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Aus der Stadt Erster Comic-Marathon in Hannover
Hannover Aus der Stadt Erster Comic-Marathon in Hannover
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17:40 24.02.2017
24 Comicseiten in nur 24 Stunden gestalten: Harte Voraussetzungen für Zeichner beim Comic-Marathon. Quelle: Villegas
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Hannover

Zwei Klassenräume des Bib stehen den Künstlern für diese Zeit zur Verfügung. Einer davon ist reserviert für ihre Verpflegung. Dort lagern auch Schlafsäcke für diejenigen, die die Nacht nicht durchmachen wollen.

24 Comicseiten in nur 24 Stunden gestalten: So war Hannovers erster Comic-Marathon.

Der andere Raum ist hell ausgeleuchtet. An zwei langen Tischen sitzen die Künstler in bequemen Klamotten, oft mit Kopfhörern auf den Ohren, die mit ihrem Smartphone verbunden sind. Vor ihnen liegen leere und schon bunte Papiere, Zeichenblöcke und Lineale, stehen Behälter voller bunter Stifte und Club-Mate-Flaschen.

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Info

Die Beiträge sind ab Samstagmittag online unter http://www.mycomics.de/ zu finden.

Fabian Marscholik fällt der lange, dunkle Pferdeschwanz über den Rücken, während er mit Lineal und Bleistift konzentriert die Bildrahmen für die zweite Seite seines Comics zieht.

Als er aufblickt, erkennt man verschiedene Marvelhelden, die die Vorderseite seines T-Shirts zieren. Er lächelt entspannt. Kann er auch. Denn anders als bei anderen Comic-Marathons durfte er sich diesmal vorbereiten. Die Geschichte seines Comics und die Bildeinteilung hat er in einem sogenannten Storyboard schon einmal grob vorgezeichnet und geschrieben. Auch die Gesichter seiner Charaktere liegen vorgezeichnet auf einem Character-Sheet neben ihm. Nach den ersten drei Stunden des Comic-Marathons liegt er noch gut im Zeitplan.

Seine Figuren sind mit Bleistift vorgezeichnet. Später wird der selbständige Designer und Illustrator die Linien mit einem schwarzen Fineliner nachziehen. Anders als viele seiner Kollegen colorierter seine Comcis nicht. Sie bleiben schwarzweiß.

Bib-Absolvent Marscholik ist zugleich auch Initiator des Comic-Marathons. Kennengelernt hat er dieses Format in Hamburg. Er mag diesen kreativen Wettstreit. „Ich kann mich selbst testen, wie weit ich in der Zeit komme. Was kann ich optimieren? Wie machen es die anderen?“

Sarah Salié, die einen Tisch weiter eine Teenager-Abenteuergeschichte zeichnet, die an Halloween spielt, ergänzt: „Es ist eine super Übung, unter Zeitdruck ein bestimmtes Format fertigzustellen.“ Vor allem schätze sie aber den Austauch mit den anderen Künstlern.

Ihr gegenüber sitzt Angelina Bahr. Ihr Comic beschäftigt sich mit dem Thema „Mensch gegen die Natur“ und erzählt von Verantwortung und Versagensängsten. Sie meint: „Zu Hause ist keiner da, der mich lobt oder mich antreibt.“

Ein Preisgeld oder eine Auszeichnung gibt es am Ende nicht. Alle Ergebnisse werden aber online veröffentlicht. „Wir wollen das Zeichnen aufwerten und eine Plattform für Künstler bieten, wo sie zeigen, was sie können“, sagt Schulleiter Michael Glaser. Eine Ehrung brauchen die Künstler nicht. Darin sind sie sich einig. „Die Bewertung ist der eigene Stolz, es geschafft zu haben - und die Anerkennung der anderen Künstler“, sagt Salié.

Bis Sonnabend, 12 Uhr, gibt es die Möglichkeit, den Künstlern bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Dann ist der Comic-Marathon beendet. Geht es nach Marscholik und Glaser, wird es nicht der letzte in Hannover gewesen sein.

Corinna Schäfer

Andreas Schinkel 24.02.2017
24.02.2017