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Aus der Stadt Sanierung des Plenarsaals drängt
Hannover Aus der Stadt Sanierung des Plenarsaals drängt
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21:44 14.12.2011
Von Klaus Wallbaum
Ein Gutachten sagt: Nur die nötigsten Reparaturen kosten schon 20,8 Millionen Euro.
Ein Gutachten sagt: Nur die nötigsten Reparaturen kosten schon 20,8 Millionen Euro. Quelle: Peters
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Hannover

Diese Summe hat das Architekturbüro Schulze & Partner im Auftrag von Landtagspräsident Hermann Dinkla ermittelt. Es belegt, dass die Sanierung möglich ist – die Mehrheit des Landtags hatte 2010 für einen Abriss des denkmalgeschützten Oesterlen-Baus gestimmt und einen Neubau favorisiert, dessen Kosten aber mittlerweile auf bis zu 65 Millionen Euro geschätzt werden. Eine Initiative hatte dagegen mehr als 45 000 Unterschriften gesammelt.

Das Gutachten stellt noch keinen exakten Kostenvergleich zwischen einer angemessenen Sanierung des Nachkriegsbaus und der Alternative (Abriss und Neubau nach den Plänen des Wettbewerbssiegers Eun Young Yi) dar. Klarheit dazu soll es erst im März oder April 2012 geben. Zunächst einmal hat das hannoversche Büro Schulze & Partner in einer langen Liste zahlreiche schwere Mängel aufgeführt. Sie lassen die jahrelang verschleppte Sanierung dringend erforderlich erscheinen: Der Brandschutz an den Türen ist unzureichend, Fluchtwege sind nicht angemessen, beim Baumaterial sind in den sechziger Jahren Stoffe verwendet worden, die heute verboten sind, auch Asbest. Die Fußböden in mehreren Büros und im Plenarbereich müssen erneuert werden, auch die Stühle der Abgeordneten müssten aus Feuerschutzgründen nachgerüstet oder ausgewechselt werden, heißt es in der 60 Seiten starken Expertise.

Wie teuer das Anpassen des Gebäudes an Energiesparvorgaben wird, bleibt offen. Die Wände sind allerdings mit Millionenaufwand bereits gedämmt worden. Als nicht mehr sicher werden Lüftungstechnik, Heizungsinstallationen, Elektroleitungen und Sanitäranlagen beschrieben. Die Fallrohre könnten das Regenwasser derzeit nicht mehr sicher abführen. Neue Aufzüge, neue Garderoben und eine neue Pförtnerzentrale seien überdies erforderlich.

In der Baukommission des Landtags wurde die Schätzung am Mittwoch vorgestellt. Vermutlich im Januar soll das Gremium beraten, wie eine Sanierung noch um zusätzliche Schritte erweitert werden könnte – etwa einen Umbau der Besuchertribüne oder eine neue Konstruktion des Daches, die mehr Tageslicht im Tagungsraum zuließe. Die Mehrkosten dafür könnten dann bis März oder April ermittelt werden. Bis dahin will auch Wettbewerbssieger Yi seinen Entwurf so sehr überarbeitet haben, dass er unter den Betrag von 65 Millionen Euro sinkt. Ursprünglich hatte der Landtag eine Kostenobergrenze von 45 Millionen Euro beschlossen. Eine grobe Schätzung der Kosten hatte 2010 aber ergeben, dass der Yi-Entwurf erheblich teurer würde, wie im Übrigen auch die Sanierung. Während Enno Hagenah (Grüne) meint, eine Sanierung sei deutlich kostengünstiger als der Yi-Entwurf, warnt Jens Nacke (CDU) vor Euphorie: Für die 20,8 Millionen Euro sei eine wirklich angemessene Lösung nicht zu schaffen.

Tobias Morchner 14.12.2011
Conrad von Meding 15.12.2011
Sonja Fröhlich 14.12.2011