Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt „Hyper Hyper“ in Hannover
Hannover Aus der Stadt „Hyper Hyper“ in Hannover
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 12.01.2014
In Hannover begann alles für Scooter. Nun sind sie zurück. Quelle: dpa
Anzeige
Hannover

Alles beginnt in einem Keller in der Blumenhagenstraße. Vor genau 20 Jahren sitzen zwei junge Musikverrückte in einem kahlen Untergeschoss in Hannovers Nordstadt. Sie schreiben, sie frickeln, sie nehmen Musik auf, sie trinken. Und am Ende steht ein Hit, der eine Ära prägen wird. „Hyper Hyper“.

Schon Anfang der Achtziger war Scooter-Frontmann H. P. Baxxter das erste Mal in der Stadt, zu Besuch bei Freunden. „Die Underground-Szene in Hannover pulsierte damals“, sagt er heute. Mit seinen Kumpels ging er dann in die vielen Klubs der Stadt - „Basement“, „Konfetti“, „Soxs“, „Bad“. Es war dann aber doch der Zufall, der Baxxter länger als ein Wochenende nach Hannover brachte. „Ich wollte weg vom Land“, sagt der Mann, der 1967 im ostfriesischen Leer geboren wurde. Die Vergabestelle für Studienplätze wies ihm einen Platz in Hannover zu. Baxxter schrieb sich also unter seinem bürgerlichen Namen Hans Peter Geerdes an der Universität Hannover ein.

Anzeige

Doch um Jura geht es ihm nicht, als er in eine WG in der Haltenhoffstraße in der Nordstadt zieht. Baxxter, den damals schon alle H. P. (sprich Äitsch Pi) rufen, will Musik machen. Er schaltet eine Anzeige im „Heißen Draht“: „Sänger sucht Keyboarder“. Dass Baxxter nicht singen kann, weiß Rick Jordan nicht, als er wegen der Anzeige anruft. In Jordans Keller in der Blumenhagenstraße arbeiten die beiden auch noch, als Baxxter das Studium nach dem ersten Semester abgebrochen hat und mittlerweile eine Ausbildung macht - zum Groß- und Einzelhandelskaufmann bei Heise Dental in Kleefeld. Abends machen Jordan und Baxxter als Celebrate The Nun Musik im New-Wave-Stil à la Depeche Mode. „Damit hinkten wir der Zeit hinterher“, sagt Baxxter.

Itz, itz, itz.

Dann kommt Techno. Itz, itz, itz - das liegt dem großen Blondierten eher als Synthie-Pop. Er liebt die Raves im ehemaligen „Weltspiele“-Kino in der Georgstraße und in der Industrieruine Hanomag. Dort feiern Ende der Achtziger auch viele hier stationierte britische Soldaten. Baxxter mag die MCs, die - wörtlich übersetzt - Zeremonienmeister, die neben dem DJ stehen und englische Slogans in die Masse brüllen.

Als Baxxter mit seiner gerade gegründeten Gruppe Scooter im Frühjahr 1994 „Hyper Hyper“ aufnimmt, kann er noch nicht ahnen, dass er auf dem Weg zum berühmtesten Parolenbrüller der Pop-Geschichte ist. Es ist die Zeit von Eurodance und Happy Hardcore. Bands wie 2Unlimited, Dr. Alban oder Culture Beat stehen an der Spitze der Charts. Die meisten Beobachter halten „Hyper Hyper“ für einmalig - und sagen der Band ein baldiges Ende voraus. Doch Scooter ist immer noch da. Spätestens mit „Maria, I Like It Loud“ hat Scooter den Techno ins Stadion gebracht. Der Song erklingt heute, wenn die Spieler der Philadelphia Flyers in der nordamerikanischen Eishockeyliga NHL den Puck ins Netz befördern oder die Fußballer von Steaua Bukarest ein Tor schießen. Und immer grölt das ganze Stadion: „Döp-döp-döp-dö-dö-döp-döp-döp.“

