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Aus der Stadt Shooting mit Scilla
Hannover Aus der Stadt Shooting mit Scilla
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00:15 26.03.2014
Von Sonja Fröhlich
Foto: Während Eberhard Goldschmidt mit dem Chor Barber’s Spirit auftrat, vergnügte sich die vierjährige Zoe auf der Wiese am Rand des Blumenmeers.
Während Eberhard Goldschmidt mit dem Chor Barber’s Spirit auftrat, vergnügte sich die vierjährige Zoe auf der Wiese am Rand des Blumenmeers. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Das Prozedere wiederholt sich alle paar Schritte: Die Kamera erst einen Meter von sich weghalten, um im kleinen Monitor die Blumenwiese zu fokussieren – und knips! Dann leicht mit der Kamera in die Hocke gehen, nicht wackeln – und knips! Dann hinknien, ein prächtiges Exemplar auswählen, ganz dicht dranhalten, sekundenlang regungslos verweilen – und knips! Hobbyfotografen wie Steve Burkhardt kamen gestern mit etlichen Fotos vom Scilla-Blütenfest nach Hause. „Sie sehen einfach gut aus. Vielleicht hänge ich später welche an die Wand“, sagt er.

Jedes Jahr zum Frühjahrsbeginn erfreuen Abermillionen von kleinen, blauen Blumen mit dem Namen Blaustern die Besucher des Lindener Bergfriedhofes.

Wie viele Scilla-Blumen es gestern auf die Chipkarten der Smartphones, Digitalkameras und Profi-Apparate der Besucher geschafft haben, bleibt ungezählt. Jedenfalls zeigten sich die blumigen Hauptdarstellerinnen auf dem Lindener Berg gestern von ihrer besten Seite – in voller Blüte unter blauem Himmel. Jonny Peter vom Verein Quartier, der das Gipfeltreffen veranstaltet, schätzt, dass gut 10 000 Besucher auf dem Berg unterwegs waren. Tatsächlich war es angenehm voll – zumindest bis zum ersten Regenschauer am späteren Nachmittag.

Während Eberhard Goldschmidt mit dem Chor Barber’s Spirit auftrat, vergnügte sich die vierjährige Zoe auf der Wiese am Rand des Blumenmeers. Gesellschaft leistete Zoe dabei ein Stofftier, das schon an Ostern erinnert. „Er heißt Paulinchen Pupshase“, erklärte die Besitzerin. Wer fragte, bekam den Plüschhasen ins Gesicht gedrückt – mit den Worten „der pupst“. Quelle: Philipp von Ditfurth

Seit zehn Jahren wird die prächtige Blüte in Linden Ende März oder Anfang April dazu genutzt, Kultur und Führungen auf dem Berg anzubieten. Dafür waren gestern Einrichtungen wie die St.-Martin-Kirche, der Jazz-Club, das Mittwoch-Theater und die Sternwarte geöffnet, beim Sportverein Linden 07 spielten die Hangover Dox, im Kleingärtnerverein Linden wurde gegrillt, in der Friedhofskapelle gelacht. Eine Ausstellung zeigte Bilder vom Lindener Seifenkistenrennen, zwischendurch las der Schriftsteller Günter Müller einen Text über die Sprache der Lindener. Da hieß es etwa: „Haast es nun aejentlich dee habe ich kaane Lusten auf oder daauf habe ich kaane Lusten?“ Angelehnt an Charles Baudelaires Gedichtband „Die Blumen des Bösen“ zeigte der hannoversche Künstler Frank Popp seine „Blüten des Bösen“ aus Plastik im Küchengartenpavillon.

„Die Blüten des Bösen“ heißt die gestern eröffnete Ausstellung des hannoverschen Künstlers Frank Popp. Seine Plastikblumen und andere Recycling-Arbeiten im Küchengartenpavillon sollen zeigen, dass die Natur sowohl Freud und Leid bringt. Naturschauspiele wie das der Scilla-Blumen werden als wunderbar empfunden, während der Ausbruch eines Vulkans zu Leid führt. Quelle: Philipp von Ditfurth

Die auf den Wiesen wuchernde Scilla siberica (Sibirischer Blaustern) indes wirkte auch nach dem tausendsten Fotoshooting immer noch freundlich – es sei denn, allzu grobschlächtige Besucher hatten sie auf der Suche nach besonderen Exemplaren niedergetrampelt.

Der Sibirische Blaustern hat Marie Dettmer auch in diesem Jahr wieder zu „Lyrik am Wegesrand“ beflügelt. Ihre  Tafeln zeigten ausgewählte Texte, die die literarische Komponistin und Rezitatorin ausgewählt hatte. Bei Kurt Tucholsky ging es etwa um den Humor: „Zu fühlen, dass es von oben reichlich unsinnig aussieht,  was wir hier aufführen.“ Quelle: Philipp von Ditfurth

Weil sich die Blütenpracht naturgemäß schlecht planen lässt, hat sich Lindens verkaufsoffener Sonntag von dem Bergfest abgespalten. Geöffnet haben die Geschäfte rund um den Marktplatz nun am 11. Mai. Der Name „Das blaue Wunder“ ist geblieben.  

Gleich am Haupteingang des Bergfriedhofs sorgte die Band Twofold Bases für beschwingte Stimmung. Wolfgang Scholz und René Wermke hatten für ihre Session Gitarre, Mundharmonika, Fußtrommel und selbstredend ihre Stimmen dabei. Die beiden hannoverschen Musiker spielten Blues – was natürlich auch namentlich gut zu den blauen Blumen passte. Quelle: Philipp von Ditfurth
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