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Aus der Stadt Schüler sollen Umgang mit Lebenskrisen lernen
Hannover Aus der Stadt Schüler sollen Umgang mit Lebenskrisen lernen
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00:22 16.03.2015
Von Veronika Thomas
Auch Spaßmacher können richtig böse sein: Eine Szene der hannoverschen Theatergruppe Fragmenta.
Auch Spaßmacher können richtig böse sein: Eine Szene der hannoverschen Theatergruppe Fragmenta. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Der junge Mann schreit seinen Kummer heraus: „Keiner sieht, was mit mir los ist. So kann ich nicht weiterleben.“ Dann wirft er sich auf den Boden und setzt seinen verzweifelten Monolog fort: „Immer heißt es: Kopf hoch, wird schon. Ist doch alles egal.“ Rund 60 Schüler besuchten am Freitag die Aufführung der hannoverschen Theatergruppe Fragmenta, ein 25-Minuten-Stück, das mehrere kurze Szenen über Lebenskrisen aneinanderreiht. Die Aufführung zum Thema „Niemand bringt sich gerne um“ ist ein Projekt der Arbeitsgemeinschaft Suizidprävention unter Federführung des Winnicott Instituts.

Etwas 800 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren begehen pro Jahr Selbstmord. Als Präventionsmaßnahme führt die hannoversche Theatergruppe „Fragmenta“ ein 25-Minuten-Stück auf, das sich um die Bewältigung von Lebenskrisen dreht. 

Rund 250 Schüler der Klassen 9 bis 12 verschiedener Schulen aus der Region Hannover haben das Stück gesehen. Anschließend wurde das Thema in Arbeitsgruppen vertieft. „Wir wollen eine offene und konstruktive Auseinandersetzung mit Lebenskrisen fördern“, sagt der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut Kurt Brylla vom Winnicott Institut, der die AG Suizidprävention seit 31 Jahren mit organisiert. „Wir wollen Hilfestellung anbieten, bevor ein Suizid als Ausweg gesehen wird.“

Etwa 800 junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren bringen sich jährlich um. Hinter jeder Selbsttötung stehen 30 bis 50 Versuche. In Niedersachsen lag der Anteil in dieser Altersgruppe 2013 bei 68, in der Region Hannover waren es 13 junge Menschen, die keinen anderen Ausweg mehr gesehen haben. „Tod durch Selbsttötung ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen, nach Verkehrsunfällen“, sagt Brylla. Zwar sei die Suizidrate der 15- bis 25-Jährigen in den vergangenen Jahren zurückgegangen, „aber die seelische Not ist nicht weniger geworden“. Als Beispiele nennt er Ritzen, Komasaufen, Würgespiele und U-Bahn-Surfen - selbstverletzendes und riskantes Verhalten nimmt zu. „Wenn junge Leute sagen, sie wollten nicht mehr leben, dann steht dahinter nicht immer eine Selbsttötungsabsicht“, sagt Brylla. „Sie sind aber Ausdruck von Verzweiflung und seelischer Not.“ Ohne Krisen geht es nicht im Leben, heißt es am Schluss des Theaterstücks. Was dabei hilft? Menschen, die uns wertschätzen und verstehen.

Hilfe in Krisensituationen geben das Winnicott Institut, Telefon (05 11) 80 04 97 17, die Beratungsstelle Osterstraße, (05 11) 36 36 58, das Beratungszentrum Oskar-Winter-Straße, (05 11) 62 50 28, und die Jugend-, Familien- und Erziehungsberatungsstelle der Stadt, (05 11) 16 84 82 35.

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