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Aus der Stadt Schwimmbäder kosten Hannover neun Millionen Euro
Hannover Aus der Stadt Schwimmbäder kosten Hannover neun Millionen Euro
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08:02 15.03.2013
Für die Stadt ein teurer Spaß: Neun Millionen Euro verschlingen die Bäder jährlich. Quelle: Dröse
Hannover

Im Misburger Bad ist es am Mittwochnachmittag ziemlich voll. 26 Kinder ziehen ihre Bahnen - unter Aufsicht von Schwimmtrainerin Nicole Dams. „Wenn wir nicht hier sind, ist es aber eigentlich immer leer“, sagt die Ehrenamtliche, die seit vielen Jahren den Kindern des Vereins SG Misburg das Schwimmen beibringt. „Natürlich wollen wir nicht, dass das Bad geschlossen wird“, sagt Dams. Der Schwimmverein ist auf die Halle angewiesen, denn das nächstgelegene Schwimmbad in Anderten ist schon voll belegt.

Die drohende Schließung des Misburger Bads ist nun vom Tisch - zumindest für die nächsten zwei Jahre. Der Rat der Stadt hat am Donnerstag der Erhöhung des Zuschusses zugestimmt. Für Betriebsleiterin Stefanie Lange bedeutet das eine Vervierfachung der Finanzspritze. In den vergangenen Jahren gab es nur 100.000 Euro Zuschuss pro Jahr, jetzt sind es 405.500 Euro. „Der Betreiber Optisport hat in den letzten Jahren nur draufgezahlt. Ohne die Erhöhung der städtischen Unterstützung hätte die Schwimmhalle schließen müssen“, sagt Lange.

Das Misburger Bad wurde bereits vor zehn Jahren privatisiert - mit dem Ziel, die Kosten für die Stadt zu senken. Was dann folgte, war alles andere als eine Erfolgsgeschichte. Die Firma s.a.b. Sport & Anlagenbau pachtete die heruntergekommene Schwimmhalle und verpflichtete sich zu einer aufwendigen Sanierung im Wert von elf Millionen Euro. Doch die Anlage erwies sich als nicht rentabel, das Unternehmen zog sich zurück. Die Stadt zahlte damals nicht nur einen Zuschuss für die Betriebskosten, sondern beteiligte sich auch an der Sanierung. Im Jahr 2008 stieg die niederländische Firma Optisport ein, doch die Besucherzahlen entwickelten sich auch unter diesem Betreiber nicht so wie erhofft. Optisport kann das Bad bis heute nicht gewinnbringend betreiben.

Dazu kamen immer wieder Beschwerden von Besuchern. „Es ist dreckig, nichts funktioniert, es wird immer schlimmer“, sagt auch Schwimmlehrerin Dams. Die Schließfächer seien kaputt und das Wasser zu kalt. „Manchmal sag’ ich zu den Kindern ,Luft anhalten und schnell durch‘, wenn wir an den Toiletten vorbei ins Schwimmbad gehen“, berichtet die Trainerin. Betriebsleiterin Lange findet die Vorwürfe überzogen: „Wir haben dauerhaft eine Reinigungskraft da, die kann aber nicht überall gleichzeitig sein.“ Zudem würde das Schwimmbad ständig modernisiert. Die Schließfächer seien gerade erst erneuert worden, auch wurden neue Duschen eingebaut, und der Aufzug, der lange Zeit kaputt war, funktioniere wieder.

Die Betriebsleiterin glaubt, dass Optisport das Schwimmbad wirtschaftlich besser betreiben kann als die Stadt. „Das angeschlossene Fitnesscenter und die Gastronomie können einen Teil der Mehrkosten für das Schwimmbad ausgleichen“, sagt Lange. Außerdem würden sich Fitness und Schwimmen unter einem Dach gut ergänzen. Die Stadt hat der Erhöhung des Zuschusses für den privaten Betreiber auch deshalb zugestimmt, weil eine Rückführung in städtische Hand noch teurer wäre. Nach Berechnungen der Stadt würde das jährlich 960.000 Euro kosten.

