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Aus der Stadt Sander stützt sich auf alte Gutachten
Hannover Aus der Stadt Sander stützt sich auf alte Gutachten
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20:46 18.01.2010
Von Bernd Haase
Noch zeigen die Schilder an Hannovers Einfallstraßen zur City nur die grüne Plakette an. Quelle: Wallenwein

Dieses Gutachten bezieht sich ausschließlich auf spezielle Nachrüstungen von Bussen älteren Baujahres mit Partikelfiltern. Ein zweites kommt vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung (IFEU), behandelt Stickstoffemissionen des Verkehrs in Baden-Württembergs Städten und ist nach Angaben eines Institutsmitarbeiters nicht ohne weiteres auf die Verhältnisse in Hannover übertragbar. Außerdem ist es jüngst aktualisiert worden.

Nach Angaben des Umweltbundesamtes hat es aus Sanders Haus keine Kontaktaufnahme zwecks genauerer Nachfragen zum Inhalt und zur Anwendbarkeit des Gutachtens gegeben. Eine Sprecherin des Ministers bestätigt dies: „Wir haben uns im Internet informiert und gehen davon aus, dass das, was auf der Homepage des Amtes veröffentlicht wird, seine Gültigkeit hat.“

Sanders Erlass hat zur Folge, dass entgegen eines Ratsbeschlusses weiterhin Autos mit gelben Feinstaubplaketten in Hannovers Umweltzone fahren dürfen. Zur Begründung führt das Ministerium an, dass Dieselfahrzeuge der Schadstoffklasse Euro 3, die mit sogenannten CRT-Rußfiltern nachgerüstet würden, zwar weniger Feinstaub, aber mehr Stickstoffdioxid ausstoßen würden. „Das führt zu einer Steigerung der Schadstoffkonzentration in Straßenschluchten“, heißt es in dem Erlass. Dabei bezieht sich der Minister vor allem auf das Umweltbundesamt.

Dort findet sich die erwähnte Studie zwar auf der Homepage nebst einem Vermerk, sie sei im August 2009 aktualisiert worden. Wenige Zeilen weiter heißt es allerdings: „Diese Stellungnahme erfolgt auf Basis des Erkenntnisstands von 1996.“ Lars Mönch, Fachgebietsleiter Schadstoffminderung und Energieeinsparung im Verkehr beim Umweltbundesamt, erklärt, dass die Studie für Busse älteren Baujahres gelte und die Ergebnisse nicht auf Personenwagen übertragbar seien. Weil es aus verschiedenen deutschen Städten nach wie vor Anfragen zu den Bussen gebe, sei das Gutachten noch immer im Internet verfügbar.

„Die Materie ist kompliziert“, sagt Mönch. Zusammenfassend könne man sagen, dass durch das Nachrüsten von Diesel-Personenwagen der Schadstoffklasse Euro 3 mit Partikelfiltern der gesamte Stickstoffausstoß nicht vermindert werde – aber die Zusammensetzung ändere sich. „Der Anteil des für den Menschen schädlichen Stickstoffdioxides sinkt, der des unschädlichen Stickstoffoxides steigt“, erläutert er. Deshalb trügen die Filter auch in diesem Bereich zur Umweltentlastung bei. Sander behauptet das Gegenteil.

Das zweieinhalb Jahre alte IFEU-Gutachen bezieht sich auf Städte in Baden-Württemberg und ist nicht allgemein gültig, wie ein Mitarbeiter erläutert: „Die Verhältnisse sind schon von Messstation zu Messstation unterschiedlich, geschweige denn von Stadt zu Stadt.“ Außerdem sei ein Nachfolgegutachten mit aktuelleren Erkenntnissen bereits fertig und werde demnächst veröffentlicht.

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