, attackierte Andres auch dies: Gleichzeitig Ratsherr und Bezirksbürgermeister zu sein, das gehe eben nicht. Der 64-Jährige tat dies auf traditionelle Weise, ohne Handcomputer, zu den Leuten sprechend, mit Raum füllender Stimme und nicht zimperlich.

Die Mehrheit des Ortsvereins stimmte schließlich für Gerd Andres. Mit 32 zu 21 Stimmen befand die SPD in Groß-Buchholz, er möge sie bei der nächsten Ratswahl im Herbst 2016 vertreten. Teilnehmer der Sitzung berichten, dass Genossen gelobt hätten, dass sich Andres für die „Kärrnerarbeit“ vor Ort bereit finde. Es sei jedoch auch Kritik an Andres laut geworden, der einem Parteifreund ohne Grund den Platz wegnehmen wolle. Henning Hofmann sagte am Tag nach der Wahl: „Es war das zu erwartende Ergebnis. Andres ist seit Jahrzehnten im Ortsverein verwurzelt. Ich habe mich in den letzten Monaten für die Interessen der Menschen im Stadtbezirk eingesetzt und keine Zeit gehabt, zum Telefonhörer zu greifen.“ Hofmann meint damit, Andres habe massiv Stimmung gemacht.

In der SPD wird das Ergebnis, das eine Delegiertenkonferenz im Mai noch bestätigen muss, unterschiedlich interpretiert. „Ein Generationenkonflikt“, sagt ein Vorstandsmitglied, in Groß-Buchholz habe ein eher traditionell orientierter Ortsverein einen Kandidaten alten Schlages gewählt. Eine zweite Führungskraft der hannoverschen SPD glaubt: „Das war ein abgekartetes Spiel, die Führungsriege im Ortsverein hat Hofmann keine Chance gelassen.“ Hofmann habe indes geschadet, dass er eine Zeit lang mit dem Gedanken spielte, in Springe Bürgermeister zu werden. Ein Teilerfolg blieb ihm: Die SPD Groß-Buchholz wählte ihn auf Platz eins der Liste für die kommende Bezirksratswahl. Damit hat Hofmann gute Aussichten, wieder Bezirksbürgermeister zu werden. Am Ende kam dann alles so, wie Gerd Andres es geplant hatte.

Bei der CDU beobachtete Hannovers Parteichef Dirk Toepffer die Geschehnisse bei der SPD. Sein Kommentar: „SPD-Chef Alptekin Kirci ist es nicht gelungen, einen die SPD-Basis überzeugenden Vorschlag für einen Generationswechsel vorzulegen. Die CDU hat in den vergangenen Jahren erfolgreich Nachwuchspolitiker aufgebaut und konnte deshalb auf die Rekrutierung von landes- und bundespolitischen Urgesteinen im Wahlkampf verzichten.“

 

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