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Aus der Stadt Spagat zwischen Kommerz und Kultur
Hannover Aus der Stadt Spagat zwischen Kommerz und Kultur
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11:52 10.01.2015
Von Andreas Schinkel
„Wir brauchen Großveranstaltungen aus Industrie und Wirtschaft im Schloss“.
„Wir brauchen Großveranstaltungen aus Industrie und Wirtschaft im Schloss“. Quelle: Julian Stratenschulte
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Hannover

Ein Reklameplakat an der Schlossfassade in Herrenhausen, das großflächig für Autoreifen, Lastwagen oder Telefonanbieter wirbt - so etwas gilt als unmöglich. Denn die Herrenhäuser Gärten inklusive Schloss sind ein „hochwertiges Denkmal“, wie Kulturdezernentin Marlis Drevermann betont. Aber wenn große Firmen im Tagungszentrum des Schlosses Empfänge geben, dann wollen sie das auch außerhalb des Gebäudes nicht verheimlichen. „Die Telekom hat uns einmal gefragt, ob sie einen Showtruck in den Ehrenhof des Schlosses stellen darf. Das hat die Stadt abgelehnt“, sagt Bernd Jäger, Geschäftsführer der Schloss Herrenhausen GmbH, die das Tagungszentrum betreibt. Für die Zukunft hofft er, dass die Stadt „liberaler“ mit solchen Werbeaktionen von Firmen umgeht.

In Herrenhausen treffen Kunst, Kultur und Kommerz aufeinander, und meist gelingt die Balance zwischen den Interessen. Das ist gestern bei einer Anhörung im Wirtschaftsausschuss deutlich geworden, um die die CDU-Ratsfraktion gebeten hatte. Eigentlich stand die Diskussion unter dem Titel „Masterplan Herrenhausen“, doch wurde schnell klar, dass ein solcher gar nicht benötigt werde. Alle Vertreter der Institutionen in den Gärten, von der Volkswagenstiftung über den Organisator des Kleinen Festes bis zur Versicherung VGH als Eigentümerin der Schlossküche waren sich einig, dass ein Herrenhausen-Manager, der die Fäden in der Hand hält, nicht nötig sei. „Wir sind zwei Jahre nach Eröffnung des Schlosses auf einem guten Weg“, sagte Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung, die das Schloss finanziert hat.

Im Jahr 1943 wird Schloss Herrenhausen im Krieg zerstört. Eine Bildergalerie mit historischen Impressionen.

Doch bei aller demonstrativen Einigkeit zeigt sich, dass bisweilen Interessen kollidieren. „Wir brauchen Großveranstaltungen aus Industrie und Wirtschaft im Schloss Herrenhausen“, sagt Jäger und hofft auf mehr Entgegenkommen vonseiten der Stadt. Jäger nennt ein Beispiel: Der Konzern Exxon Mobile plante im vergangenen Jahr eine große Veranstaltung mit 2000 Gästen und bat darum, Zelte im Schlosshof aufstellen zu dürfen. „Es hat enorme Anstrengungen gekostet, bis die Zelte endlich genehmigt wurden“, sagt Jäger. Ebenso schwierig sei, Firmen den Wunsch zu erfüllen, die Schlossfassade in den Farben ihres Logos anstrahlen zu dürfen. „Die Unternehmen wollen nun einmal sich und ihre Produkte darstellen“, sagt der Geschäftsführer des Tagungszentrums. Und ein Truck im Ehrenhof würde Gartenbesucher auf der anderen Seite des Schlosses nicht stören. „Wir brauchen Sicherheit, was wir Großkonzernen anbieten dürfen“, fordert Jäger. Zwar will auch VGH-Vertreter Roger Cericius keine Absagen von großen Konzernen riskieren. „Aber wenn MAN einen Truck in den Garten des Hardenbergschen Hauses fahren will, dann muss man das ablehnen“, sagt er.

Kulturdezernentin Drevermann betont, dass solche werbewirksamen Veranstaltungen von Fall zu Fall geprüft werden. „Der Ehrenhof ist eine Wegefläche und darf nicht verstellt werden“, sagt sie. Der Organisator des Kleinen Festes, Harald Böhlmann, gibt zu Bedenken, dass die Gärten nun einmal kein Messegelände seien.

Gutachten zur Luft im Schloss

Dicke Luft herrscht in den Räumen des Schlossmuseum – und das ist nicht im übertragenen Sinne gemeint. Bereits kurz nach Eröffnung des Museums hatten Mitarbeiter über das Raumklima geklagt, wie jetzt aus einer Stellungnahme der Stadt hervorgeht. Experten gingen der Sache nach, führten Messungen durch – doch die zulässigen Richtwerte für das Raumklima wurden nicht überschritten. Dennoch scheint etwas mit der Luft im Museum nicht zu stimmen, denn es kondensieren dicke Tropen an den Fenstern. „Der Fensterhersteller ist zur Beseitigung des Schimmelbefalls aufgefordert worden“, teilte die für das Schloss zuständige IVA KG der Stadt im Dezember mit.

Die Stadt sorgt sich weiter um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter und dringt auf eine Lösung. In einem weiteren Gutachten soll die Dekra jetzt klären, wie es um die Luft im Museum wirklich bestellt ist. Stadt und IVA KG gehen davon aus, „dass nach Vorlage des Dekra-Gutachtens im Frühjahr 2015 Verbesserungen realisiert werden können“. Den Mitarbeitern dürfte das zu lange dauern, denn die Klagen über Reizhusten reißen nicht ab. Der Krankenstand habe sich in diesem Winter noch nicht erhöht, heißt es in der Stellungnahme der Stadt.

Mathias Klein 10.01.2015
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