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Aus der Stadt Streit um frühere Ferien für Muslime
Hannover Aus der Stadt Streit um frühere Ferien für Muslime
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00:17 24.07.2014
Von Simon Benne
Foto: Viele Klassenräume werden dieses Jahr in Niedersachsen schon vor den Sommerferien leerer sein als sonst.
Viele Klassenräume werden dieses Jahr in Niedersachsen schon vor den Sommerferien leerer sein als sonst. Quelle: Julian Stratenschulte
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Den Sommerferien blicken viele mit Freude entgegen – da herrscht prinzipiell Einigkeit unter den Anhängern der Weltreligionen. Doch Avni Altiner hat in diesem Jahr gleich doppelten Grund zur Freude: „Für zahlreiche muslimische Familien steht am Beginn dieser Ferien ein Zeichen der Wertschätzung“, sagt der Vorsitzende der Schura, des Landesverbandes der Muslime in Niedersachsen.

Nach einem Erlass des Kultusministeriums können muslimische Schüler in diesem Jahr fünf Tage früher als andere in die Ferien starten, damit sie das Ende des Ramadan am 28. Juli in den Heimatländern ihrer Familien feiern können. „Das Fest des Fastenbrechens hat für gläubige Muslime eine ähnlich große religiöse Bedeutung wie Weihnachten für Christen“, sagt Ministeriumssprecher Sebastian Schumacher. Daher habe man sich entschieden, Schülern die Möglichkeit zur Reise in die Heimat ihrer Familien zu geben, sofern diese Belege wie beispielsweise Flugtickets bei der Schulleitung vorlegen könnten. Genaue Zahlen, wie viele Muslime von der Möglichkeit zur Unterrichtsbefreiung auch Gebrauch machten, gebe es nicht.

Für Avni Altiner hat die Regelung gleichwohl Symbolcharakter: „Deutschland versteht sich als Einwanderungsland, das ist ein Zeichen des Willkommens“, sagt er. Viele der rund 50.000 muslimischen Schüler in Niedersachsen hätten so erstmals die Gelegenheit, das Ende des Ramadan in einem Land zu begehen, in dem sie selbst Teil der Mehrheitsgesellschaft sind: „Die freien Tage fallen ja nicht in die Zeit der Klassenarbeiten“, sagt er.

„Die generelle Unterrichtsbefreiung durch das Kultusministerium war voreilig. Ich hätte mir gewünscht, dass muslimische Eltern dies in direkter Absprache mit ihrer jeweiligen Schule geklärt hätten“, Björn Försterling, FDP. Quelle: Holger Hollemann

In den Schulen sorgt der Erlass unterdessen für Gesprächsstoff: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft warnt vor einer Aushölung der Schulpflicht, die für alle gelten müsse. „Das ist ein heikles Thema – da geht ein Riss durch die Elternschaft“, sagt Rainer Gnauck, Vorsitzender des Stadtelternrates: Viele Mütter und Väter begrüßten die Entscheidung als Zeichen der Integration. „Doch andere halten es für kontraproduktiv, wenn nicht alle Kinder gemeinsam in die Ferien starten.“ Er habe sich für die muslimischen Familien gefreut, sagt Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann: „Es ist gut, an dieser Stelle großzügig zu sein.“

„Rot-Grün ist dabei, die Toleranz von Schülern, Eltern und Lehrern überzustrapazieren. Schulpflicht und Religionsausübung haben sich bisher immer vereinbaren lassen – die Landesregierung setzt das aufs Spiel“, Jens Nacke, CDU. Quelle: Holger Hollemann

Skeptische Töne kommen hingegen vom Humanistischen Verband Niedersachsen (HVN): Sicherlich sei es gerecht, Muslimen freizugeben ,wenn auch Angehörige anderer Religionen an ihren Feiertagen schulfrei bekämen, sagt Lutz Renken vom HVN. Er befürchtet jedoch, dass die gemeinsamen Fundamente des Schulalltags angesichts zunehmender religiöser Pluralität zerbröseln könnten: „Grundsätzlich ist zu überdenken, ob es überhaupt Unterrichtsbefreiungen für einzelne Gruppen geben soll.“

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