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Aus der Stadt Schweigsame Ärztin, überforderte Richter
Hannover Aus der Stadt Schweigsame Ärztin, überforderte Richter
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20:14 16.10.2009
Von Gabi Stief
Dr. Mechthild Bach Quelle: Thomas (Archiv)

Sie soll Patienten „eine unangemessen hohe Dosis Morphium, teilweise in Kombination mit einer überhöhten Gabe von Diazepam (Valium)“ verabreicht haben – eine Behandlung, die laut Anklage „nicht den Regeln der ärztlichen Kunst“ entsprach und den Tod zur Folge hatte. Pfusch? Der schwerwiegendste Vorwurf: Der mittlerweile 59-jährigen Ärztin soll „bewusst“ gewesen sein, was sie tat.

Im Februar vergangenen Jahres, fünf Jahre nach Verhängung eines Berufsverbots, saß Mechthild Bach erstmals auf der Anklagebank, um sich zu verteidigen. Nur einmal, für wenige Minuten, sprach sie selbst, um die Fragen des Richters zu ihrer Person zu beantworten. Sie habe eine Praxis zur Gesundheitsprävention eröffnet, sagt sie. „Ich kann da viel einbringen ...“ Die folgenden Wochen verfolgt sie das Geschehen im Gerichtssaal schweigend, ohne sichtbare Regung, aber hochkonzentriert. Blass, mit ihren silbergrauen Haaren, hochgeschlossenen Blusen und dunklen, langen Röcken, wirkt sie wie in eine Rüstung gezwängt, wächsern, fast zerbrechlich. Was bewegt diese Frau?

Im August, ein halbes Jahr wurde verhandelt, platzt der Prozess, weil ein Richter schwer erkrankt ist und ein Ersatzrichter nicht eingeplant war. Gerade einmal zwei Fälle hat das Gericht zu diesem Zeitpunkt abschließend verhandelt – ein dritter wird als unvollendet zu den Akten gelegt. Nicht nur ein Gutachterstreit, auch die lange zeitliche Distanz zu den Ereignissen erschwert die Wahrheitssuche. Die Patientenunterlagen und Pfleged okumentationen sind mangelhaft, manchmal schwer zu entziffern und für Juristen rätselhaft. „Bei den Aufzeichnungen sind Fehler passiert“, räumt eine Krankenschwester der Paracelsusklinik vor Gericht ein.

Drei Fälle, drei Opfer? Fest steht, dass Wolfgang S. im Dezember 2001 nach Krampfanfällen mit dem Verdacht auf Asthma und einen Hirntumor in die Paracelsusklinik eingeliefert wird. Nach 14 Tagen, an Heiligabend, stirbt er. Hätte eine Operation den 52-Jährigen retten können? Im Laufe des Prozesses stellt sich heraus, dass der Verstorbene nicht nur an einem Hirntumor litt, sondern zudem Krebsgeschwüre in der Leber, der Lunge und in der Speiseröhre hatte. Ein Internist sagt aus, die Grenzen der Medizin seien erreicht gewesen. Ein Onkologe vermutet Tod durch Leberversagen.

Auch der Sachverständige der Bach-Verteidiger ist überzeugt, dass Wolfgang S. an den Folgen seiner Krebserkrankung starb. Der Gutachter der Staatsanwaltschaft, der anfangs noch den Krebsbefund bezweifelt, später aber einräumt, dass er „nur“ Anästhesist ist, hält das Absetzen der alten Medikamente und die anschließende Behandlung mit Morphium und Valium für die eigentliche Todesursache. „Der Patient schläft sich in den eigenen Tod.“

Annelies R. wird im März 2002 nachts nach einem Sturz im Pflegeheim mit einem Beckenbruch in die Klinik eingeliefert. Es ist die immer gleiche Abfolge, die die Ermittler aufmerksam werden ließ: Auch bei Annelies R. werden nach einer Woche die alten Medikamente abgesetzt und Morphium zur Schmerzlinderung und Valium zur Ruhigstellung injiziert. Am achten Tag stirbt die 81-Jährige. Nach einem Beckenbruch? Vor Gericht wird klar, dass Annelies R. ihre letzten Monate fast nur noch in Kliniken verbrachte. Beide Gutachter sind sich ausnahmsweise mal einig, dass Annelies R. schwer herzkrank war und es keine Chance auf Heilung gab. Doch der Sachverständige der Anklage ist überzeugt: Die Ampulle Morphium hat den Tod beschleunigt.

