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Aus der Stadt Sozialverbände befürchten Ende des Zivildienstes
Hannover Aus der Stadt Sozialverbände befürchten Ende des Zivildienstes
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21:25 03.11.2009
Von Rüdiger Meise
Quelle: ddp (Archiv)
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Die Hoffnungen vieler sozialer Organisationen ruhen jetzt auf einer Ausweitung der Förderung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ). „Wir haben dazu aber bislang keine konkreten Signale aus Berlin“, sagte Ute Giesecke-Tapp, Referatsleiterin der evangelischen Freiwilligendienste in Hannover.

„In vielen Bereichen wäre es unsinnig, noch Zivildienstleistende einzusetzen, wenn ihre Dienstzeit lediglich ein halbes Jahr beträgt“, sagte Cornelia Rundt, Vorstand des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Hannover. „Der Schulungsaufwand wäre einfach zu hoch im Verhältnis zur Einsatzzeit.“ So dauere im Rettungsdienst die Ausbildung auf den Fahrzeugen allein drei Monate. Ebenso wie das Deutsche Rote Kreuz setzt auch der Malteser Hilfsdienst in Hannover deshalb schon jetzt keine Zivildienstleistenden mehr im Rettungsdienst ein, sagt Diözesan-Geschäftsführer Raphael Eberbach. Auch im Behinderten-Fahrdienst setzten die Malteser auf 400-Euro-Kräfte statt auf Zivildienstleistende.

Menschlich sei es betreuten Personen kaum zuzumuten, sich regelmäßig nach wenigen Monaten auf neue Ansprechpartner einzustellen, sagt Cornelia Rundt. „Ein behindertes Kind müsste sich ab 2011 mehrmals im Jahr an eine neuen Schulbegleitung gewöhnen.“ Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Ulrich Schneider, hat bereits angekündigt, dann keine Zivildienstleistenden mehr einzusetzen, so wie es bei der Lebenshilfe in Hannover nach Angaben von Geschäftsführerin Christine Lenssen bereits praktiziert wird.

Rundt sieht in den Plänen der Bundesregierung eine Verlagerung der Kosten von der Bundesebene zur Kommune. „Wenn die Sozialverbände statt Zivis hauptamtliche Mitarbeiter einstellen müssen, tragen die Kosten dafür die Betreuten oder die Sozialträger vor Ort.“

In den sieben städtischen Alten- und Pflegeheimen in Hannover seien zwar die Abläufe so konzipiert, dass sie auch gänzlich ohne Zivildienstleistende auskämen, sagt Betriebsleiter Manfred Schwonnek. „Es würden jedoch wertvolle Tätigkeiten im Betreuungsbereich eingeschränkt, die für die Heimbewohner wichtig sind.“ Das wären Vorlesen, Spielen, Spazierenfahrten und Begleitung bei Besuchen.

Wie andere Verbände hofft auch das Deutsche Rote Kreuz in Hannover auf eine Ausweitung des Freiwilligen Sozialen Jahres. „Mit 85 Zivi-Stellen haben wir nur ein Drittel unseres Kontingents besetzt“, sagt Hannover-Vorstand Thomas Dettmer. FSJ-Stellen seien zwar fast doppelt so teuer, doch seien die „FSJler“ nach ihrer Ausbildung länger einsetzbar und damit effektiver.

Derzeit stehen nach Angaben des hannoverschen evangelischen Freiwilligendienstes bundesweit 35.000 FSJ-Stellen rund 90.000 Zivildienstleistende gegenüber. Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und FDP in Berlin sieht zwar den „qualitativen und quantitativen Ausbau der Jugendfreiwilligendienste“ vor. Konkretere Aussagen gebe es dazu bislang aber nicht, sagt Referatsleiterin Ute Giesecke-Tapp.

Dirk Kirchberg 03.11.2009
Juliane Kaune 03.11.2009
Vivien-Marie Drews 04.11.2009