Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Schwere Vorwürfe gegen Mechthild Bach
Hannover Aus der Stadt Schwere Vorwürfe gegen Mechthild Bach
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:48 03.06.2010
Von Sonja Fröhlich
Umstritten: Mechthild Bach. Quelle: Rainer Dröse (Archiv)

So habe sie das Pflegepersonal anleiten wollen, dem Patienten nicht indizierte Medikamente zu verabreichen und Vorkehrungen für seinen Tod zu treffen. Nach Dafürhalten der Pflegedienstleitung lag der Patient zu dem Zeitpunkt jedoch nicht im Sterben.

Aufgrund der Kritik des Langenhagener Pflegedienstes, in dessen Dementen-Wohngemeinschaft Bachs Lebensgefährte untergebracht war, hatte das Amtsgericht der 60-Jährigen in der vergangenen Woche das Betreuungsrecht für den Mann entzogen, mit dem sie mehr als 30 Jahre zusammen war. Von Anhängern Bachs war dem privaten Pflegedienst daraufhin vorgeworfen worden, ungerechtfertigte Vorwürfe gegen die Ärztin erhoben zu haben. Zudem war der Verdacht geäußert worden, ein privater Pflegedienst ordne womöglich aus wirtschaftlichen Gründen lebensverlängernde Maßnahmen selbst dann an, wenn sie nicht angebracht seien. Dies wies die Geschäftsführerin jetzt entschieden zurück: „Das können wir nicht auf uns sitzen lassen“, sagt sie. „Bei uns wird jeder gleich behandelt, und dabei geht es in erster Linie um das Wohl der Patienten.“ Ihr Anwalt Bernd Wegener erklärte, dass seine Mandantin den Fall schon von Rechts wegen dem Vormundschaftsgericht melden musste.

Bachs Lebensgefährte war wegen einer deutlichen Verschlechterung seines Gesundheitszustandes vorübergehend in eine Klinik eingewiesen worden. Bachs Anwalt Matthias Waldraff weist darauf hin, dass das ethische Konzil in der Klinik sich gegen lebensverlängernde Maßnahmen bei dem Patienten aussprach. Danach war der Mann zurück in die Dementen-Wohngemeinschaft gekommen. Bach habe dann darauf gedrungen, so der zentrale Vorwurf des Pflegedienstes, dass ihrem Lebensgefährten zweimal täglich eine Ampulle des verschreibungspflichtigen Beruhigungsmittels Atosil gespritzt wird. Der behandelnde Arzt in der Klinik aber hatte lediglich die Verabreichung einer Ampulle „bei Bedarf“ angeordnet. Bach habe den Arztbrief aus der Klinik jedoch nicht an die Pfleger weitergeben wollen, sondern auf der doppelten Dosis „beharrt“. Schließlich soll sie das Mittel selbst mit in die Wohngemeinschaft gebracht haben. Das Personal weigerte sich jedoch, Bachs Anweisungen Folge zu leisten, und schaltete die Pflegeleitung ein.

Auch was den Gesundheitszustand des Patienten angeht, lagen die Meinungen der Pfleger und der Ärztin weit auseinander. Die Mitarbeiter sagen, dass sich der Patient nach dem Klinikaufenthalt wieder berappelt habe. Nach Bachs Auffassung lag er im Sterben. Die Ärztin legte dem Pflegepersonal einen Acht-Punkte-Plan für den Umgang mit ihrem Partner vor. Unter anderem sollte sein Zimmer abgedunkelt werden und „absolute Ruhe“ herrschen – der Mann sollte keinen Besuch bekommen und nicht angesprochen werden. Bach verbat auch die Kontrolle entscheidender Blutwerte. Die Geschäftsführung reagierte empört: „Auf diese Weise stirbt bei uns niemand – bei uns ist es hell und freundlich, und es sitzen Menschen am Bett, die einen streicheln.“ Bachs Lebensgefährte starb in der Nacht zu Mittwoch in einem Krankenhaus. Nach der Kontroverse hatte ein Hausarzt die Verlegung dorthin angeordnet.

Mechthild Bach steht in Hannover vor Gericht, weil sie 13 ihrer schwer kranken Patienten durch Verabreichung hoher Dosen von Schmerz- und Beruhigungsmitteln getötet haben soll. Sie ist wegen der Vorwürfe mit einem Berufsverbot belegt.

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Mehr zum Thema
Aus der Stadt Betreuung des Lebensgefährten - Kritik an Beschluss gegen Bach

Der Beschluss eines Amtsrichters, der Ärztin Mechthild Bach die Betreuung für ihren Lebensgefährten zu entziehen, ist bei Pflegekräften und Patienten auf heftige Kritik gestoßen. „Das ist für mich unfassbar“, sagt die Burgwedeler Psychologin Jutta Schütz, die viele Jahre im Hospizdienst tätig war.

Sonja Fröhlich 27.05.2010

„Ich spürte, wenn ein Patient keine Aura mehr hat, keine Energiefelder – da ist schon ein Vakuum.“ In einer persönlichen Erklärung vor Gericht hat die wegen Tötung von 13 Patienten angeklagte Internistin Mechthild Bach am Montag für sich in Anspruch genommen, sie habe erkannt, wenn ein Patient im Sterben lag.

Sonja Fröhlich 07.12.2009

Im Prozess gegen die wegen Totschlags angeklagte Ärztin Mechthild Bach geht die Verteidigung in die Offensive: Die Anwälte der Internistin haben einen Befangenheitsantrag gegen den Sachverständigen Prof. Michael Zenz gestellt, auf dessen Ergebnisse die Staatsanwaltschaft ihre Anklage stützt.

Juliane Kaune 04.01.2010

Nach einer teils turbulent verlaufenen Sitzung hat der Aufsichtsrat der Üstra gestern einen neuen Rententopf für die Beschäftigten des Unternehmens befürwortet. Gegen das Werk stimmten nach Informationen der HAZ Vertreter von CDU, FDP und Grünen; außerdem verließen drei Vertreter der Gewerkschaft ver.di während der Abstimmung aus Protest den Raum.

Bernd Haase 03.06.2010

Die Pannenserie bei der Deutschen Bahn reißt nicht ab. Einen Tag nach dem Chaos im Zugverkehr ist noch nicht klar, wie es zu den Kurzschlüssen im Hauptbahnhof, die zur Abschaltung der gesamten Stromversorgung führten, kommen konnte.

Tobias Morchner 03.06.2010

Zehn katholische Gemeinden aus Stadt und Umland haben am Donnerstagabend an der Fronleichnamsfeier auf dem Vorplatz der Neustädter Hof- und Stadtkirche teilgenommen. Zur Eucharistiefeier mit anschließender Prozession kamen rund 600 Menschen.

03.06.2010