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Aus der Stadt Starb ein junger Patient an Medikamenten?
Hannover Aus der Stadt Starb ein junger Patient an Medikamenten?
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00:50 20.04.2018
Ein Gutachten belastet das Klinikum Wahrendorff Quelle: Oswald-Kipper
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Sehnde

Ein Todesfall im Klinikum Wahrendorff in Sehnde-Köthenwald beschäftigt die Justiz. Anlass ist ein chemisch-toxikologisches Gutachten, das eine Vergiftung durch Medikamente nicht ausschließt. Ein damals 22-jährige Mann war am Morgen des 23. Januar 2016 leblos in seinem Einzelzimmer gefunden worden. Behandelt wurde er im Klinikum Wahrendorff wegen psychischer Probleme, die nach dem Tod seines Stiefvaters aufgetreten waren. Als Todesursache des 22-Jährigen wurde bei der Obduktion eine Lähmung des Gehirns festgestellt. 

Die Mutter des angehenden Elektrikers hegte aber den Verdacht, dass ihr Sohn falsch therapiert und medikamentiert wurde. Sie erstattete mit Hilfe ihres hannoverschen Anwalts Thorsten Osterkamp Anzeige. „Es gab eklatante Verstöße“, sagt der Jurist. Die Staatsanwaltschaft Hildesheim nahm nach einer Beschwerde zwischenzeitlich eingestellte Ermittlungen wieder auf. Sie beauftragte der Medizinischen Hochschule Hannover mit dem Gutachten. 

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Die Expertise belastet das Klinikum. „Verschiedene Neuroleptika wurden in teilweise überhöhten Konzentrationen nachgewiesen“, zitiert Anwalt Osterkamp. Eine Vergiftung durch die Beruhigungsmittel komme „als Ursache für die Geschehensabläufe im Zusammenhang mit dem Versterben durchaus in Betracht.“ Nach Einschätzung Osterkamps muss die Staatsanwaltschaft Anklage erheben – wegen fahrlässiger Tötung oder unterlassener Hilfeleistung. „Die Mutter will Gewissheit über die Todesursache und auch Öffentlichkeit, damit sich solche Fälle nicht wiederholen“, betont der Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft hat über die weitere Vorgehensweise nach Angaben von Sprecher Christian Gottfriedsen noch nicht entschieden. Das Gutachten sei eingegangen und werde geprüft. Beim Klinikum liegt das Gutachten noch nicht vor. „Wir haben keinen Anhaltspunkt für ein Fehlverhalten unserer Mitarbeiter“, sagt Geschäftsführer Rainer Brase. Zu weiteren Details äußerte er sich unter Hinweis auf die Schweigepflicht und die laufenden Ermittlungen nicht.

Von Bernd Haase

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