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Aus der Stadt SPD widerspricht Weil im Streit um Landtagsbau
Hannover Aus der Stadt SPD widerspricht Weil im Streit um Landtagsbau
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12:03 18.02.2010
Das Siegermodell für die Neugestaltung des Landtages.
Das Siegermodell für die Neugestaltung des Landtages. Quelle: Martin Steiner
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Allmählich dreht sich die Stimmung: Sowohl im Landtag als auch im Rathaus waren am Mittwoch die Befürworter des zweiten Preisträgers, der den bisherigen Plenarsaal weitgehend erhalten will, deutlicher als bisher zu vernehmen. Und im Rat zeichnet sich ein harter Konflikt mit Oberbürgermeister Stephan Weil ab. Vertreter von Rot-grün erklärten, dass sie sich einen Alleingang des Oberbürgermeisters in Sachen Landtagsbau verbitten.

„Was am ersten Preis richtungsweisend sein soll und warum der Oberbürgermeister damit so zufrieden ist, erschließt sich mir nicht“, sagte der einflussreiche Fraktionsvize im hannoverschen Rat, Thomas Hermann. Auch Heiner Bartling, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD im Landtag, betonte, der zweitplatzierte Entwurf genieße in seiner Fraktion „ein hohes Maß an Sympathie“. Der Entwurf des Büros Gebhardt aus Hamburg sieht einen weitgehenden Erhalt und Umbau des denkmalgeschützten Nachkriegsplenarsaals von Architekt Dieter Oesterlen vor. Weil zeigte sich unbeeindruckt vom Stimmungswandel. Er bleibe dabei, dass der Entwurf Yi einen Gewinn für Hannover darstelle, ließ er ausrichten.

Die Ratsmehrheit allerdings will es auf einen Konflikt ankommen lassen. Das Land darf sich den Neubau im Gebiet der Stadt zwar selbst genehmigen, muss aber „das Benehmen mit der Stadt herstellen“, wie es offiziell heißt. Baudezernent Uwe Bodemann stellte klar, dass der OB dieses Benehmen in der Regel autark einräumen darf. SPD-Ratsherr Hermann kündigte an, das Rot-grün das nicht hinnehmen werde: Er erwarte, dass OB Weil die Ratsmehrheit respektiere.

Allerdings ist im Rat nicht nur Rot-grün unzufrieden mit dem Wettbewerbsergebnis. Bei einer ersten Aussprache empfahl FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke angesichts der „enttäuschenden Entwürfe“: „Wettbewerb einstampfen und neu ausschreiben“. Auch CDU-Politiker Michael Emmelmann bekannte, dass er weder den ersten noch den zweiten Platz präferiere – warb aber dafür, sich dem Jury-Urteil anzuschließen. Grünen-Ratsherr Michael Dette sagte, Rot-grün werde „das Anliegen von Frau Oesterlen stützen, das Werk ihres Mannes zu erhalten“. Womit nicht zwingend ein Votum für den zweiten Platz gemeint ist. SPD-Mann Hermann führte aus, das Ergebnis des Wettbewerbs 2002 sei „deutlich besser als dieser Wettbewerb“ gewesen. Auch damals ging es um den Plenarsaal, das hannoversche Büro Koch Panse hatte mit einem denkmalgerechten Umbaukonzept für das Oesterlen-Gebäude gewonnen. Der Landtag setzte ihn damals aber aus Spargründen nicht um. Jetzt soll alles um einen zweistelligen Millionenbetrag teurer werden.

Bis auf die Linke betonten alle Landtagsfraktionen, dass unbedingt in einen Um- oder Neubau investiert werden müsse. „Die Sanierung ist überfällig“, sagte Wenzel. Wollte man jetzt darauf verzichten, so wachse wegen der energetischen Probleme, undichter Abwasserrohre und anderer Baumängel auf die Dauer der Bedarf an notwendigen Sanierungsarbeiten. „Der alte Plenarsaal wird seit vielen Jahren den Arbeitsanforderungen an einen Landtag nicht mehr gerecht“, hob SPD-Mann Bartling hervor. Seine Fraktion werde sich „nicht populistisch vom Acker machen“, sondern zum Bauvorhaben stehen. Bedingung sei aber, dass auch der zweite Preisträger gründlich geprüft wird. Überlegt werden müsse auch, ob eine Tiefgarage wirklich nötig sei. Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel forderte, es sollten zumindest Anleihen an den Oesterlen-Bau genommen werden – „als Zeugnis der nach 1945 aus den Trümmern auferstandenen Demokratie“. Der CDU-Abgeordnete Björn Thümler rief dazu auf, sich intensiv mit den Plänen zu beschäftigen. „Viele, die derzeit ihre Meinung abgeben, haben sich die Entwürfe gar nicht genau angeschaut.“ Landtagsvizepräsident Hans-Werner Schwarz (FDP) übte Kritik am zweiten Preisträger, weil dieser nur scheinbar am Oesterlen-Bau anknüpfe, diesen aber in Wahrheit „verhunzt“.

Die Entscheidung soll in der Baukommission des Landtags fallen. Bis dahin haben die Preisträger aber die Chance, ihre Entwürfe nachzubessern.

Klaus Wallbaum und Conrad von Meding