Huiberdina A. stirbt im Februar 2003, nachdem sie fünf Wochen zuvor von der Medizinischen Hochschule in die Paracelsusklinik zur „Weiterbehandlung einer Diarrhö“ verlegt worden war. Bei der polizeilichen Vernehmung hatte eine der Töchter, die auch als Nebenklägerin auftritt, ausgesagt, sie wisse nur von leichten Gebrechen der Mutter. Zeugen bestätigen vor Gericht, dass die 80-Jährige schwer krank war, zu Hause ein Atemgerät benötigte und häufig in Kliniken lag, wo sie Opiate aufgrund ihrer starken Schmerzen bekam. Die Ärztin Bach lässt ihren Verteidiger aussagen, dass sie sich an die Patientin nicht erinnern kann und auch das Morphium nicht verordnet habe.

Zwei Gutachter, zwei Meinungen. Sie sind Kapazitäten der Schmerzmedizin und einander nicht sonderlich zugetan. Der Streit zwischen Michael Zenz, Direktor an der Uni-Klinik Bochum, und Rafael Dudziak, früherer Direktor an der Uni-Klinik Frankfurt, hat den Gerichtssaal zeitweilig in einen Hörsaal verwandelt: Zeugen wurden zu Studenten im mündlichen Examen, Richter und Ankläger zu unwissenden Statisten und Verteidiger zu ungehörigen Störern. Man beugte sich über Versuchsanordnungen, ließ den Computer Wirkungskurven erstellen – und kam nebenbei zu der wissenschaftlichen Erkenntnis, dass bei der Verwendung von PVC-Schläuchen weniger Valium im Blut ankommt.

Wenn Zenz auf seine Erstveröffentlichungen hinwies und Verteidiger Matthias Waldraff daraufhin bat, man solle ihm doch bitte die Fundstellen schriftlich nachreichen, geriet der Prozess ins Komische. Als Zenz die Tochter der Verstorbenen fragte, ob die Mutter nicht kurz vor dem Tod noch „quietschfidel“ gewesen sei, wurde es tragisch.

Warum, so wurde Dudziak gefragt, habe er den Auftrag der Bach-Verteidiger angenommen? „Ich war neugierig auf die wissenschaftliche Auslegung des Kollegen Zenz.“ Der Liebhaber klassischer Musik und gläubige Christ ließ die Ethik gegen die Wissenschaft antreten. Der Abbruch einer Therapie sei eine „rationale Entscheidung“, sagte Dudziak. „Irgendwann muss ein Arzt entscheiden, was noch sinnvoll ist.“ Ohne den Patienten oder die Angehörigen zu informieren, fragte Zenz.

Die feste Bank der Richter. Das Gericht war zeitweilig überfordert. „Warum haben zwei Wissenschaftler unterschiedliche Meinungen?“, erregte sich Richter Frank Bürger. „Das ist die Phänomenologie von Sachverständigen“, beschied ihn Dudziak. Bernd Rümke, Vorsitzender Richter, kämpfte immer wieder mit einem Publikum, das sich mit der Angeklagten verschwisterte. „Für uns gilt das Gesetz und nicht Stimmung im Saal.“

Für einen Eklat sorgte schließlich der Vorwurf, Bürger halte die Angeklagte längst für schuldig. Er sei hundertprozentig davon überzeugt, dass Bach die Patienten totgespritzt habe, soll er gegenüber seiner Exfrau gesagt haben. Den Befangenheitsantrag der Anwälte gegen Bürger wies das Gericht zurück. Als Bürger Wochen später schwer erkrankte, konnte nichts mehr abgewehrt werden – der Prozess musste abgebrochen werden.

Sie stand in „Soloalbum“ neben Matthias Schweighöfer (28) und spielte an der Seite von Til Schweiger (45) in „Keinohrhasen.“ Und auch die Fortsetzung „Zweiohrküken“ ist bereits abgedreht und feiert am 3. Dezember Premiere. Nun dreht Nora Tschirner (28) unter der Regie von Nachwuchstalent Andreas Schaap (29) auch in Hannover.

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