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Aus der Stadt Marodes Märchenschloss
Hannover Aus der Stadt Marodes Märchenschloss
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00:22 16.11.2014
Von Simon Benne
An der Fassade der Marienburg sind Schäden aufgetreten. Auch an anderen Ecken bröckelt der Putz.
An der Fassade der Marienburg sind Schäden aufgetreten. Auch an anderen Ecken bröckelt der Putz. Quelle: Jan Philipp Eberstein
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Hannover

Wie gemalt erhebt sich das imposante Gemäuer über dem Sandsteinfelsen. Zerklüftet, wild, ein trutziges Monument, das steil den herbstlichen Wald überragt. Die Maler der Romantik hätten ihre Freude an der Marienburg gehabt. Jedenfalls mehr als die Statiker der Gegenwart. „Dort oben - das sind Verwitterungsschäden“, sagt Olaf Ahrens, der Betriebsleiter des Welfenschlosses. Einige Steine der Außenmauer hängen bereits zur Hälfte in der Luft, der Sandstein darunter ist abgebröckelt. Auch aus großer Entfernung sind gewaltige Hohlräume im Felsen erkennbar; Pflanzen wurzeln in der Wand.

Die Marienburg muss im großen Stil saniert werden. Die Baumaßnahmen werden unter anderem aus Steuergeldern finanziert.

Als die Welfen ihren Sommersitz bei Pattensen um 1860 erbauen ließen, hatte Königin Marie präzise Vorstellungen davon, wie ihr „idealisches Nestchen“ auszusehen hatte: „Es sollte eine Höhenburg werden, wie am Rhein - das gehörte damals zu den Vorstellungen einer mittelalterlichen, gotischen Burg“, sagt die Kunsthistorikerin Isabel Arends. Im Südosten des Bauplatzes auf dem Marienberg lag damals ein verlassener Steinbruch. „Seine Kante wurde noch steiler gemacht, um dem Felsen eine wild-romantische Anmutung zu geben“, sagt die Kunsthistorikerin. Und genau das ist heute das Problem.

Wind und Wetter lassen die Felskante erodieren: Steter Tropfen höhlt den Stein. Unter dem Druck der Außenmauer könnte der Sandstein irgendwann nachgeben, die Mauer droht dann abzurutschen. Schon vor Jahren wurde ein Stützkorsett aus Betonstreben an einem Teil des Südosthanges angebracht. Doch das reicht nicht mehr. Ein Ingenieurbüro aus Hessen hat den Burgberg jetzt begutachtet, der Bund hat daraufhin Unterstützung in Höhe von 250.000 Euro aus einem Denkmalschutzprogramm zugesagt: „Es geht darum, die Wand zu sichern und die Verwitterung zu stoppen“, sagt Betriebsleiter Ahrens. Allerdings sei die groß angelegte Hangsanierung nur „ein erster Schritt“.

Tatsächlich ist die Marienburg eine Dauerbaustelle. Derzeit klaffen an der Burgbrücke große Lücken in den Steinfugen. An Spitzbögen mit neugotischen Ornamenten blättert die Farbe ab. Aus einer der putzigen Zwergenskulpturen am Burgtor sind große Teile herausgebrochen. Und im Waffenzimmer stehen noch Farbeimer und Leitern. Gerade wurden die Wände gestrichen und alte Haken aus dem Mauerwerk gezogen. „Eine kleine Schönheitsreparatur“, sagt Betriebsleiter Ahrens. Bei Bauwerken dieser Größenordnung gebe es immer etwas zu tun. „Derzeit besteht jedoch besonders großer Sanierungsbedarf“, räumt er dann ein: „In den kommenden Jahren sind größere Investitionen nötig.“ Zahlen nennt er nicht, ein exakter Plan sei noch nicht erstellt - doch es dürfte um Millionen gehen.

„Wir machen keine Flickschusterei“

Die Hangsanierung werde sicherlich nicht die letzte anstehende Maßnahme in den kommenden Jahren sein, glaubt auch Hausherr Ernst August Erbprinz von Hannover: „Es geht uns darum, diesen tollen Ort dauerhaft für Besucher zugänglich zu machen.“ Seine Familie werde sich auch künftig für den Erhalt der Burg einsetzen, versichert der 31-Jährige gegenüber der HAZ: „Wir machen keine Flickschusterei.“

Tatsächlich investiert Ernst August seit Jahren in das Schloss, und es ist ihm gelungen, die lange vor sich hin dümpelnde Burg zu einer Touristenattraktion zu machen. In diesem Jahr kamen erstmals mehr als 200.000 Besucher, allein 75.000 sahen die Ausstellung „Der Weg zur Krone“ über die Geschichte des Königreichs Hannover, die prompt bis Ende 2015 verlängert wurde.

Allerdings setzen die Welfen bei der Finanzierung der Baumaßnahmen offenbar auch auf öffentliche Mittel. Schon bei einer Feier im April hatte Ernst August in Gegenwart von Ministerpräsident Stephan Weil nachdenklich über die hohen Erhaltungskosten der Burg gesprochen: „Auf Dauer ist die Last für eine Privatperson allein nicht zu tragen.“ Nach der Finanzspritze vom Bund wollen die Welfen nun auch vom Land und aus Förderprogrammen der EU Geld für die Sanierung haben: „Es gibt Anfragen, die wir prüfen“, sagt Margit Kautenburger vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Die Marienburg sei ein Kulturdenkmal nationalen Rangs

Bei einer umstrittenen Auktion hatten die Welfen im Jahr 2005 auf der Marienburg Millionen eingenommen, als sie Kunstschätze zu Geld machten. Der Erlös, hieß es damals, sollte unter anderem für den Erhalt des Schlosses verwendet werden. Gleichwohl verteidigt Ernst August, dass die Marienburg jetzt auch aus Steuermitteln saniert werden soll: „Wir nehmen an öffentlichen Fördergeldern nichts in Anspruch, was nicht auch jedem anderen Antragsteller zusteht, der sich verantwortlich um einen historischen Besitz kümmert“, betont er.

Die Marienburg sei ein Kulturdenkmal nationalen Rangs, sagt auch Betriebsleiter Olaf Ahrens. Das Schloss sei ein Aushängeschild des Landes, ein Besuchermagnet, von dessen touristischer Strahlkraft die ganze Region wirtschaftlich profitiere: „Daher wollen wir auch Zuschüsse bekommen“, sagt er.

Auch der Bund der Steuerzahler (BdST), sonst immer für Kritik an unnützen Ausgaben gut, tritt dem nicht grundsätzlich entgegen: „Prinzipiell ist es eine öffentliche Aufgabe, für den Erhalt bedeutender Baudenkmäler zu sorgen“, sagt Gerhard Lippert vom BdST. „Das gilt ganz unabhängig von der Bedürftigkeit des Besitzers.“

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