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Aus der Stadt Schwimmen lernen!
Hannover Aus der Stadt Schwimmen lernen!
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07:48 08.08.2013
Von Mathias Klein
„Das Kind muss es wollen“: Sabine Maier bringt im Kleefelder Bad Kindern das Schwimmen bei, hier der vierjährigen Lahja. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Lahja ist richtig stolz, das sieht man ihr an. Das erst vierjährige Mädchen ist soeben zum ersten Mal im Schwimmerbecken unterwegs. Sie rudert noch ein wenig mit ihren Armen und Beinen und hat Mühe, den Kopf komplett über Wasser zu halten. Aber der stolze Blick bleibt. Lahja ist unterwegs auf der 25-Meter-Strecke, oft der schwierigste Teil der Seepferdchen-Prüfung für kleine Schwimmer. Dann klettert Lahja an der Leiter aus dem Schwimmerbecken des Annabades, strahlt ihre Mutter an und reckt den Daumen in die Höhe.

Lahja ist eins von zehn Kindern, die gerade an einem Schwimmkursus des Polizeisportvereins im Annabad in Hannover-Kleefeld teilnehmen. „Ziel ist das Seepferdchen“, sagt Schwimmlehrerin Sabine Maier. Zwar seien die Kinder nach Ablegen dieser Prüfung noch keine sicheren Schwimmer, aber ein guter Anfang sei gemacht.

Sabine Maier, 50 Jahre alt, gibt seit etlichen Jahren Schwimmunterricht. Und sie beobachtet seit geraumer Zeit, dass immer weniger Kinder schwimmen lernen. „Das ist viel, viel schlimmer geworden“, sagt sie. „Viele Kinder werden von ihren Eltern gar nicht mehr dazu motiviert.“

Nach einer bundesweiten Untersuchung der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) kann mehr als ein Drittel aller Zehnjährigen nicht schwimmen. Immer mehr Kinder verlassen die Grundschule als Nichtschwimmer. In Hannover und im Umland sieht es nach Einschätzung der DLRG ähnlich aus. Im vergangenen Jahr sind allein in Niedersachsen 47 Menschen bei Badeunfällen gestorben. Vier Menschen davon waren in Hannover ertrunken. Zwar ist die Zahl der in Seen und Badeanstalten ertrunkenen Kinder derzeit rückläufig, aber die DLRG gibt keinesfalls Entwarnung. Mit Grauen erinnern sich Rettungsschwimmer des Verbandes noch immer an den Sommer 2011, als ein fünfjähriger Junge im Silbersee in Langenhagen ertrank. „Die Schwimmfähigkeit der Kinder im Grundschulalter ist ungenügend“, sagt DLRG-Präsident Klaus Wilkens. Sein Verband sieht vor allem die Schulen in der Pflicht. „Die Schulen versagen beim Schwimmunterricht“, meint er.

Tatsächlich haben viele Schulen in Hannover und im Umland Probleme: Zum einen fehlt es an Schwimmlehrern, weil sich ein Teil der Sportlehrer scheut, die große Verantwortung der Schwimmausbildung zu übernehmen. Zum anderen, so sagt ein Lehrer aus Hannover, der nicht genannt sein will, werde um die Zeiten für den Schwimmunterricht der Schulen in den städtischen Bädern ein regelrechter Kampf geführt.

Dabei gibt es in Hannover durchaus genug Schwimmbäder, wie Demis Meloni feststellt, der die private Schwimmschule Wassermeloni betreibt. Die Stadt Hannover sei im Vergleich zu anderen Kommunen mit Möglichkeiten zum Schwimmen sogar komfortabel ausgestattet, sagt Meloni. Er sieht ein ganz anderes Problem: „Es gibt in Hannover kein professionelles Konzept der Schwimmausbildung.“ Sport- und Schwimmvereine mühten sich zwar redlich, aber dort fehle es mancherorts an Schwimmlehrern, weil auch die Bezahlung der Übungsleiter durch die Vereine nicht unbedingt die Beste sei. Auch die Eltern spielten eine wichtige Rolle. Je geringer die Bildung der Eltern, desto unwichtiger sei ihnen die Schwimmausbildung der Kinder, sagt Meloni. Außerdem sei es heutzutage schwieriger, den Kindern das Schwimmen beizubringen. „Die motorische Entwicklung der Kinder hat stark abgenommen“, berichtet er. Früher hätten die Kinder ihre Freizeit überwiegend draußen verbracht, heute stünden Computer und Fernsehgerät im Mittelpunkt des Interesses. „Die Kinder haben heute große Schwierigkeiten, ihre Bewegungen richtig zu koordinieren“, sagt er. Aber genaue Bewegungsabläufe spielten nun mal beim Schwimmen eine große Rolle.

