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Aus der Stadt Sauger entfernt Schlamm und Liebesschlösser
Hannover Aus der Stadt Sauger entfernt Schlamm und Liebesschlösser
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00:16 29.10.2016
Foto: Vorarbeiter Mario Graupe zeigt Liebesschloss-Überreste.
Vorarbeiter Mario Graupe zeigt Liebesschloss-Überreste.  Quelle: Tim Schaarschmidt
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Hannover

Sie hatten Symbole ewiger Liebe sein sollen, doch irgendwann waren sie nur noch Metallschrott: die Vorhängeschlösser an der Maschparkbrücke. Hannoveraner mit Schmetterlingen im Bauch hatten jahrelang Hunderte von ihnen am edlen Geländer der denkmalgeschützten Brücke angebracht, bis die Stadt dem Zauber im vergangenen Jahr ein Ende machte. Sie rückte all jenen Schlössern mit Bolzenschneidern zu Leibe, die nicht von den Verliebten selbst abgenommen worden waren, und bewahrte sie noch eine Weile im Werkhof Stammestraße auf. Viele Verliebte kamen und kramten dort nach ihrem ganz persönlichen Schloss. Was dann noch übrig war, stellte der Künstler Joy Lohmann am Ende in der Kröpcke-Uhr aus.

Eine Spezialfirma befreit den Grund des Maschteiches von Schlamm. Dabei fischt sie auch hunderte Liebesschlösser aus dem Gewässer.

Wie die Stadt seit Mittwoch weiß, war es meist kein böser Wille, wenn die Eigentümer ihre Schlösser nicht selbst abholten. Seit ein paar Tagen nämlich befreit eine Spezialfirma den Teich mit einem gigantischen Sauger vom Schlamm. Und dabei fanden ihre Mitarbeiter auf dem Grund des Teiches: Liebesschlossschlüssel. Zu Hunderten.

Erst Liebesbeweis, dann Müll

„Wir fischen hier schon so einiges raus. Neben Flaschen und anderem Abfall, sind vor allem viele Schlüssel von Liebesschlössern dabei“, sagt Robert Quicker von der ausführenden Firma. Nun landen die Schlösser in den Containern, die Quicker und seine Leute mit Müll und Matsch aus dem See befüllen. Und dann im Müll.

Kein Schlüssel mehr am Grund des Teiches

Quicker weiß um die Bedeutung der Schlüssel für die Verliebten, aber er findet, mit dem letzten Gang auf dem Müll sei der Liebe kein Abbruch getan. „Wenn wir sie entsorgen, gibt es ja wirklich keine Möglichkeit mehr, den Schlüssel wiederzubekommen.“ Und das wollten die Paare schließlich mit dem Schlüsselwurf in den Teich bewirken. Nur müssen sich die Liebesschlossbesitzer eben von der romantischen Vorstellung verabschieden, dass der Schlüssel zu ihrem Glück auf dem Boden des Maschteichs zu finden ist. Die Wirklichkeit ist um einiges prosaischer.

Schmodder der letzten 30 Jahre

Währenddessen saugen Quickers Leute unverdrossen weiter. Nachdem sie zunächst die Seerosen geschnitten hatten, arbeiten sie sich nun durch den Schmodder, der sich fast 30 Jahre lang in dem Teich gesammelt hat. Noch bis Weihnachten schwimmen mehrere hundert Meter Rohre auf dem Gewässer, um den Schlamm an Land zu transportieren. Dort wird er dann vom Müll getrennt und anschließend getrocknet.

Der Abfall samt Schlüsseln kommt auf die Deponie.

Von Anna Beckmann

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