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Aus der Stadt Schlecker: Die Leere nach der Insolvenz
Hannover Aus der Stadt Schlecker: Die Leere nach der Insolvenz
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07:22 07.12.2012
Aus dem ehemaligen Schlecker-Laden in Linden ist die Buchhandlung arte p geworden. Quelle: Herzog
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Hannover

In der Stöckener Straße zieht bald wieder Leben in die ehemaligen Räume der Schlecker-Filiale ein. Bauarbeiter richten das Ladengeschäft ein – hier zieht eine Polizeidienststelle ein. Doch so arbeitsam wie in Stöcken geht es in den wenigsten ehemaligen Schlecker-Geschäften in Hannover zu. Die meisten stehen noch immer leer – und viele bieten einen trostlosen Anblick.

Etwa die Geschäftsräume in der Harzburger Straße im Stadtteil Burg. Diese Filiale konnte sich von allen Schlecker-Standorten in Hannover am längsten halten – musste nach zähem Kampf aber am Ende trotzdem aufgeben. Dass es rund um die Harzburger Straße nun keine Drogerie mehr gibt, spürt auch das verbliebene Nachbargeschäft, eine Bäckerei. Natürlich gebe es weniger Kundschaft, erzählt eine Verkäuferin. Ob sie etwas Neues über einen möglichen Nachmieter gehört habe? Die Frau schüttelt den Kopf. „Eine Drogerie wäre toll“, ergänzt sie noch. „Gerade für die Älteren.“

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Doch danach sieht es derzeit nicht aus, auch wenn das große Schlecker-Emblem noch an der Häuserwand prangt und an alte Zeiten erinnert. Ein trostloses Bild bietet auch die alte Schlecker-Filiale in der Marienstraße in Hannovers Südstadt. Das große Logo hängt hier zwar nicht mehr über der Tür, doch aus dem richtigen Winkel sind die Buchstaben noch erkennbar. Der Boden ist mit Staub bedeckt, einzelne Kassen und Regale stehen noch. „Als es Schlecker noch gab, war mehr los“, erzählt Olga Schmal. Sie arbeitet als Auszubildende im Friseurladen nebenan. Seit die Menschen ihren Drogeriebedarf nicht mehr bei Schlecker kaufen könnten, kämen auch weniger Kunden für einen Haarschnitt vorbei. Auch das benachbarte Blumengeschäft merkt die Auswirkungen. „Es gibt weniger Spontankunden“, sagt Inhaberin Friederike Rahlfes. Zum Glück habe sie immer noch ihre Stammkundschaft. Auch sie selbst könne ihre Besorgungen nun nicht mehr so spontan erledigen. „Mal eben schnell Toilettenpapier kaufen, das geht nicht mehr“, sagt Rahlfes.

Ein österreichischer Investor will jetzt ehemalige Schlecker-Standorte in kleine Tante-Emma-Läden umbauen. Doch damit will er in Süddeutschland und vor allem in ländlichen Regionen beginnen – für Hannover kaum ein Lichtblick. Ohnehin sind die Bemühungen, Nachmieter zu finden, sehr unterschiedlich. Im Podbi-Park in der List etwa hängt nicht einmal eine Makler-Telefonnummer im Schaufenster der alten Schlecker-Filiale. „Das verstehe ich nicht“, sagt Christiane Tietz, die seit drei Jahren als Verkäuferin in der nahen Modeboutique Stilista arbeitet.

In den meisten Fällen hat es schon Mietanfragen gegeben, wie die Maklerbüros berichten. Doch bei vielen Interessenten reichte es dann aus unterschiedlichen Gründen nicht zu einer Vertragsunterzeichnung. Im Fall der alten Filiale im Bemeroder Döhrbruch etwa ahnt Marek Triene von Immobilien am Maschsee den Grund: Schlecker-Filialen residierten oft in kleinen Verkaufsräumen, am Döhrbruch sind es gerade einmal 300 Quadratmeter. Für die meisten Filialisten aber kämen erst Größen ab 400 Quadratmeter in Betracht. Zudem hätten die Eigentümer oft zu wenig in die Verkaufsräume investiert. „Die Gebäude sind oft schlecht renoviert“, sagt Triene.

Ein ganz anderes Bild bietet sich in Linden. Dort hat Petra Köpping die Chance genutzt und einen weiteren Arte-P-Buchladen eröffnet. In den ehemaligen Schlecker-Verkaufsräumen in der Velberstraße werden nun hauptsächlich Restbestände und Mängelexemplare verkauft. „Ich habe mich gleich in den Laden verliebt“, verrät Köpping. Besonders gut gefalle ihr, dass der Laden – im Gegensatz zum Stammgeschäft an der Limmerstraße – behindertengerecht sei. Ein Hauch von Schlecker weht trotzdem noch durch die hell erleuchteten Räume: Die Bücher liegen in den alten Regalen der Drogeriekette.

Sophia Michalzik

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