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Aus der Stadt So hat Hannover den Reformationstag gefeiert
Hannover Aus der Stadt So hat Hannover den Reformationstag gefeiert
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00:17 03.11.2017
Von Uwe Kranz
Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann predigt zum Reformationsjubiläum in der vollen Marktkirche.  Quelle: Frank Wilde
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Hannover

Ein Blumenstrauß zu Luthers Füßen. Ein Posaunenchor vor dem Hauptportal. Und richtig Gedränge an den Türen. Immer noch. Denn auch um kurz vor 16 Uhr wollen weitere Menschen in die Marktkirche. Und es ist schon voll. Längst.

Aber es ist ja auch ein besonderer Gottesdienst, am Reformationstag 2017 in Hannover - oder wie es Paulina Spieß ausdrückt: „500 Jahre Reformation, das erlebt man nur einmal.“ Spieß ist als Volunteer mit einem sogenannten Reformationstruck durch 19 europäische Länder gereist und berichtet über ihre Erlebnisse. Allerdings nur kurz, das Programmheft ist so voll wie die Marktkirche selbst.

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Hannover feiert 500 Jahre Reformation – unter anderem am Kröpcke, in der Marktkirche und im Alten Rathaus.

Hunderte stehen weiter hinten. Alle Liederzettel, 800 sollen es gewesen sein, sind vergriffen, es wird gemeinsam reingeguckt oder abfotografiert und vom Handy gesungen. Eine Besucherin ist etwas enttäuscht über die vielen VIP-Plätze, die links und rechts des Mittelgangs fürs Normalvolk tabu seien. Sie sei 75 Minuten vor Beginn dagewesen, „und da hatte ich die Wahl, hinter dieser Säule zu sitzen oder hinter der anderen“.

Es wird viel gesungen an diesem Tag. Nicht nur hier. Schon zur symbolischen Zeit 15.17 Uhr hatten sich einige Dutzend Sänger und der Posaunenchor der Stadtmission den guten alten Flashmob reaktiviert und sich an der Kröpcke-Uhr eingefunden, um „Ein feste Burg ist unser Gott“ zu singen und Luther zu ehren. Protestanten hier, Protestierer dort: „Kein Grund zum Feiern“ stand auf dem Plakat der Demonstranten gegenüber, die zwar viel weniger waren, aber einen Lautsprecher hatten und Luther als „Antisemit, Sexist und Tyrannenfreund“ angingen.

In der Marktkirche sind sich dagegen alle einig, wenn es auch immer wieder eine Einigkeit im Nachdenken ist. Es geht um Religion, Reformation, aber es geht auch um Politik, Terrorgefahr, Gewalt und Hunger. Stadtsuperintendent Hans-Martin Heinemann hat neben Paulina Spieß Ulrika Engler von der Landeszentrale für politische Bildung zu Gast, die, angeregt durch Bibelsätze, über den Freiheitsbegriff räsoniert, der eben auch Religionsfreiheit bedeute und im Alltag auch in Fragen münde wie: „Was lassen wir zu? Was halten wir aus?“

An anderer Stelle würde es vermutlich hoch hergehen ob solcher Redebeiträge, in der Marktkirche ist es ganz still, die Sätze werden auf- und mitgenommen. Genau wie Eindrücke von Landesbischof Ralf Meister über eine Reise in die zerstörte syrische Stadt Homs, über die Kinder, „die mit Straßenterror und Gewalt ihre ersten Lebensjahre erlebt haben“.

Für solche Gedanken ist in diesem Gottesdienst ebenso Platz wie für Jazz mit dem Lothar Krist Quartett, das Applaus bekommt. Der Bachchor und Orchester führen die Kantate zum Reformationstag auf, die von Alfred Koerppen in diesem Jahr komponiert und beim „Fest für alle“ im August uraufgeführt worden war.

Anschließend geht’s ins Alte Rathaus - jedenfalls für die, die in der Kirche die besten Plätze hatten. Geladene Gäste aus Kirche, Politik und Wirtschaft wärmen sich bei Häppchen, Getränken und Grußworten auf. Die Laune ist gut, 500 Jahre Reformation, das erlebt man eben nur einmal.

Mathias Klein 31.10.2017
Andreas Schinkel 31.10.2017
Andreas Schinkel 31.10.2017