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Aus der Stadt Serienmörder neben der Marktkirche
Hannover Aus der Stadt Serienmörder neben der Marktkirche
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21:09 24.10.2012
Foto: Martin Kind, Schmalstieg, die Band Terry Hoax: Im Hannover-Adventskalender sind viele Persönlichkeiten der Stadt abgebildet.
Martin Kind, Schmalstieg, die Band Terry Hoax: Im Hannover-Adventskalender sind viele Persönlichkeiten der Stadt abgebildet. Quelle: Ralf Decker
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Hannover

Dabei drohte ihr Kniff, Jahr für Jahr den Massenmörder mit dem Hackebeilchen irgendwo auf dem Kalender zu verstecken, langsam langweilig zu werden. In den Anfangsjahren sorgte dieser Trick noch für Empörung hier und Belustigung dort. Mittlerweile aber, in der sechsten Auflage, haben sich die Hannoveraner an den historischen Mörder mit dem Blut an der Klinge gewöhnt wie an die Kraftausdrücke bei Dieter Bohlen. Und das ist es dann auch.

Immerhin bringt jetzt die jüngste Entwicklung in Hannovers Fußballstadion ein bisschen Schwung in die Causa Haarmann. Denn diese Entwicklung sorgt dafür, dass sich der ebenfalls auf dem Kalender abgebildete Hannover-96-Präsident Martin Kind gegen die Figur des „Schlächters von Hannover“ auf dem Bild wehrt. Kind kündigt an, im kommenden Jahr nicht mehr mit dem Herausgeber Klaus Lange zusammenarbeiten zu wollen – obwohl Kind und Haarmann schon seit ein paar Jahren die Kalender zieren.

Der Hannover-Adventskalender aus dem Jahr 2012.

Hintergrund ist eine Auseinandersetzung, die der Klubpräsident seit Wochen mit einer Handvoll 96-Fans führt. Die hatten bei Fußballspielen in der AWD-Arena wiederholt eine riesige Flagge mit dem Konterfei Haarmanns geschwenkt, Kind hatte dieses untersagt, die Sache schlug bundesweit Wellen. „Klaus Lange kannte die Diskussion, daher hätte ich erwartet, dass er sich noch einmal mit mir in Verbindung setzt“, sagt Kind. Ihn habe die Darstellung Haarmanns auf dem Kalender schon immer gestört, in Verbindung mit der Debatte um die Flagge sei der Mörder auf dem Weihnachtskalender jedoch völlig fehl am Platz. Und dann steht Haarmann auf dem Bild auch noch erstens direkt vor der Marktkirche und zweitens nicht allzu weit von Kind entfernt. Herausgeber Lange verweist darauf, dass der Druckauftrag für den Kalender längst erteilt war, als die Debatte um die Haarmann-Flagge begann. „Dazu finde ich, dass Haarmann zur Stadtgeschichte gehört, und eben die soll der Kalender abbilden.“

Der Hannover-Adventskalender vereint seit 2005 Personen der älteren und jüngeren Stadtgeschichte auf einem bunten Weihnachtsmarktbild vor der Marktkirche – „gute und schlechte Personen“, wie Lange betont. Rund 20.000 Kalender sind ab heute an 60 Verkaufsstellen erhältlich, sie kosten 3,48 Euro pro Stück. Zehn Cent davon gehen als Spende an die Robert-Enke-Stiftung. Diese bedauert es, dass der Kalender nun zum Politikum geworden ist.

Leicht säuerlich reagierte gestern noch ein 96-er auf seine Präsenz auf dem Kalender. Manager Jörg Schmadtke erfuhr vor dem Spiel der „Roten“ im schwedischen Helsingborg davon, dass auch er auf dem Kalender zu sehen ist – war aber nie gefragt worden, ob er damit einverstanden sei. Wie man hört, war die Sache dem Manager ein Achselzucken wert.

Der Kalender ist unter anderem in den Buchhandlungen der Innenstadt und im Historischen Museum erhältlich. Er kostet 3,48 Euro.

Isabel Christian und Felix Harbart

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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