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Aus der Stadt So erklären Sie Kindern schlechte Nachrichten
Hannover Aus der Stadt So erklären Sie Kindern schlechte Nachrichten
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21:58 18.11.2015
„Mit den Blumen bekämpft man die Pistolen“: Mit einfachen Worten erklärt ein Vater in Paris seinem Sohn vor laufender Kamera, weshalb er sich nicht vor Terroristen zu fürchten braucht. Mehr als 2,5 Millionen Mal ist der Film bereits bei Facebook aufgerufen worden.
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Hannover

Schwer bewaffnete Uniformierte in der Innenstadt, Nachrichten zu Terror in Paris und Hannover allerorten: Das Thema prägt den Tag. Dass auch junge Menschen verunsichert sind und Redebedarf haben, zeigt sich auch an den Schulen. „Es ist ja eine beängstigende Situation, die Polizeipräsenz und die Einschränkung der Bewegungsfreiheit“, sagt Kurt Veith, Direktor der Leibnizschule. Mit den Lehrern sei daher abgesprochen, im Unterricht auf die Thematik einzugehen.

Gesprächsbedarf gibt es auch bei den Schülern der IGS List. „Es gibt keine Extraveranstaltung, aber auf Wunsch behandeln wir das Terror-Thema - ohne zu dramatisieren“, betont Leiter Oswald Nachtwey. Und auch das Kollegium der Werner-von-Siemens-Realschule fängt das Thema auf - sofern Gesprächsbedarf besteht, wie die stellvertretende Schulleiterin Stefanie Lammers erklärt.

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Wie aber erkläre ich meinem Kind die Attentate von Paris und die Warnungen in Hannover? Medienpädagogin Kristin Langer von der Medienratgeber-Initiative „Schau Hin!“, zu deren Partnern unter anderen das Bundesfamilienministerium sowie die Rundfunkanstalten ARD und ZDF zählen, gibt Tipps:

Keine Verharmlosung: Die Tatsachen mit Worten wie „alles halb so wild, betrifft uns nicht“ zu verharmlosen ist keine Lösung. Solche vermeintlich beruhigenden Sätzen machen Erwachsene nicht nur unglaubwürdig, sondern irritieren Kinder geradezu: „Sie wollen ernst genommen werden, und das bedeutet auch, dass man ernste Themen mit ihnen diskutiert“, betont Langer.

Keine Abschottung: In Paris führt kein Weg daran vorbei, auch den Kleinsten zu vermitteln, dass in ihrer Stadt etwas Schlimmes passiert ist. Spätestens ab der 5. Klasse ist der Terroranschlag Thema, weil der Ausnahmezustand das normale Leben in der Stadt vom Kindergartenalltag über die Schule bis hin zu Ausflügen und Einkäufen beeinflusst. Doch auch in Deutschland und den Nachbarstaaten müsste man dem Nachwuchs schon Augen und Ohren zuhalten, um ihn nicht mit der Tragödie von Paris zu konfrontieren: Kerzen brennen auf öffentlichen Plätzen, Gebäude sind in den Farben der Trikolore angestrahlt. In Hannover wie anderswo zieht auch die Absage des Fußballländerspiels zwischen Deutschland und den Niederlanden Kreise bis hin zur „Pampers“-Liga.

Achtsamer Umgang mit Medien: Gerade Bilder, ob in Printmedien oder im Fernsehen, lösen emotionale Reaktionen aus. „Schau Hin!“ empfiehlt Eltern daher, Kinder, selbst wenn sie schon 13 Jahre alt sind, nicht unnötig mit Aufnahmen von Toten und Verletzten zu konfrontieren. Nachrichten für Erwachsene sollten Kinder unter zehn Jahren auf gar keinen Fall sehen, und selbst, wenn sie älter sind, ist es ratsam, wenn sie dies nur im Beisein von Erwachsenen tun. Eine gute Alternative für Kinder vom Grundschulalter bis 13 Jahre sind Kindernachrichtensendungen wie beispielsweise „Logo“ auf Kika. In Sachen Hörfunkberichterstattung rät Langer, dass Radio auszuschalten, wenn Kinder allein zu Hause sind. Selbst 13-Jährige seien mit Schreckensmeldungen im Telegrammstil in der Regel überfordert.

Die richtigen Worte: Eltern sollten ihre eigenen Ängste im Griff haben, um sie nicht auf die Kinder zu übertragen, sagt Langer. Wichtig sei es deshalb, sich selbst umfassend zu informieren und so mit Kindern nahe an der Wahrheit über die Situation zu sprechen, ohne sie zu verunsichern. Ebenso wichtig ist es jedoch, zu betonen, dass dieser Anschlag nichts Alltägliches ist.

Von Kerstin Hergt und Susanna Bauch

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