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Aus der Stadt Söhne Mannheims treten trotz Terrorwarnung auf
Hannover Aus der Stadt Söhne Mannheims treten trotz Terrorwarnung auf
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00:07 18.11.2015
Das Konzert der Söhne Mannheims stand kurzzeitig auf der Kippe. Quelle: Nancy Heusel
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Hannover

Eine fette Geburtstagsparty sollte ihre Tour werden, voller emotionaler Momente und Anekdoten aus 20 Jahren Söhne Mannheims. Doch dann kam der Terror nach Paris. Und es folgte die Beklemmung, nach dem Massaker im Club Bataclan ein Konzert zu geben oder zu besuchen. Die noch schlimmer wurde, als sich die Nachricht verbreitete, dass das Fußballspiel in der HDI-Arena abgesagt ist wegen akuter Terrorgefahr.

„So darf es nicht weitergehen“ singen die Söhne dann im ersten Song „Geh davon aus“, dazu donnern die schnellen Schläge der drei Schlagzeuger durch die halbvolle Halle. Stärker kann der Auftakt eines Konzerts gegen den Terror kaum sein. „Schön, dass ihr gekommen seid“, sagt Xavier Naidoo. Dieses Mal ist es keine leere Höflichkeitsfloskel, denn viele Fans haben sich wegen der Nachrichtenlage kurzfristig zur Heimreise entschlossen. „Wisst ihr was? Wir sollten öfter mal den Fernseher und das Internet auslassen und stattdessen Musik machen“, ruft Sänger Rolf Stahlhofen, der wie Xavier Naidoo zum Jubiläum der Band wieder mit auf Tour ist. „Lasst uns das Leben feiern.“ Er erntet Applaus.

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Das Konzert der Söhne Mannheims findet statt: Nach der Bombendrohung in der HDI-Arena, der Absage des Länderspiels und der verstärkten Polizeikontrollen hatte so mancher Zuschauer jedoch ein mulmiges Gefühl.

Eigentlich ist ein Söhne-Mannheims-Konzert eine passende Antwort auf den Terror. Denn Menschlichkeit und Völkerverständigung gehören quasi zum Charakter der Band. Viele Hits basieren auf christlichen Vorbildern. Für diese Strömung ist Soulsänger Xavier Naidoo verantwortlich. Doch der hält sich auffällig im Hintergrund, versteckt sich unter der Kapuze und lässt bei einigen Songs sogar komplett den Kollegen den Vortritt.

Die Söhne machen Tempo, ruhige Nummern sind kaum im Programm. Vermutlich nicht mit Blick auf die aktuelle Lage. Allerdings lenken die energetischen Songs zwischen Reggae, Pop und Rock ganz gut ab.
Doch die Stimmung unter den Fans ist angespannt. Zwischen Schnappschüssen von der Band werden die Nachrichten gecheckt, die Jubelrufe sind spärlich, und hin und wieder verlassen einzelne Fans den Saal und kommen nicht zurück. Die positive Stimmung, die die Band mit ihren Hits wie „Vielleicht“, „Ich will zurück zu dir“ und „Und wenn ein Lied“ zu verbreiten versucht, setzt sich nicht richtig durch.

Dann richtet Tino Oac das Wort an die Fans. „Ich weiß nicht, was in nächster Zeit noch auf uns zukommt. Aber eines ist klar: Sie bekommen nicht unseren Hass. Das dürfen wir nicht zulassen.“ Jetzt kommt mehr Bewegung in die Menge. Vor der Bühne werden die Arme geschwenkt, ein paar Stimmen singen mit. Es klingt wie ein trotziges „Jetzt erst recht.“

Von Isabel Christian

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