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Aus der Stadt Skandal um Bundespolizisten weitet sich aus
Hannover Aus der Stadt Skandal um Bundespolizisten weitet sich aus
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00:17 25.05.2015
Von Tobias Morchner
Foto: Polizeiobermeister Torsten S. soll in der Polizeiwache am hannoverschen Hauptbahnhof zwei Flüchtlinge gequält und verletzt haben.
Polizeiobermeister Torsten S. soll in der Polizeiwache am hannoverschen Hauptbahnhof zwei Flüchtlinge gequält und verletzt haben. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Der Skandal um den Bundespolizisten, der zwei Flüchtlinge auf der Wache am hannoverschen Hauptbahnhof gequält und verletzt haben soll, weitet sich aus. Die übergeordnete Dienststelle, die Bundespolizeidirektion, soll bereits seit einem halben Jahr über ungewöhnliche Vorfälle innerhalb der Gruppe informiert gewesen sein, in der der Beamte gearbeitet hat. Das berichtet das Magazin „Der Spiegel“ in seiner neuesten Ausgabe. Die Verantwortlichen sollen zudem auf die dringende Bitte um Unterstützung von Vorgesetzten der Bahnhofswache, die einer Art Hilferuf gleichkommt, nicht reagiert haben. Die Bundespolizeidirektion will sich zu den neuen Vorwürfen nicht äußern.

Polizisten der betroffenen Inspektion „hätten sich an Vorgesetzte in der Wache gewandt, die wiederum die nächsthöhere Dienststelle, die zuständige Bundespolizeidirektion, eingeschaltet hätten“, schreibt das Nachrichtenmagazin. Die Vorgesetzten sollen darum gebeten haben, ein Ermittlungsteam für die Aufklärung zahlreicher Vorfälle in Verbindung mit Polizeiobermeister Torsten S. an der Bahnhofswache einzusetzen, da sich die Vorgesetzten für überfordert erklärt hätten. Passiert sei allerdings nichts.

Unterdessen werden weitere Vorwürfe gegen Torsten S. bekannt. Seit Februar läuft ein Disziplinarverfahren gegen den Beamten, wegen „eines Fehlverhaltens im Dienst, das strafrechtlich nicht relevant ist“, wie die Behörde offiziell mitteilt. Medienberichten zufolge soll das Verfahren deswegen eingeleitet worden sein, weil S. mit einer Kollegin in einer Gewahrsamszelle der Inspektion Geschlechtsverkehr gehabt haben soll. Vom Dienst suspendiert wurde er wegen dieses Vergehens aber nicht. Er musste seine Uniform und seine Dienstwaffe erst abgeben, nachdem die angeblichen Übergriffe gegen die beiden Flüchtlinge Anfang der Woche öffentlich wurden. Dabei soll Torsten S. bereits in der Vergangenheit durch negatives Verhalten auf sich aufmerksam gemacht haben. Nach Informationen des „Spiegel“ soll er bereits vor Jahren durch Alkoholexzesse aufgefallen sein. Zudem soll er einer 14-Jährigen ein Foto seines Geschlechtsteils geschickt haben.

Die Schwierigkeiten des Bundespolizisten mit der Einhaltung des Gesetzes ist offenbar auch seinem Freundeskreis nicht verborgen geblieben. Als S. auf seiner Facebook-Seite auf die Aktivitäten der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hinweist, erntet er von einem anderen Bundespolizisten Spott: „Hattest du ’ne Heiligenerscheinung?“, fragt er S. Darauf springt dem Beamten ein anderer Bekannter bei: „Macht sich gut vor deiner nächsten Verhandlung. Hoffentlich ist der Richter auch bei Fassibook.“

Heftige Kritik am Krisenmanagement der Bundespolizei nach den Vorfällen in Hannover kommt unterdessen von Martin Schilff, dem Vorsitzenden der Gewerkschaft der Bundespolizei. „Ich hätte mir gewünscht, dass die Behördenleitung möglichst schnell in der Öffentlichkeit eine lückenlose Aufklärung des Falls und Konsequenzen für die Beteiligten gefordert hätte und sich gleichzeitig vor alle anderen gestellt hätte, die bei der Bundespolizei einen astreinen Dienst machen“, sagt er. Er bedauerte, dass sich die Behördenleitung offenbar dazu entschlossen habe, in dem Fall nur Öffentlichkeitsarbeit intern zu machen.

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