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Aus der Stadt Schwitzen wird teurer
Hannover Aus der Stadt Schwitzen wird teurer
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06:34 30.10.2014
Von Simon Benne
„Wer etwas für seine Gesundheit tut, wird zur Kasse gebeten“: Saunagänger in der Stadtpark-Sauna.
„Wer etwas für seine Gesundheit tut, wird zur Kasse gebeten“: Saunagänger in der Stadtpark-Sauna. Quelle: von Ditfurth
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Hannover

Manche mögen’s heiß. Die Temperatur in der Stadtpark-Sauna liegt bei etwa 90 Grad. Die Besucher, die heute hier sind, könnten gemütlich im Dämmerlicht vor sich hin schwitzen. Doch zwischen den Aufgüssen gibt es ein alles beherrschendes Thema – und das wirkt wie eine kalte Dusche: „Es ist doch widersinnig, dass ausgerechnet wir, die wir etwas für unsere Gesundheit tun, jetzt zur Kasse gebeten werden“, schimpft eine Frau – und erntet beifälliges Gemurmel.

Landauf, landab gibt es unter Saunagängern derzeit hitzige Debatten über eine Entscheidung der Finanzminister. Bislang galt fürs Saunieren der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 Prozent. Von 2015 an sollen es 19 Prozent sein: Der Saunabesuch gilt künftig nicht mehr als gesundheitsfördernde Maßnahme, sondern vor allem als Genuss. „Das ist schon hanebüchen“, sagt David Mastbaum. „Weil der Staat Geld braucht, soll Saunieren jetzt nicht mehr gesund sein.“

Vor drei Jahren stand Hannovers älteste Sauna – eröffnet 1943 – vor der Schließung. Mastbaum, selbst langjähriger Stammgast, tat sich damals mit ein paar Gleichgesinnten zusammen, gründete einen Förderverein, renovierte viel in Eigenregie. Heute ist er Geschäftsführer der Betreiber-GmbH. Ehrenamtlich. „Wenn die Steuererhöhung kommt, haben wir die Wahl zwischen Pest und Cholera“, sagt der 61-Jährige: „Entweder wir erhöhen die Preise – das ist tödlich. Oder wir machen Abstriche am Umsatz. Das ist auch tödlich.“ Er rechnet damit, dass das Tagesticket für die Stadtpark-Sauna statt 13,50 Euro dann 15 Euro kosten wird – zu viel für manchen der meist älteren Besucher.

„Besonders kleine Anlagen haben unter der Steuererhöhung zu leiden, viele fürchten um ihre Existenz“, sagt Hans-Jürgen Gensow vom Deutschen Sauna-Bund. Der Verband läuft seit Wochen Sturm gegen die Steuererhöhung. Der Argumentation der Finanzminister mag er nicht folgen.  „Ein Saunabesuch hilft dem Stressabbau, stärkt das Immunsystem – und dient sehr wohl der persönlichen Gesundheit“, sagt Gensow.

Tatsächlich bringt die Neuregelung zahlreiche Saunabetreiber ins Schwitzen. „Ich gehe davon aus, dass wir die Eintrittspreise erhöhen müssen“, sagt Dietmar Baasner, der seit 33 Jahren die Finnland-Sauna in Vahrenwald betreibt. Auch große Betriebe sind betroffen: Beim aquaLaatzium in Laatzen rechnet man damit, pro Jahr rund 200 000 Euro weniger in der Kasse zu haben. Das Defizit müsste durch Preiserhöhungen ausgeglichen werden. Andere große Einrichtungen wie das Aspria am Maschsee kombinieren oft Sauna- und Sportangebote. Dafür ist bereits jetzt der Steuersatz von 19 Prozent fällig. „Daher betrifft uns die Neuregelung nicht so sehr“, sagt Geschäftsführer Thomas Strohmeyer.

Ob die Stadt die Mehrkosten, die den kommunalen Saunen in Nordost-Bad, Stöckener Bad und Stadionbad entstehen, an die Besucher weitergibt, ist noch offen. Angepeilt ist eine Erhöhung der Bäderpreise ab 2017, in welche die Steuererhöhung einfließen könnte. Bis dahin würde die Stadt unterm Strich weniger Geld mit ihren Saunen einnehmen – weil dieses beim Fiskus landet. Als eigentliche Verlierer in dem Spiel sieht David Mastbaum indes kleine, private Anlagen: „Die Großen, die es sich leisten können, müssen ihre Preise nicht erhöhen.“

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