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Aus der Stadt Wenn ein Parkplatzstreit eskaliert ...
Hannover Aus der Stadt Wenn ein Parkplatzstreit eskaliert ...
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00:15 10.05.2015
Von Michael Zgoll
Symbolbild Quelle: dpa
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Hannover

Ein 62-jähriger Möbelmarktkunde ist mit dem Versuch gescheitert, sich nach einem Streit auf dem Firmenparkplatz für einen Faustschlag zu rächen und finanziell bei seinem 48-jährigen Kontrahenten schadlos zu halten. Er versuchte vor dem hannoverschen Amtsgericht, 300 Euro Schmerzensgeld einzuklagen, ebenso wie eine neue Brille (667 Euro) und die Reparatur einer Zahnprothese (101 Euro). Doch Richter Reinhard Wiehe deckte in der Verhandlung etliche Widersprüche in der Argumentation des 62-Jährigen auf und lehnte seine Forderungen als unbegründet ab.

Der Kläger und seine Ehefrau spazierten an einem Maiabend des Vorjahrs über den Parkplatz eines Laatzener Möbelhauses, als sie von einem Hupen aufgeschreckt wurden. Im von hinten nahenden Wagen saßen der 48-Jährige und seine Ehefrau; der Mann am Steuer wollte das andere Paar darauf aufmerksam machen, die Fahrbahn freizumachen. Kurz darauf kam es vor dem Eingang des Möbelmarkts zu einem heftigen Streit, den die Männer untereinander austrugen.

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Zahnprothese bis heute nicht repariert

Unstrittig ist, dass der Ältere hier einen Schlag ins Gesicht verpasst bekam – doch vieles andere war nicht stimmig. So präsentierte der Kläger in der Verhandlung eine Brille, die eine andere war als das auf dem Parkplatz von der Polizei fotografierte Modell.

Die minimale Beschädigung der Zahnprothese sei möglicherweise älteren Datums, sagte der Richter, jedenfalls habe der Kläger den Zusammenhang mit dem Faustschlag nicht nachweisen können und die Prothese bis heute nicht reparieren lassen. Zudem urteilte Wiehe, der 62-Jährige habe maßgeblich zur Eskalation der Situation beigetragen. Er habe das Auto des Jüngeren fotografiert, ihm wegen des Hupens mit einer Anzeige gedroht und ihn – als dieser weggehen wollte – an seiner Kleidung gezerrt. Auch seien die Verletzungen des Klägers teilweise unbestimmter Herkunft und bei Weitem nicht so schwerwiegend wie behauptet; somit resultiere daraus kein begründeter Schmerzensgeldanspruch.

Der Fausthieb des Autofahrers, so der Richter, sei zwar nicht gerechtfertigt gewesen. Doch habe der Kläger „einen erheblichen und zu missbilligenden Anteil an der eskalierenden Auseinandersetzung getragen“. Auch die Staatsanwaltschaft hatte die Eröffnung eines Strafverfahrens abgelehnt, da der 62-Jährige den Disput erheblich mitverschuldet habe.

Mathias Klein 10.05.2015
Andreas Schinkel 06.05.2015
09.05.2015