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Aus der Stadt Serienräuber gesteht vier Überfälle
Hannover Aus der Stadt Serienräuber gesteht vier Überfälle
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19:15 08.06.2012
Von Sonja Fröhlich
Serienräuber Mike P. soll nach Antrag der Staatsanwaltschaft in Sicherheitsverwahrung. Quelle: Symbolfoto
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Hannover

Die Zeugin kann sich noch an viele Details des 13. Dezember 2011 erinnern. Gedankenverloren habe sie gegen Mittag mit ihrem Golf an einer Ampel gestanden, als plötzlich die Fahrertür aufgerissen wurde. „Jemand zerrte mich am Arm und schrie: Raus hier – ich will das Auto.“ Dann habe sie ein Messer gesehen, ein schwarzes, sehr langes Messer. „Ich habe nur noch die Augen zugemacht und geschrien“, sagt die 46-Jährige.

Seit dem Überfall an einer Kreuzung in Langenhagen ist die kaufmännische Angestellte traumatisiert. Deshalb sitzt sie im Zeugenschutzraum des Landgerichts, sie hat eine Freundin mitgenommen, die manchmal ihre Hand drückt. Ihre Aussage wird per Videoübertragung in den Saal 127 ausgestrahlt. Fünf Monitore sind dort aufgebaut, für die Richter, die Staatsanwältin, den Angeklagten und seinen Verteidiger, den psychiatrischen Gutachter, für die Zuschauer.

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Auf der Anklagebank sitzt Mike P., der sich seit gestern vor dem Landgericht wegen eines bemerkenswerten Raubzugs durch Hannover und Langenhagen verantworten muss. Staatsanwältin Kathrin Söfker wirft ihm vor, innerhalb von vier Tagen fünf schwere Überfälle begangen zu haben. Vier der Taten räumte er gestern ein. Er gestand, einer Seniorin die Handtasche entrissen zu haben, den Kassierer eines Supermarkts mit einer Gaspistole bedroht zu haben. Er habe auch kurz hintereinander zwei Frauen in ihren Autos überfallen und sei dabei mit einem Messer bewaffnet gewesen.

Für Mike P., der bereits wegen ähnlicher Taten eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt hat, geht es um viel: Die Staatsanwältin hat Sicherungsverwahrung gegen den 42-Jährigen beantragt – damit würde er auch nach Verbüßung einer Haftstrafe eingesperrt bleiben. Er habe während der Taten unter massiven Suchtdruck gestanden, sagt der Angeklagte mit den harten Gesichtszügen und dem langen dünnen Zopf: „Es ging nur noch darum, wie ich an Geld für Kokain komme.“

Dabei führten seine Überfälle - auch wegen der Hilfe couragierter Zeugen - kaum zum gewünschten Erfolg. Nach dem Supermarkt-Überfall folgten ihm der Kassierer und ein Kunde; auf der Flucht verlor Mike P. die Tüte mit dem Geld und der Gaspistole. In der Tasche, die er einer älteren Frau von der Schulter gerissen hatte, fand er eine nur sehr geringe Barschaft. Und die Sache mit den Autos klappte auch nicht.

Zunächst hatte er es auf einem Parkplatz in Langenhagen auf einen Mercedes abgesehen, er hielt der Fahrerin das Messer an den Kopf und zwang sie zum Aussteigen. „Ich habe aber den Rückwärtsgang nicht gefunden. Und das, obwohl ich eigentlich immer nur Mercedes gefahren bin“, sagt der Angeklagte. Als Ersatz habe er die Handtasche der Frau genommen und sei getürmt. Für die Besitzerin hatte der Überfall gravierende Folgen; sie leidet seitdem unter Angstzuständen, ist in Therapie. Als Zeugin kommt sie nicht, ein Arzt hat ihr bescheinigt, nicht verhandlungsfähig zu sein.

Nach dem gescheiterten Versuch rannte er zur nächsten Kreuzung und überfiel dort eine zweite Autofahrerin – die kaufmännische Angestellte in dem Golf. Bauarbeiter beobachteten dies, bewaffneten sich mit Schippen und überwältigten den Täter, noch bevor dieser mit dem Golf wegfahren konnte. Sie sei sehr schreckhaft geworden, erklärt die überfallene Frau am Ende der Videovernehmung. Die angebotene Entschuldigung des Täters lehnt sie ab. Sie möchte ihn nie wieder sehen, auch nicht auf einem Monitor.

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