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Aus der Stadt Schwesterschaft hat wieder Zulauf
Hannover Aus der Stadt Schwesterschaft hat wieder Zulauf
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06:15 22.04.2012
Von Veronika Thomas
„Unser Anspruch ist hoch“: Stationsschwester Sylke (l.) und Schwester Franziska versorgen einen Patienten im Krankenzimmer. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Bis in die achtziger Jahre hinein gehörten Krankenschwestern mit Tracht und Haube noch zum gewohnten Bild hannoverscher Krankenhäuser mit christlicher Prägung. Diese Kleiderordnung ist bis auf wenige Ausnahmen verschwunden, oder sie hat sich so grundlegend gewandelt, dass sie auf den ersten Blick kaum mehr als solche zu erkennen ist - wie bei der Schwesternschaft des Friederikenstifts. Ihre Mitglieder tragen Tracht, aus Überzeugung und aus Tradition: sportlich für gemeinsame Ausflüge und Kirchentagsbesuche, festlich zu besonderen Anlässen und praktisch-bequem für die tägliche Arbeit. Jetzt soll die alte Festtagstracht um eine modische Variante erweitert werden – das Kleid bekommt Konkurrenz von einem Hosenanzug und einem Kostüm.

Viele Patienten und Besucher des Friederikenstifts würden den hellblauen Kasak oder das Kleid mit dem weiß abgesetzten V-Kragen gar nicht als Bestandteil einer Schwesterntracht wahrnehmen, steckte nicht noch bei einigen wenigen Damen eine Haube im Haar. Sie zu tragen ist aber freiwillig. „Ich finde sie im Alltag störend, und sie ziept im Haar“, findet Julia Schnabel, die der Schwesternschaft seit 2001 angehört. Zu erkennen aber sind alle „Friederiken“, wie die organisierten Schwestern genannt werden, an ihrer Brosche, die den Kasak wie die Festtagstracht schmückt. Selbst die Poloshirts und Fleecejacken sind mit solch einem stilisierten Schmuckstück bestickt, das Diakoniekrankenhaus selbst führt das Zeichen als Logo.

Die silberne Brosche der examinierten Krankenschwestern zeigt ein „F“ in einer Lutherrose mit einer Krone. Eingesegnete Schwestern tragen zusätzlich ein silbernes Kreuz, die Brosche der Schwesternschülerinnen zeigt die Lutherrose mit einem Kreuz in der Mitte. Oberin Elke Reinfeld, gleichzeitig Pflegerische Geschäftsführerin des Friederikenstifts und für die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflegeschule verantwortlich, trägt die goldene Brosche.

Sie symbolisiert die Geschichte der Schwesternschaft und ihr Glaubensbekenntnis gleichermaßen. Im August 1840 gründete die christlich engagierte Ida Arenhold gemeinsam mit sieben weiteren Gleichgesinnten der gutbürgerlichen hannoverschen Gesellschaft den „Frauenverein für Armen- und Krankenpflege“. Damit sollte die wachsende Verelendung breiter Bevölkerungsschichten infolge der fortschreitenden Industrialisierung gelindert werden. König Ernst August (der mit dem Pferd auf dem gleichnamigen Platz) war so angetan von dieser Initiative, dass er dem Verein 1843 den „Weißhaarschen Hof“ schenkte, der die Keimzelle des heutigen Friederikenstifts in der Calenberger Neustadt bildete. Ein Jahr später verlieh der König dem Vereinshaus und Spital, in dem unter anderem Krankenzimmer, Wohnungen für Arme, eine Art Kindergarten und eine Suppenküche untergebracht waren, als Anerkennung und zu Ehren seiner 1841 früh gestobenen Gattin, Königin Friederike, den Namen Friederikenstift.

