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Aus der Stadt „Sie wollten einen Menschen ausweiden“
Hannover Aus der Stadt „Sie wollten einen Menschen ausweiden“
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06:15 19.03.2012
Von Sonja Fröhlich
Foto: Nach dem Mord eines Bewohners im Männerwohnheims an der Schulenburger Landstraße wurde ein 31-Jähriger wegen Totschlags angeklagt.
Nach dem Mord eines Bewohners im Männerwohnheims an der Schulenburger Landstraße wurde ein 31-Jähriger wegen Totschlags angeklagt. Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Die Details der Anklage lösen unter den Zuschauern im Schwurgerichtssaal Entsetzen aus. Der 31-jährige Jörg A., dem zur Last gelegt wird, seinen Zimmernachbarn im städtischen Männerwohnheim an der Schulenburger Landstraße getötet zu haben, soll besonders grausam vorgegangen sein. „Dem Angeklagten ging es darum, einen Menschen auszuweiden“, fasst Staatsanwältin Isabell Wagner beim Prozessauftakt vor dem Landgericht zusammen.

Das sagt viel aus über das, was mit dem Mann im vergangenen September in einem Zimmer im dritten Stock geschehen war. Die Staatsanwaltschaft hatte A. zunächst wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen angeklagt. Nach einem Beschluss des Oberlandesgerichts wird jetzt aber wegen Totschlags verhandelt.

Der Angeklagte ist ein junger Mann mit Vollglatze; er wolle schweigen, ließ er über seinen Verteidiger erklären. Gegenüber der Polizei hatte er noch eine Aussage gemacht. Dabei erzählte er, in der Nacht zum 20. September mit dem 45-jährigen Bewohner auf dessen Zimmer gezecht zu haben. Dabei sei es zum Streit gekommen, er habe sich dann von dem Mann bedroht gefühlt. Vage konnte sich A. erinnern, dass er ein Messer von einem Tisch genommen habe. „Dann ist Filmriss“, sagte er laut Protokoll. „Ich weiß nicht, ob ich getötet habe.“ Als ein Gutachter den Angeklagten später mit den grausigen Details konfrontierte, soll dieser „überrascht und betroffen“ gewirkt haben.

Polizeibeamte, die wegen einer anderen Sache in dem Männerwohnheim ermittelten, fanden die Leiche am Morgen. „Hilfe war nicht mehr möglich. Es war offensichtlich, dass der Mann tot war“, sagt ein Beamter im Prozess. In der Anklage steht: Der Tote war nackt, sein Rücken war aufgeschlitzt und um seinen Körper waren mehrere Meter Darm gewickelt. Um den Darm zu entnehmen, sei ein gezielter Schnitt gesetzt worden. Welche der Misshandlungen letztlich zum Tod führte, steht indes nicht fest.

Der Angeklagte hatte die restliche Tatnacht unter einer Brücke am Kanal verbracht. Am Morgen stattete er seiner Mutter einen Besuch ab, sie schickte ihn zum Einkaufen. Die Ermittler konnten den Mann schließlich vor einem Supermarkt an der Schulenburger Landstraße festnehmen. An seinen Turnschuhen soll sich noch das Blut des Toten befunden haben. A.s damaliger Mitbewohner sagte gestern aus, der Angeklagte habe ihm noch in der Tatnacht die blutigen Turnschuhe gezeigt.

Den ersten Prozesstag verfolgten auch mehrere Angehörige des Opfers. Die Familie sei schwer geschockt, sagte Anwalt Marco Burkhardt, der die Mutter des Getöteten in der Nebenklage vertritt.

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