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Aus der Stadt So ist es als Frau auf dem Bau
Hannover Aus der Stadt So ist es als Frau auf dem Bau
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08:30 24.07.2017
Paula Eberhard, Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Firma Imhoff, bei Abdeckarbeiten eines Dachs an einem Wohnhaus in Hannover. Quelle: Silas Stein / dpa
Hannover

Paula, haste?“, fragt Dennis, ohne das Mädchen sehen zu können. „Ja“, entgegnet Paula konzentriert. Die 19-Jährige steht auf einem Dachboden, als sie die Dachlatte von ihrem Kollegen entgegennimmt. Weil noch Nägel darin stecken, legt sie sie mit dieser Seite nach unten auf einen Stapel. Draußen auf dem Dach reißt Dennis schon die nächste Latte ab. Ob sie heute fertig werden? „Wir müssen“, sagt Paula. „Das Dach muss dicht sein, sonst regnet es rein.“

Nur 1,6 Prozent Frauen unter den Auszubildenden

Paula Eberhard ist Lehrling im zweiten Lehrjahr bei der Firma Imhoff aus Seelze in der Region Hannover. Dem Dachdecker-Verband zufolge sind derzeit 990 Dachdecker in Niedersachsen und Bremen in der Ausbildung - darunter sind 16 Frauen. Paula ist eine davon. Der weibliche Anteil an den Auszubildenden liegt bei 1,6 Prozent und damit 0,3 über dem bundesweiten Schnitt. Unter den angestellten Dachdeckern sind in ganz Deutschland sogar noch weniger Frauen: Von 52.395 waren zuletzt 225 Frauen - ein Anteil von nur 0,4 Prozent.

In Paulas Alltag bedeutet das: Bei den Lehrgängen in Sankt Andreasberg im Harz sind unter 300 jungen Männern meist fünf Frauen. Kein Wunder, dass die Mädchen dort auch mal einen Anmachspruch zu hören bekommen. Von Kollegen auf der Baustelle kennt Paula das nicht.

Paula setzt sich durch

Während sie Dachpfannen von ihrem Chef entgegennimmt - immer im Zweierpack -, beschreibt Paula, wie sie sich in dem Männerteam durchgesetzt hat. Das funktioniere gut, weil sie Tatsachen geschaffen habe, meint Paula. Dazu gehöre das Tragen der Bleirolle, rund fünfzig Kilo schwer. „Das kann auch ein Mann nicht mal eben so tragen und bei Paula entspricht es ja ungefähr ihrem Körpergewicht“, grätscht der Chef dazwischen. Weil er immer noch beeindruckt davon ist. Denn Paula hat es einmal geschafft, die schwere Rolle mit dem Metall zu tragen.

Paula Eberhard ist Auszubildende im zweiten Lehrjahr bei der Firma Imhoff. Die angehende Dachdeckerin musste sich oft erst beweisen.

Seit diesem Moment beweist Paula immer wieder, dass sie im Job nicht so schnell an ihre Grenzen stößt. Ob ein junger Mann oder eine Frau Dachdecker werden will, spielt für die 19-Jährige keine Rolle. Sie würde den Beruf empfehlen, „wenn man abends wissen möchte, was man geschafft hat, viel draußen sein will und etwas anspruchsvoller ist.“

Anstrengender Arbeitsalltag

Auf ein Sportprogramm nach der Arbeit kann Paula jedenfalls verzichten. „Das ist alles mit drin“, sagt sie. Es sei schon schwere Arbeit, aber sie habe sich daran gewöhnt. Die rund 1000 Tonziegeln des Daches hat das Team in etwa vierzig Minuten abgedeckt.

Bevor die junge Frau sich entschlossen hatte, eine Lehre als Dachdeckerin zu machen, hatte ihre Mutter Bedenken geäußert: „Hast du dir das auch gut überlegt?“ Bereut hat Paula ihre Entscheidung nicht.

Sicherheitskleidung ist ein Muss

Paula hat sich angepasst. Privat trägt sie auch gerne mal ein Kleid, auf der Baustelle ist robuste Kleidung angesagt: Schwarze, an den Knien verstärkte Hose, dunkelrote Kapuzenjacke, rote Arbeitschuhe, Pferdeschwanz. Und ein bisschen Make-up. Das stört nicht bei der Arbeit. Dreckig wird Paula trotzdem immer. „Ich muss so gut wie jeden Tag Klamotten waschen.“

Frauen müssen sich beweisen

Wie andere Frauen, die etwa als Fliesenlegerin, Malerin oder Bauingenieurin arbeiten, kennt Paula Situationen, in denen sie sich beweisen musste. Nach dem Motto: „Mal gucken, ob die das schafft.“ Über solchen Sprüchen steht sie drüber, sagt sie.

Freunde und Eltern sagen ihr oft, dass sie viel selbstbewusster ist, seit sie als Dachdeckerin arbeitet. „Früher war ich ziemlich schüchtern“, beschreibt Paula. Im Verhältnis zu ihren Kollegen spricht sie aber noch immer relativ leise. Wenn sie ihnen antwortet, hebt sie ihre Stimme allerdings und spricht deutlich.

Freundschaftlicher Ton auf dem Bau

Bei Firma Imhoff ist der Ton nicht rau, eher freundschaftlich. Paulas Kollege Christian gibt lachend zu: „Vielleicht sind wir ein bisschen freundlicher geworden. Noch freundlicher!“ Obwohl er und sein Kollege anfangs noch etwas skeptisch waren, wurde Paula schnell ins Team integriert. Das sei auch deshalb so gut gelungen, weil die anderen in der Firma offen und größtenteils jung seien, meint der 29-Jährige.

Chefin schwieriger als Chef

Während Paula ein Fenster samt Rahmen zur Seite räumt, Eimer mit Schutt füllt und Reste von Dämmwolle von den Balken abreißt, antwortet sie, dass sie sich prinzipiell auch vorstellen könnte, einen eigenen Betrieb zu führen. Aber sie glaubt, dass es als Chefin „vielleicht ein bisschen schwieriger“ wäre, sich durchzusetzen.

Frauen sind erfolgreich

„Wenn Frauen sich für diesen Beruf entscheiden und das durchziehen, sind sie in der Regel sehr erfolgreich“, sagt Rudolf Kirschner, Geschäftsführer des Dachdecker-Verbands Niedersachsen-Bremen. Es gebe von Ostfriesland bis Goslar sehr engagierte, weibliche Chefs.

Für Firmeninhaber Günter Imhoff ist Paula der beste Beweis dafür, dass sich Zeiten ändern. Vor Paula habe er nur männliche Azubis gehabt, sagt der 50-Jährige. Er bekommt viel Lob von Kunden für seine weibliche Angestellte. „Alle sagen, Paula ist so freundlich.“ Ihr selbst fehlt nichts, beteuert sie und nickt zufrieden. In der Firma Imhoff hat Paula Eberhard schon den Weg für andere junge Frauen geebnet. Vor einigen Monaten war eine Praktikantin mit auf dem Bau.

dpa

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