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Aus der Stadt Schwerer Schlag gegen organisierten Zigarettenschmuggel
Hannover Aus der Stadt Schwerer Schlag gegen organisierten Zigarettenschmuggel
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21:05 17.02.2011
Die griechische Schmugglerbande hatte sich auf Zigaretten der Marke „Jin Ling“ spezialisiert. Quelle: dpa

Die Operation „Hydra“ des Zollfahndungsamts Hannover war ein gewaltiger Schlag gegen die organisierte Kriminalität. Nach zweijährigen Ermittlungen sitzen nicht nur die Köpfe einer griechisch-kasachischen Zigarettenschmugglerbande hinter Gittern, sondern auch zahlreiche Zwischenhändler, Geldboten und andere Handlanger. Insgesamt vollstreckten die Beamten Haftbefehle gegen 22 Personen, darunter zwei hochrangige griechische Polizisten, die die Aktivitäten der Schmuggler gedeckt hatten. Sie alle sollen ihr Geld mit der Herstellung und illegalen Einfuhr von Zigaretten, in der Regel der Marke „Jin Ling“, verdient haben. Der Steuerschaden geht in den zweistelligen Millionenbereich. Die Schmuggelware war hauptsächlich für den deutschen Schwarzmarkt bestimmt. Absatzprobleme hatte die Bande offenbar nicht. „Ich kann mir in Hannover Stadtteile vorstellen, in denen wir keine einzige versteuerte Zigarette finden“, sagte Jörg Meier vom Zoll in Hannover.

Auf die Spur der Schmuggler waren die Fahnder im November 2008 mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg gekommen. Damals hatten sie einen anderen griechischen Schmugglerring zerschlagen. „Doch innerhalb weniger Tage florierte bei uns wieder der Handel mit unversteuerten Zigaretten aus Griechenland“, berichtete Meier. Offenbar hatten sich in Athen und Thessaloniki neue Menschen gefunden, die die alten Schmuggelrouten wieder nutzbar gemacht hatten. „Die Täter stehen in Griechenland Schlange und stoßen sofort in die Lücke, wenn ein anderer verhaftet wird“, erklärte Zollfahnder Meier.

Also eröffneten die Beamten ein neues Ermittlungsverfahren unter dem Decknamen „Hydra“ – benannt nach dem neunköpfigen Ungeheuer der griechischen Mythologie. Verliert dieses Wesen einen Kopf, wachsen an dessen Stelle sofort zwei neue nach, heißt es in der Sage. Von Hannover aus, durch das Abhören unzähliger Telefongespräche und verdeckte Observationen, fanden die Zöllner heraus, wo die Produktionsstätten der Schmuggler lagen. Gemeinsam mit griechischen Kollegen hoben sie anschließend zwei illegale Zigarettenfabriken aus. In einer der beiden sollen allein mehr als 300 Millionen Zigaretten hergestellt worden sein. Dabei stellten die Fahnder neben zahlreichen Maschinen rund 15 Tonnen Rohtabak und Verpackungsmaterial sicher. Außerdem froren sie das Kontoguthaben des Haupttäters in Höhe von 600.000 Euro ein und
beschlagnahmten dessen Luxusfahrzeuge und Jachten.

Auch in Norddeutschland schlugen die Zollfahnder zu. In einer Scheune im Oldenburger Land stießen sie auf 4,5 Millionen unverzollter Zigaretten. Anschließend nahmen sie zwei Männer fest, die als Geldkuriere für die Bande tätig waren. Sie sind inzwischen zu Freiheitsstrafen von jeweils mehr als drei Jahren verurteilt worden. Innerhalb von nur drei Monaten hatte einer der Boten 700.000 Euro aus Schmuggelgeschäften eingesammelt und zum Flughafen nach Brüssel gebracht. Dort übergab er die Summe an einen Komplizen, der mit dem Geld nach Griechenland flog. „Das macht deutlich, wie hoch die Gewinnspannen in diesem Geschäft sind“, sagte Zollfahnder Meier. Aus diesem Grund vermutet der erfahrene Beamte, dass seine Arbeit noch längst nicht beendet ist. Sein Job gleicht also in gewisser Weise dem des berühmten Sisyphus. Und diesen griechischen Helden muss man sich – zumindest nach der Deutung des französischen Schriftstellers Albert Camus – durchaus als einen glücklichen Menschen vorstellen.

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