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Aus der Stadt Scharfe Kritik an Neubauplänen der Messe
Hannover Aus der Stadt Scharfe Kritik an Neubauplänen der Messe
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21:07 15.02.2012
Politiker kritisieren die Pläne der Messe, den Eingangsbereich neu zu gestalten. Quelle: dpa
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Hannover

„Mit dem neuen Eingang wird die Deutsche Messe AG eine hervorragende Visitenkarte bekommen.“ Zwei Unterausschüsse des Aufsichtsrates haben am Mittwoch das 2,8 Millionen Euro teure Projekt genehmigt – gegen die Stimmen der Arbeitnehmervertreter, wie es hieß.

Der Messe-Vorstand wünscht sich einen freien Blick auf das Hochhaus, um die „städtebaulichen Alleinstellungsmerkmale“ des Gebäudes zu betonen. Zu diesem Zweck sollen zwei Bürohäuser abgerissen werden – eines der beiden hat die Messe gerade erst für 600.000 Euro saniert. „Ich konnte meinen Augen nicht trauen, als ich das in der HAZ las“, sagt FDP-Fraktionschef Wilfried Engelke. Noch vor zwei Jahren habe die Stadt der Messe Steuergeld in Höhe von 125 Millionen spendiert, um dem Unternehmen auf die Beine zu helfen. „Geht es der Messe jetzt zu gut?“, fragt sich Engelke.

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Auch bei den Grünen stößt das Vorhaben auf Unverständnis. „Wir führen der Messe Kapital zu, und die schmeißen das Geld zum Fenster raus“, sagt Grünen-Fraktionsvize Belit Onay. Die CDU ist ebenfalls konsterniert. „Die Messe verfährt offenbar äußerst freizügig mit Steuergeld“, meint CDU-Ratsherr Dieter Küßner. Man hätte doch vor der Sanierung des Bürogebäudes wissen müssen, dass es später der Abrissbirne zum Opfer fällt.

Unmut regt sich auch unter den Mitarbeitern der Stadtverwaltung. Die Vertrauensleute der Gewerkschaft ver.di verteilten an Mittwoch per Mail ein Flugblatt unter den Beschäftigten. Zur Rettung der Messe müsse die Stadt jährlich acht Millionen Euro für Zins und Tilgung aufbringen, heißt es in dem Pamphlet. Wenn die Messe nicht mehr wisse, wohin mit ihrem Geld, dann solle es zurück in den städtischen Haushalt fließen.

Die Landesregierung und die SPD-Ratsfraktion stehen beide hinter dem Vorhaben. Sie unterstützen die Darstellung der Messe, mit der 600.000 Euro teuren Sanierung des einen Bürohauses seien nicht unnötig Mittel investiert worden. Wegen eines nicht ausreichenden Brandschutzes habe ein Zwang zum Handeln bestanden, sonst hätte das Gebäude nicht mehr genutzt werden können, teilte das Unternehmen mit. Erst später habe man auch am zweiten Bürogebäude die gleichen Mängel festgestellt –  dadurch sei die Neugestaltung des Eingangs zum Verwaltungshochhaus notwendig geworden. „Die Messe hat sich die Investition in den Brandschutz nicht ausgesucht“, sagt die Chefin der SPD-Ratsfraktion Christine Kastning.

Die Bauarbeiten sollen den Angaben zufolge nach Abschluss der Hannover Messe in der letzten April-Woche beginnen. Durch den Abriss des renovierten alten Bürogebäudes würden am Ende sogar 300.000 Euro gespart, die für die Sanierung der Fassade vorgesehen waren, hieß es.

Jens Heitmann und Andreas Schinkel

Conrad von Meding 15.02.2012
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