„Das ,F‘ steht für Friederike, mit der Lutherrose bringen wir unsere Verbundenheit zur evangelischen-lutherischen Landeskirche zum Ausdruck und mit der Krone unsere Verbundenheit mit dem Welfenhaus“, beschreibt Sabine Ritter, Referentin der Schwesternschaft, die in Silber oder Gold geformten Insignien der Traditionsvereinigung. 1922 wurde die Krankenpflegeschule gegründet, um Auszubildende für den wachsenden Bedarf an Krankenschwestern rekrutieren zu können. Dieses Jahr markiert die Zeit der organisierten Schwesternschaft, die in einem Wohnheim auf dem Klinikgelände lebte. Der Nachwuchs stammte aus gutbürgerlichen Familien. Wer heiratete, musste die Versorgungsgemeinschaft jedoch verlassen. Als Ehefrauen waren diese geschulten Fachkräfte aufgrund ihres sozialen und praktischen Sachverstands aber sehr gefragt, berichtet Oberin Reinfeld.

Heute wohnt außer den Schwesternschülerinnen keine Krankenschwester mehr auf dem Gelände. Eine Eheschließung ist ebenfalls kein Grund mehr für den Ausschluss aus der schwesterlichen Gemeinschaft. Eine entsprechende Satzung wurde 1994 verabschiedet. Seitdem verbucht die Schwesternschaft wieder regen Zulauf und ist zurzeit die drittgrößte im Bundesgebiet. Von den rund 580 Mitgliedern sind 380 examinierte Schwestern, das sind etwa 80 Prozent aller weiblichen Klinikbeschäftigten. Sie sind in allen Einrichtungen des Friederikenstifts einschließlich des Uhlhorn Hospizes und der Reha-Einrichtung für schwer Unfallverletzte in Bad Münder-Hachmühlen im Einsatz. Zur Vereinigung zählen außerdem 120 Schwesternschülerinnen, hinzu kommen Rentnerinnen, Studentinnen, Frauen in der Familienphase sowie rund 50 Schwestern von Bethel in Bückeburg. Aktive Mitglieder zahlen 0,5 Prozent ihres Bruttolohns als Beitrag, das sind bei einer Vollzeitstelle zwischen 15 und 17 Euro monatlich.

Eine besondere Rolle fällt der Schwesternschaft als Arbeitgeberin zu. 380 examinierte Krankenschwestern sind bei ihr angestellt. Das Friederikenstift zahlt die Gehälter seiner Pflegefachkräfte an die Schwesternschaft, die sie eins zu eins an ihre Beschäftigten weitergibt. Alle in der Schwesternschaft organisierten Frauen unterstehen der Oberin. „Wir sind eigenständig“, unterstreicht Referentin Ritter diese Sonderrolle. Wohl auch aus diesem Grund hat die Pflege in dem Diakoniekrankenhaus einen besonderen Stellenwert. „Pflege hat hier schon eine Menge zu sagen, und unser Anspruch ist hoch“, sagt Oberin Elke Reinfeld, die Mitglied der Geschäftsführung ist.

Die Schwesternschaft versteht sich als christliche Dienst- und Glaubensgemeinschaft, die Mitgliedschaft ist freiwillig, setzt aber die Zugehörigkeit zur evangelisch-lutherischen Kirche oder einer anderen christlichen Kirche voraus. „Diakonie ist tätige Nächstenliebe – das ist Grundlage unseren Handelns“, heißt es unter anderem im Leitbild der Gemeinschaft. „Hier zu arbeiten bedeutet ein ganz anderes Zugehörigkeits- und Gemeinschaftsgefühl als in anderen Kliniken“, erzählt Julia Schnabel, die vorher in der Uniklinik Münster gearbeitet hat. Auch Pastorin Birgit Löhmann, seit wenigen Wochen neue Vorsteherin des Friederikenstifts, die qua Amt automatisch dem Vorstand der Schwesternschaft angehört, äußert sich begeistert: „Das ist eine ganz lebendige Gemeinschaft mit viel Frauen-Power.“

Zurzeit diskutiert die Schwesternschaft über die Modernisierung ihrer Tracht. Zusätzlich zum nachtblauen Festtagskleid mit weißem Kragen und weißer Haube soll eine Art Baukastensystem aus Hose, Rock, Blazer und Bluse zum fröhlichen Kombinieren angeschafft werden. So viel steht schon fest: Es bleibt bei Nachtblau. Ob die Haube dazugehören wird, steht noch nicht fest. Die Entscheidung fällt am 23. April.

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