Heute, fast 30 Jahre nach Baxxters Zeitungsanzeige in Hannover, ist der schreiende Frontmann weltberühmt. Mehr als 25 Millionen Tonträger hat die Band bislang verkauft, mehr als 80 Goldene Schallplatten bekommen. In Russland ist er mit seiner platinblonden Igelfrisur das Werbegesicht für eine große deutsche Elektromarktkette. „Da sind wir schon Superstars“, sagt Baxxter. Scooter ist so etwas wie die Techno-Version der Scorpions: in der Heimat gerne auch mal belächelt, in anderen Ländern Helden. Da passt es auch, dass sich der heute 47-Jährige und sein Kumpel Klaus Meine regelmäßig sehen. Baxxter war bei Meines 60. Geburtstag im Capitol, und auch zu den Feiern des gemeinsamen Freundes Götz von Fromberg kommt er regelmäßig in die Stadt. Neidisch ist der Jura-Abbrecher auf den Anwalt Fromberg nicht. „Das wär’ mir zu trocken“, sagt Baxxter. Auch seine Schwester wohnt in Hannover. „Aber ich war hier ewig nicht feiern, kenne mich in der Klubszene gar nicht mehr aus.“.

Das zweite Gesicht Scooters

Bandkollege Rick Jordan kennt sich in Hannover vielleicht noch etwas besser aus. Jordan wurde am Neujahrstag 1968 als Hendrik Stedler in Hannover geboren. Er war der Keyboarder, der auf Baxxters Annonce geantwortet hatte. Er ist das zweite Gesicht von Scooter. Doch das wird sich bald ändern. Nach 20 Jahren Hardcore wird das neben Baxxter letzte verbliebene Gründungsmitglied die Band verlassen. Mit dem Abschlusskonzert der „20 Years of Hardcore“-Tour Hamburg - dort wohnen Baxxter und Jordan heute - ist Schluss.

„Nach 20 hammergeilen Hardcore-Jahren habe ich bemerkt, dass es für mich Zeit wird, etwas Neues zu probieren“, sagte Jordan bei der Bekanntgabe der Trennung. Baxxter will weitermachen, er kann nicht anders. Im Frühjahr soll das neue Album „The 5th Chapter“ auf den Markt kommen. „Rick und ich haben es länger als die meisten Ehepaare ausgehalten“, sagt Baxxter und lacht. Er muss es wissen, er ist zweimal geschieden. Vielleicht wird seine neue Freundin, die Schmuckdesignerin Nikola Jancso, heute beim Konzert vorbeischauen. Denn auch sie stammt, wie „Hyper Hyper“, aus Hannover.

Die einfachen Botschaften kommen an

Die Texte von Scooter haben eine „einfache Message“, wie es Frontmann H. P. Baxxter nennt. Bei ihrem ersten Hit „Hyper Hyper“ zählt er Techno-Größen auf, die er hyper findet – also: bewundert. In der Szene kam das nicht gut an, da die meisten DJs Scooter nicht besonders hyper fanden. Der Zufall helfe ihm beim Schreiben der Zeilen, sagt Baxxter über Songs wie „How much is the Fish?“ Das Geheimnis sei, dass das Unsinnige hängenbleibe. Und dann lautet eine Zeile eben erfrischend sinnfrei „How much is the Fish? / Sunshine in the Air“. Manchmal müsse er selbst lachen, wenn er die Zeilen im Studio singe. Sicher ging ihm das auch so bei „F… the Millenium“. Das Lied schließt mit: „Wow! / Gothic doesn’t exsist! / Thank you.“ Das Einfache, das gefällt besonders den Fans im Osten, sagt Baxxter. ges Scooter tritt heute in der Swiss-Life-Hall auf. Beginn um 19.30 Uhr, die Vorbands sind Dirty Disco Youth, Jägermeister Blaskapelle.

Von Gerd Schild

Bärbel Hilbig 09.01.2014
Jörn Kießler 08.01.2014
Wiebke Ramm 08.01.2014