Ähnliche Beobachtungen hat auch Schwimmlehrerin Sabine Maier gemacht. Aber sie weiß auch: „Das Kind muss selbst schwimmen lernen wollen. Sonst wird das nichts.“ Maier berichtet von Eltern, die darauf drängen, dass ihre Kinder schwimmen lernen - ohne das mit den Kindern vorher abzuklären. „Ein Kind, das die ganze Zeit nur weint, wird so nicht schwimmen lernen“, meint sie.

Lahja brauchte nicht überredet zu werden. Sie ist nach gemeinsamen Schwimmbadbesuchen mit ihrer Mutter darauf gekommen, dass sie jetzt auch endlich schwimmen lernen will. Heute hat es mit der 25-Meter-Strecke für das Seepferdchen allerdings noch nicht geklappt. Denn die Vierjährige hatte sich vor Aufregung einmal kurz an ihrer Schwimmlehrerin festhalten müssen. Damit gilt die 25-Meter-Strecke als nicht bewältigt. Lahja ist trotzdem nicht traurig. Morgen macht sie einen neuen Versuch.

INTERVIEW

„Eltern sind meist zu vorsichtig“

Herr Schulte-Hülsmann, ab welchem Alter können und sollten Kinder schwimmen lernen?

Das 4. oder 5. Lebensjahr ist ein guter Zeitpunkt, die Kinder zum Schwimmkursus zu schicken. Aber Eltern können natürlich auch schon in früheren Jahren beginnen, ihre Kinder ans Wasser zu gewöhnen. Das bringt eine erste Orientierung und das Gefühl für Auftrieb und die Lage des Körpers im Wasser. Außerdem hilft das meist dabei, den Kleinkindern die Angst vor dem Wasser zu nehmen.

Service

Kurse in Hannover

Im Annabad (Kleefeld), das vom Polizeisportverein betrieben wird, beginnt nach den Ferien ein neuer Schwimmkursus. Eine unverbindliche Schnupperstunde gibt es am kommenden Sonntag, 11. August, um 11 Uhr. Der Unterricht beginnt dann am Montag, 12. August, um 15 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, die Kursgebühr beträgt 103,50 Euro inklusive Eintritt. Die Landeshauptstadt bietet in allen städtischen Bädern Schwimmunterricht für Kinder ab 5 Jahren an. Die Kurse starten im März und im Oktober, die Kosten betragen 75 Euro plus Eintritt für das jeweilige Bad. Weitere Informationen gibt es in den städtischen Bädern sowie unter der Telefonnummer (05 11) 16 84 51 43 oder unter schwimmunterricht@hannover-stadt.de. Bei der Schwimmschule Wassermeloni kostet ein Monat mit vier Unterrichtsstunden 44 Euro. Nähere Auskünfte gibt es unter Telefon (0511) 2 20 01 50.

Können denn Eltern ihren Kinders selbst das Schwimmen beibringen?

Wenn sie das machen wollen, würde das bedeuten, dass sie erhebliche Kenntnisse der Methoden haben müssten. Eltern sind eher übervorsichtig. Und diese Überängstlichkeit kann dazu führen, dass die Kinder Angst vor dem Wasser bekommen. Ein Schwimmkursus bei einem ausgebildeten Schwimmlehrer ist fast immer besser.

Können Eltern helfen, damit ein Schwimmkursus erfolgreich ist?

Während des Kurses ist das weniger wichtig. Zwar kann jeder mit seinem Nachwuchs bestimmte Übungen aus dem Kursus vertiefen. Aber die Grundlagen des Schwimmens lernen Kinder allgemein in zehn bis 15 Stunden. Allerdings sind sie dann noch keine sicheren Schwimmer. Regelmäßige Schwimmbadbesuche mit den Eltern – im Sommer wie im Winter – helfen natürlich sehr dabei, das Erlernte zu üben und mehr Sicherheit zu gewinnen.

Was kann ich tun, wenn mein Kind Angst vor dem Wasser hat?

Es gibt spezielle Ausbildungsgruppen zur Wassergewöhnung und Wasserbewältigung, in denen die Kinder spielerisch ans Wasser herangeführt werden. Erfahrene Ausbilder bringen den Kindern bei, dass das Wasser nicht gefährlich ist und dass der Aufenthalt dort Spaß macht.

HAZ Themenwoche

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