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Aus der Stadt Senioren als Streitschlichter an Schulen
Hannover Aus der Stadt Senioren als Streitschlichter an Schulen
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09:24 11.04.2009
Von Bärbel Hilbig
Engagiert (von links): Heinz-Jürgen Kreutz, Urda Charton-Strunk und Kurt Mohnkopf.
Engagiert (von links): Heinz-Jürgen Kreutz, Urda Charton-Strunk und Kurt Mohnkopf. Quelle: MArtin Steiner
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„Lehrer gewinnen so mehr Zeit für den Unterricht. Und die Kinder können sich nach einem klärenden Gespräch wieder besser konzentrieren“, sagt Kurt Mohnkopf. Der 74-jährige ehemalige Kaufmann aus Braunschweig leitet den SIS-Verband Niedersachsen. Landesweit helfen bisher 85 Senioren in verschiedenen Städten bei Konflikten zwischen Schülern. In Berlin startete der Verein bereits 2001 und ist inzwischen in sechs Bundesländern aktiv.

Die Kinder finden die Seniormediatoren in einem eigenen Raum in der Schule. „Wir hören ihnen zu und regen sie an, sich vorzustellen, wie sich der andere bei dem Streit gefühlt hat“, sagt die 67-jährige Urda Charton-Strunk. Wie eine Einigung aussehen könnte, sollen die Kinder selbst vorschlagen. Manchmal wird das Ergebnis schriftlich in einem Vertrag festgehalten. „Nach einem Gespräch verabreden wir meist, dass die Kinder uns in der nächsten Woche berichten, wie es weitergegangen ist.“ Besetzt ist der Raum an vier Wochentagen von 9 bis 13 Uhr. Die Mediatoren arbeiten jeweils zu zweit an einem festen Wochentag. Auf einem großen Schild an der Tür sehen die Schüler Fotos, Namen und Einsatztag der Senioren. Vor ihrem Einsatz werden die Freiwilligen kostenlos in 80 Stunden zum Mediator ausgebildet. Für die Finanzierung sucht der Verein jeweils vor Ort lokale Sponsoren.

„Es ist eine tolle Sache, wenn Menschen sich für Kinder und Schule engagieren“, sagt Evelyn Gorsler, Sprecherin der hannoverschen Grundschulleiter. Gerade an Grundschulen gebe es kaum noch Beratungslehrer. Das Schlichten von Konflikten gehe oft zulasten der Unterrichtszeit. „Man hat nie Ruhe dafür.“ An manchen Schulen fehle allerdings der von SIS vorgesehene Extraraum für Gespräche, in anderen Grundschulen sind bereits Kinder als Streitschlichter aktiv.

Die ersten Hannoveraner haben bereits an der Weiterbildung teilgenommen. „Als ehemalige Lehrerin fiel es mir zuerst schwer, nicht selbst Lösungsvorschläge zu machen“, sagt Urda Charton-Strunk. Heinz-Jürgen Kreutz, früher Lehrer am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium, glaubt, dass die Unparteilichkeit der Schlichter den Kindern besonders wichtig ist. „Bei einer Mediation gibt es keine Verlierer. Es geht nicht darum, wer Schuld hat.“

An weiterführenden Schulen ist der Verein nicht aktiv, denn dort gibt es häufig Schüler als Konfliktlotsen. Denen wollen die Senioren nicht in die Quere kommen - damit es nicht zum Streit unter den Streitschlichtern kommt.

Der Verein stellt sich am 16. April um 16 Uhr im Freiwilligenzentrum am Platz der Weltausstellung vor. Informationen geben Urda Charton-Strunk unter Telefon (05 11) 71 63 44 und Heinz-Jürgen Kreutz unter 6 13 82 60 und im Internet: www.sis-niedersachsen.de.

Rüdiger Meise 11.04.2009
Hans-Peter Wiechers 11.04.2009
Gunnar Menkens 11.04.2009