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Aus der Stadt Schauspiel wirbt mit angeblichem Moschee-Projekt für Aufführung
Hannover Aus der Stadt Schauspiel wirbt mit angeblichem Moschee-Projekt für Aufführung
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18:15 12.02.2010
Von Dany Schrader
Hier entsteht eine Moschee – oder vielleicht doch das Kröpcke-Center?
Hier entsteht eine Moschee – oder vielleicht doch das Kröpcke-Center? Quelle: Thomas
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Es ist noch früh am Morgen, und doch gibt sich die Welt an diesem Donnerstag für einige Passanten in der Innenstadt befremdlich: An dem hohen Bauzaun, der das klaffende Loch der Kröpcke-Baustelle umschließt, hängt plötzlich ein großes Schild mit der Aufschrift „Hier entsteht eine Moschee“, und auch zwei Bürgerinitiativen sind bereits zur Stelle. Sie verteilen Flugblätter und füttern die Passanten mit Argumenten. Ein Mann mit Hut aber möchte gar nicht reden. Er ruft nur: „O Gott, eine Moschee“, und schon ist er wieder weg.

Das Schauspiel Hannover hat am Donnerstag mit der Ankündigung "Hier entsteht eine Moschee" für sein neues Theaterstück über den Moscheenstreit in deutschen Städten geworben.

Ähnlich geht es vielen, die im Vorbeigehen einen Blick auf die Bautafel werfen und stutzen, andere lachen und glauben an einen Witz. Und wer den Buchstabensalat auf der Hinweistafel sortiert, kann entdecken, dass hinter der „Leipsuasch Moschee“ nicht etwa eine islamische Bewegung, sondern das Schauspiel Hannover steckt. Schließlich hat der Bauherr als Adresse die Neznirpstraße angegeben – rückwärts gelesen ist das die Prinzenstraße. Mit der ungewöhnlichen Aktion will das Ensemble auf die Premiere der Inszenierung „Moschee DE“ am 27. Februar in der Cumberlandschen Galerie aufmerksam machen, die Hannoveraner aber auch zum Nachdenken anregen, wie Dramaturg Aljoscha Begrich sagt. Szenen des jüngsten Moscheenstreits in Berlin-Heinersdorf sind der Ausgangspunkt für das Stück aus der Feder von Robert Thalheim und Kolja Mensing. Es soll aber auch um die Frage gehen, welche Biografie zu welcher Meinungsbildung führt. „So ein Moscheenstreit kann jederzeit in jeder Stadt entstehen“, sagt Begrich und verweist auf ähnliche Diskussionen in Stöcken.

Die Passanten aber erfahren von der Inszenierung, der heimlichen Plakataktion des Ensembles in den frühen Morgenstunden und den Schauspielern in der Rolle der Bürgerinitiativen-Vertreter zunächst nichts, das ist Teil der Aktion. Sogar zwei Streifenpolizisten wird ein Flugblatt angeboten, sie lehnen dankend ab und wundern sich offenbar nicht über die kleine Menschengruppe, die vor dem Bauzaun angeregt diskutiert. Ein türkischstämmiger Deutscher freut sich derweil: „Für eine Moschee ist das ein guter Platz, da helfe ich gern beim Aufbau.“ Die Bauleitung des Kröpcke-Centers lässt sich nicht blicken. Das Schild bleibt hängen.

„Hannover ist eine tolerante Stadt“
Dany Schrader hat mit Lars-Ole Walburg gesprochen. Er ist Intendant des Schauspiels Hannover.

Herr Walburg, Ihr Ensemble hat mit einer wirklich ungewöhnlichen Aktion für das Stück „Moschee DE“ von Robert Thalheim und Kolja Mensing geworben. Warum?
Natürlich geht es darum, für unsere Inszenierung zu werben. Wir wollen aber auch im positiven Sinne Aufmerksamkeit für den Umgang mit religiöser Toleranz erregen.

Was sagen Sie zu den Reaktionen der Hannoveraner? Ich bin froh, dass es funktioniert hat und so unterschiedliche Reaktionen zu hören waren. Schließlich wäre es schade gewesen, wenn die Aktion unbemerkt verpufft wäre. Die Reaktionen sind ein Zeichen dafür, dass der Moscheenstreit ein brisantes gesellschaftliches Thema ist. Hannover ist eine tolerante Stadt. Anderswo wären wir vielleicht auf eisiges Schweigen gestoßen. Die Menschen hier überlegen zwar erst, bevor sie etwas sagen, aber dann sind sie geradezu kommunikationswütig.

Setzt das Schauspiel künftig häufiger
auf dieses sogenannte Guerilla-Marketing?
Wir finden solche Aktionen interessant, weil es dadurch gelingt, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Haben Sie die Aktion selbst beobachtet?
Nein, leider nicht. Aber ich bin gespannt, was der Bauleiter sagt.

 

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