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Aus der Stadt Schnibbeln mit dem Landwirtschaftsminister
Hannover Aus der Stadt Schnibbeln mit dem Landwirtschaftsminister
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18:37 09.10.2014
Es dauert keine Minute, da hat sich Christian Meyer am Donnerstag an den für ihn viel zu kleinen Tisch gesetzt und schneidet mit einem Messerchen Äpfel und Bananen in mundgerechte Stücke. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Es dauert keine Minute, da hat sich Christian Meyer am Donnerstag an den für ihn viel zu kleinen Tisch gesetzt und schneidet mit einem Messerchen Äpfel und Bananen in mundgerechte Stücke. Unterstützung bekommt der niedersächsische Landwirtschaftsminister von Verwandten der Kinder, die die Grundschule Am Stöckener Bach besuchen und jetzt dreimal die Woche beim Zubereiten des Schulobstes helfen.

Seit Anfang des Schuljahres nimmt Niedersachsen am Schulobst- und Gemüseprogramm, das von der Europäischen Union gefördert wird. Dreimal pro Woche soll jeder Schüler der 628 teilnehmenden Grund und Förderschulen 100 Gramm Obst und Gemüse bekommen – kostenlos. Von den fast 3,7 Millionen Euro, die die Vitaminversorgung der mehr als 100.000 Schüler kostet, zahlt das Land ein Viertel. Der Rest kommt aus Mitteln der EU.

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Landwirtschaftsminister Christian Meyer verteilte „EU-Äpfel“ in der Grundschule Am Stöckener Bach.

Mehr als die Finanzierung erschwerten der Landesregierung jedoch die bürokratischen Hürden die Umsetzung des Programms, dass es bereits seit fünf Jahren gibt. Schon kurz nach der Vorstellung des Konzepts entschied sich die damalige schwarz-gelbe Landesregierung aus genau diesem Grund gegen die Schulobstinitiative. „Der bürokratische Aufwand ist gar nicht so hoch“, sagte Landwirtschaftsminister Meyer im vergangenen Jahr und brachte den Stein wieder ins Rollen. Doch dann holte ihn die Bürokratie kurz vor dem Start wieder ein.

Zu Beginn des Schuljahres hatten noch nicht alle Grundschulen einen Lieferanten gefunden, der sie mit frischem Obst und Gemüse versorgen sollte. In einigen Fällen gab es schon entsprechende Verträge, die aber noch von der Landwirtschaftskammer geprüft werden mussten. Mittlerweile hat das Land aber den Großteil des Rückstands aufgeholt. 480 der 628 Schulen bekamen in dieser Woche bereits ihre Lieferungen aus regionalen Betrieben. „Besonders freut uns, dass sich mehr als 330 davon dafür entschieden haben, nur mit ökologisch angebauten Obst und Gemüse beliefert zu werden“, sagte Meyer.

Für die Schüler bedeutet dies nicht nur, dass sie ab jetzt unbehandeltes Obst und Gemüse bekommen. Im Rahmen des Ernährungsunterrichts, der begleitend zu der EU-Initiative angeboten wird, sind auch Ausflüge auf die Höfe der Lieferanten geplant. Für die Kinder der Grundschule Am Stöckener Bach heißt das, dass sie in diesem Schuljahr den Kampfelder Hof in Hemmingen besuchen werden und dort erkunden, wo zumindest die Äpfel herkommen, die Christian Meyer am Donnerstag für sie kleinschnibbelte.

Jörn Kießler