Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Neue Westen sollen Protec-Mitarbeiter schützen
Hannover Aus der Stadt Neue Westen sollen Protec-Mitarbeiter schützen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 17.12.2017
Mustafa Darendeli (links) und Damla Sahin verrichten ihren Dienst jetzt besser geschützt.
Mustafa Darendeli (links) und Damla Sahin verrichten ihren Dienst jetzt besser geschützt. Quelle: Tim Schaarschmidt
Anzeige
Hannover

 Immer häufiger haben Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Protec mit gefährlichen Streitsituationen in Bussen und Bahnen zu tun. Seit 2014 sind die Vorfälle um 50 Prozent auf jetzt 10 000 Fälle im Jahr gestiegen. Um die Protec-Mitarbeiter besser zu schützen, bekommen sie nun neue Sicherheitswesten, welche sie unter anderem auch gegen Angriffe mit Messern oder kleinen Schusswaffen schützen. 

Angeschafft wurden die Westen auf Anfrage der Mitarbeiter. “Wir haben uns das gewünscht“, sagt Damla Sahin, eine von rund 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der sogenannten U-Bahnwache der Protec. „Es gibt eine allgemeine gesellschaftliche Verrohung, die sich auf das subjektive Sicherheitsgefühl unserer Mitarbeiter auswirkt“, erklärt Geschäftsführer Mathias Lindscheid. Auch die lebensgefährliche Messerattacke auf einen Bundespolizisten im hannoverschen Hauptbahnhof im Februar 2016 habe dazu beigetragen, dass sich die Männer und Frauen des Sicherheitsdienstes eine verbesserte Schutzkleidung wünschten.

Um sich besser vor gefährlichen Situationen zu schützen, bekommen die Mitarbeiter des Sicherheitsunternehmens Protec stabilere Westen.

Brenzlige Situationen entstehen laut Lindscheid oft dann, wenn sich Fahrgäste in Bahnen und Stationen streiten oder prügeln. Dann sollen die Protec-Mitarbeiter deeskalierend eingreifen, also schlichten und beruhigen. „Manchmal führt das dann dazu, dass sich die Streitenden gegen unsere Leute solidarisieren“, erklärt der Geschäftsführer. 

Die Protec spricht, wenn es nicht mehr anders geht, gegen die Betroffenen temporäre Hausverbote aus und führt sie aus der Bahn oder der Station. „Dabei hatten wir Situationen, in denen die Leute plötzlich Flaschenhälse abgeschlagen und uns mit den abgebrochenen Spitzen attackiert haben“, schildert Schahin. Auch gezückten Messern und in zwei Fällen sogar Schusswaffen hätten sich die Mitarbeiter schon gegenüber gesehen, sagt Lindscheid.

Häufung am Wochenende

Die Protec registriert beschriebene Situationen besonders häufig am Abend und in den Nächten am Freitag, am Sonnabend und in der Zeit bis Sonntagmittag. Der Geschäftsführer betont aber, dass es sich bei den Bedrohungen mit Waffen oder Glasscherben noch um vergleichsweise seltene Fälle handele – gemessen etwa an dem Umstand, dass die Üstra in ihren Bussen und Bahnen täglich mehr als eine halbe Million Fahrgäste transportiert. Die Zahl der tatsächlich erfolgten Übergriffe auf das Personal, die dann als Arbeitsunfälle registriert würden, liege konstant bei fünf bis sieben pro Jahr. Es gehe mithin vorrangig darum, das erwähnte Sicherheitsgefühl der Mitarbeiter zu stärken.

Spezielles Material

Die neuen Westen des Herstellers Mehler aus Fulda sehen aus wie normale Schutzwesten, enthalten aber im Inneren spezielles Material und wiegen etwa 3,5 Kilogramm. Rund 45 000 Euro kosten sie insgesamt und ergänzen die vorhandene Ausstattung der Protec-Mitarbeiter, die aus Anzug, Schutzstiefeln, Schlagstock (neuerdings Einsatzmehrzweckstock genannt) und einer Dose mit Tierabwehrspray. 

Hannover orientiert sich mit dem Konzept auch an den Erfahrungen anderer Großstädte. Ähnliche Schutzwesten sind bisher schon bei der Deutschen Bahn und bei den Nahverkehrsgesellschaften in Hamburg und München im Einsatz. Die Berliner Verkehrsbetriebe wollen nach eigenen Angaben Anfang des Jahres nachziehen.

Von Bernd Haase

Aus der Stadt Weihnachtsgesteck fängt Feuer - Wohnstiftmitarbeiter retten 98-Jährige
17.12.2017
17.12.2017