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Aus der Stadt SPD will Alkoholverbot in Hannovers Stadtbahnen
Hannover Aus der Stadt SPD will Alkoholverbot in Hannovers Stadtbahnen
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21:28 12.10.2011
Noch darf in den Stadtbahnen der Üstra Alkohol getrunken werden.
Noch darf in den Stadtbahnen der Üstra Alkohol getrunken werden. Quelle: Peters
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Hannover

Wie berichtet, hatten Stadtverwaltung, Polizei und Deutsche Bahn mit den Geschäftsleuten im Hauptbahnhof einen freiwilligen Verzicht vereinbart. Alkohol zum Mitnehmen sollte drei Monate lang an Wochenenden zwischen 22 Uhr und 6 Uhr nicht verkauft werden. Der Test wird allerdings nicht fortgesetzt, Begründung: kein signifikanter Rückgang von Gewalttaten in der Umgebung des Raschplatzes. Für die SPD ist die Debatte damit keinesfalls beendet. „Wir müssen über ein Alkoholverbot in den Stadtbahnen und Bussen der Üstra nachdenken“, fordert Hermann. Denn der Zusammenhang zwischen Straftaten und Alkoholeinfluss sei allzu bekannt. „In den Metronom-Zügen wird das Verbot sehr erfolgreich umgesetzt, neuerdings gilt auch im Hamburger Nahverkehr ein Alkoholverbot, warum also nicht auch in Hannovers öffentlichen Verkehrsmitteln?“, fragt Hermann.

Die Üstra lehnt diese Forderung strikt ab: „Verbote haben nur Sinn, wenn man ihre Einhaltung auch mit einiger Sicherheit garantieren kann. Der Stadtverkehr der Üstra bietet dafür keine Möglichkeit“, teilte Unternehmenssprecher Udo Iwannek mit. Dieses Argument lässt SPD-Politiker Hermann nicht gelten. „Protec-Mitarbeiter kontrollieren abends ohnehin die Züge. Die könnten auch auf die Einhaltung eines Alkoholverbots achten“, sagt er. Zudem überwachten genügend Kameras die Bahnsteige und Züge.

Am Mittwoch verkündete die Stadt auch offiziell das Ende der alkoholfreien Zone im Hauptbahnhof. Man bedauerte die ausgebliebene Wirkung auf die Zahl der Straftaten und dankte den Einzelhändlern, die trotz Umsatzeinbußen mitgemacht hätten. SPD-Politiker Hermann ärgert der Hinweis auf die Umsatzeinbußen, denn grundsätzlich, so argumentiert er, rangiere die öffentliche Sicherheit vor wirtschaftlichen Einzelinteressen. Insgesamt falle die Bilanz äußerst dünn aus. „Von der Einstellung des Versuchs bin ich noch nicht überzeugt“, sagt Hermann. Das geht Grünen-Fraktionschef Lothar Schlieckau ähnlich. „Der gesamte Test wurde groß angekündigt und dann sehr rasch beendet“, sagt er und fordert eine Analyse der Aktion.

Andere Ratspolitiker winken ab. „Es war abzusehen, dass das Verbot nichts bringt“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Denn wenn die Nachtschwärmer sich nicht im Bahnhof mit Alkohol eindecken könnten, wichen sie eben auf andere Supermärkte in der City aus. Die CDU vermisst „Präventionsmaßnahmen“, die das Verkaufsverbot hätten flankieren müssen.

Die Deutsche Bahn will bis zum Ende des Jahres weiter mit zusätzlichem Sicherheitspersonal gegen Betrunkene im Hauptbahnhof vorgehen. „Wir setzten also weiterhin das in der Hausordnung verankerte Verbot übermäßigen Alkoholkonsums durch“, sagt Bahn-Sprecherin Sabine Brunkhorst. Im neuen Jahr soll dann entschieden werden, ob die Aufstockung des Sicherheitspersonals eine Dauereinrichtung wird.

Andreas Schinkel und Tobias Morchner

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