Badleiterin Lange zufolge reißen vor allem die Kosten für Heizung, Wasser und Strom ein Loch in die Finanzkalkulation des Bades. Außer einem 25-Meter-Becken gibt es noch ein kleines Kinderbecken und vier verschiedene Saunen - und die ziehen ordentlich Wärme. „Unsere monatlichen Energiekosten liegen bei weit mehr als 50.000 Euro“, sagt die Geschäftsfrau. Außerdem benötigt das Schwimmbad viel Personal. Außer der Betriebsleiterin selbst gibt es acht weitere Festangestellte: vier Schimmmeister und -trainer, zwei Reinigungskräfte und zwei Mitarbeiter am Empfang. Während der Hochsaison helfen außerdem Teilzeitkräfte aus.

Mit der Zuschusserhöhung wird sich das Bad wohl die nächsten Jahre halten können, aber üppig ist das Finanzpolster nicht. Deshalb fordert die Stadt von den Betreibern ein ausgefeiltes Konzept, wie künftig mehr Besucher ins Bad gelockt werden können. Und dabei soll es um mehr gehen als nur um Palmen an der Wand und Diskoabende.

Stadt zahlt pro Besuch zehn Euro dazu

Schwimmbäder sind ein teurer Luxus. Keines der 14 Bäder in Hannover kann sich finanziell selbst tragen, alle sind auf Zuschüsse der Stadt angewiesen. Im aktuellen Haushalt sind für den Bäderbetrieb 9,2 Millionen Euro reserviert. Am meisten zahlt die Stadt Hannover für die sechs städtischen Schwimmbäder: das Stadionbad, das Vahrenwalder Bad, das Nord-Ost-Bad, das Stöckener Bad, das Lister Bad und das Naturbad Hainholz. Pro Schwimmbad- oder Saunabesuch gibt die Stadt den Bädern durchschnittlich zehn Euro dazu. Das gilt nicht nur für den voll zahlenden Besucher, sondern auch für jedes Kind, das mit der Schule oder dem Verein in ein städtisches Bad geht.

Das teuerste Bad:

Mit 33,30 Euro Zuschuss pro Besucher ist das Naturbad Hainholz am teuersten. Der Grund: Das vor einigen Jahren aufwendig sanierte Naturbad instand zu halten kostet viel Geld, gleichzeitig kamen im verregneten Sommer des vergangenen Jahres nur knapp 10?000 Besucher. Eine Privatisierung (Genossenschaft) war gescheitert.

Das Mittelfeld:

Das Stöckener Bad (13,38 Euro pro Besuch), das Stadionbad (11,72 Euro pro Besuch), das Vahrenwalder Bad (10,14 Euro pro Besuch) und das Nord-Ost-Bad (9,09 Euro pro Besuch) bekommen ebenfalls viel Geld für ihre Hallenbäder und Saunen. „Die Betriebskosten eines Hallenbads, besonders Heizkosten, sind deutlich höher als die eines Freibads“, begründet der Finanzdezernent der Stadt, Marc Hansmann.

Das günstigste Bad:

Unter den städtischen Bädern ist folgerichtig ein Freibad das Bad mit dem – in Relation zur Besucherzahl – geringsten Zuschussbedarf. Das Lister Bad bekommt nur 4,58 Euro pro Besucher. Es ist nur im Sommer geöffnet, zudem stimmen die Besucherzahlen.

Private Bäder:

Das Misburger Bad, das von der niederländischen Firma Optisport betrieben wird, kostet die Stadt auch nach der Zuschusserhöhung rund 2,14 Euro pro Schwimmbad- oder Saunabesuch. Insgesamt kamen laut der Betreiberfirma im vergangenen Jahr 189.500 Gäste, der Zuschuss beträgt künftig 405.500 Euro. Im Vergleich zu den städtischen Bädern ist das Misburger Bad für die öffentliche Hand also immer noch günstig.

Grundsätzlich will die Stadt trotz der hohen Kosten an ihren Schwimmbädern festhalten. „Ohne die Bäder in städtischer Regie und die städtischen Zuschüsse an Vereine und private Bäder würde es wohl kein Bad in Hannover geben. Es gäbe dann also praktisch keinen Schwimmsport, die Gesundheitsvorsorge wäre stark eingeschränkt, und Grundschulkinder hätten keine Möglichkeit, schwimmen zu lernen“, so Hannsmann. Trotzdem will die Stadt gegen die hohen Kosten angehen. „Unser Ziel ist es, den Zuschuss zu senken, indem wir die Besucherzahlen und die Wirtschaftlichkeit steigern“, sagt Hansmann.

Anne Grüneberg

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