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Aus der Stadt Sieben Jahre bis zum perfekten Deutsch
Hannover Aus der Stadt Sieben Jahre bis zum perfekten Deutsch
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07:02 10.11.2015
Von Saskia Döhner
Vorbildlich: Morteza Malaeke spricht mit Ministerin Frauke Heiligenstadt. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Die 15 jungen Frauen haben große Ziele: Sie wollen Anwältin werden, Psychologin oder Ärztin, seit Anfang November lernen sie in einer „Sprintklasse“ an der Anna-Siemsen-Schule Deutsch. Mit diesem neuen Projekt will Niedersachsens Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) die Sprachförderung gerade für junge Erwachsene bis 21 Jahre, die nicht mehr schulpflichtig sind, ausbauen und ihnen auch den Einstieg in den Job erleichtern.

Nicht nur die allgemeinbildenden, auch die berufsbildenden Schulen nähmen immer mehr Flüchtlinge auf, sagte die Ministerin gestern vor Journalisten an der Anna-Siemsen-Schule. Zu Beginn des Schuljahres im September gab es 1300 Schüler in rund 100 Sprachlernklassen landesweit an den Berufsschulen, gegenüber dem Herbst 2014 hatte sich ihre Zahl damit verdreifacht. Die Zahl der minderjährigen Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Niedersachsen kommen, soll bis Jahresende auf 3000 ansteigen. Um insgesamt 100 Sprachlehrer für die neuen „Sprintklassen“ einzustellen, gibt das Land 5,6 Millionen Euro. 20 Schulen wollen eine „Sprintklasse“ einrichten, mancherorts - wie an der Anna-Siemsen-Schule - gibt es sie schon.

Überhaupt sei die BBS 7 in vielem vorbildlich, lobte Heiligenstadt: „Hier wird Willkommenskultur gelebt.“ Ob man den Flüchtlingen das Fahrradfahren beibringt, mit ihnen Theater und Fußball spielt, an die Nordsee reist oder mit der Stadtbibliothek kooperiert, damit die Schüler, die zu Hause keine Ruhe oder nicht mal einen Tisch haben, Hausaufgaben machen können - Schulleiterin Renate Lippel zählte gleich mehrere Beispiele dafür auf. In den sieben Sprachlernklassen sitzen Schüler aus Ghana, Syrien, Thailand oder Gambia. Morteza Malaeke (21) aus Afghanistan ist vor drei Jahren nach Norddeutschland gekommen, Deutsch hat er gleich in der Berufseinstiegsklasse gelernt. Nach der Ausbildung zum Krankenpfleger will er irgendwann einmal Arzt werden. „Das ist mein festes Ziel“, sagte er am Montag, „die Schule war etwas Großartiges, was mir passiert ist, und sie hilft mir, mein Ziel zu erreichen.“

Doris Göcke, an der Schule für die Berufseinstiegsklassen zuständig, rät Flüchtlingen zur Geduld. Mindestens zwei Jahre dauere es, bis man alltagstauglich Deutsch spreche. Wer Deutsch als Bildungssprache beherrschen und etwa komplizierte Mathematiktextaufgaben verstehen wolle, brauche bis zu sieben Jahre. An Wissbegier und Fleiß mangle es den Schülern nicht.

Martina Sulner 10.11.2015
Mathias Klein 09.11.2015
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