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Aus der Stadt Spanische Justiz will Hanebuth anklagen
Hannover Aus der Stadt Spanische Justiz will Hanebuth anklagen
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00:20 06.02.2015
Von Jörn Kießler
Wird nun angeklagt: Frank Hanebuth bei seiner Festnahme vor 18 Monaten auf Mallorca. Quelle: dpa (Archiv)
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Mehr als 18 Monate nach der Verhaftung des ehemaligen Hells-Angels-Chefs auf Mallorca hat der leitende spanische Untersuchungsrichter nun seinen Abschlussbericht vorgelegt. Darin fordert Eloy Velasco die Staatsanwaltschaft auf, Hanebuth sowie 54 andere Personen wegen der Zugehörigkeit zu einer kriminellen Vereinigung anzuklagen. Als Kopf des mallorquinischen Charters der Hells Angels hat sie Hanebuth identifiziert.

Damit ist die spanische Justiz einen Schritt weiter, als es die deutsche zuletzt war. Sie hatte verschiedentlich gegen Hanebuth und andere Hells Angels ermittelt. Für eine Anklage indes hatte es in den vergangenen Jahren nie gereicht.

In Handschellen auf Mallorca: Der Ex-Chef der hannoverschen Hells Angels, Frank Hanebuth, ist dem Haftrichter auf der Urlaubsinsel vorgeführt worden.

Der Prozess gegen Hanebuth und seinen mutmaßlichen Partner Khalil Y. könnte schon bald beginnen. Denn der Untersuchungsrichter der „Audiencia Nacional“, einem zentralen Anti-Terror-Gericht in Spanien, hat gegen die beiden Höllenengel und ihre mutmaßlichen Handlanger ein beschleunigtes Verfahren beantragt. Innerhalb der nächsten 15 Tage muss die Staatsanwaltschaft gegebenenfalls Anklage gegen die 24 Personen erheben, die bei der Razzia in einer Finca auf Mallorca festgenommen worden waren. Hanebuth und Y. sind die einzigen Höllenengel, die nach der Operation „Casablanca“ im Juli 2013 noch in spanischen Gefängnissen sitzen.

Bei einer Razzia unter Hells Angels auf Mallorca hat die spanische Polizei 25 Verdächtige festgenommen. Die meisten von ihnen stammten aus Deutschland. Unter den Verhafteten ist auch Frank Hanebuth.

Auch 31 weitere Motorradrocker und deren Komplizen, unter anderem drei spanische Polizeibeamte, sollen für ihre Taten verantwortlich gemacht werden. Von elf Verdächtigen ist derzeit jedoch nicht bekannt, wo sie sich aufhalten. Richter Velasco hat daher die Staatsanwaltschaft aufgefordert, sie zu suchen und verhaften zu lassen. Unter ihnen sollen sich laut Audiencia Nacional auch sieben teilweise leitende Köpfe des Organisierten Verbrechens befinden, die sich derzeit nicht in Spanien aufhalten. Gegen sie wurden Haftbefehle erstellt, die in ganz Europa Gültigkeit haben. Schon in der vergangenen Woche hatte der Richter sieben Verdächtige vor das Gericht nach Madrid geladen, einige davon aus Deutschland. Ob sie für eine Aussage vor dem Untersuchungsgericht erschienen sind, wollte Behördensprecher Javier Valero jedoch nicht sagen.

Die Chronik

Im Fokus der Ermittler

Die Liste der Vergehen, die Frank Hanebuth vom spanischen Gerichtshof vorgeworfen werden, ist lang. Die Anklage allein reicht jedoch nicht unbedingt aus, um den Höllenengel hinter Gitter zu bringen. Auch die deutsche Justiz hat das bereits versucht und ist vielfach gescheitert.
24. Mai 2012: GSG 9 und Polizei stürmen das Anwesen von Frank Hanebuth in der Wedemark. Die Staatsanwaltschaft Kiel hofft, dort Hinweise zu finden, die beweisen, dass der Hannoveraner einen Mord in Auftrag gegeben hat.

Juni 2012: Der niedersächsische Landtag beschließt, den Rockerclub der Hells Angels zu verbieten. Kurz darauf löst sich das hannoversche Charter offiziell auf.
Februar 2013: Ehemalige Hells-Angels-Mitglieder aus Hannover gründen einen Ableger auf Mallorca.

April 2013: Die Kieler Staatsanwaltschaft lässt die Anschuldigungen gegen Hanebuth mangels Beweisen fallen. Nach dem Ende der Ermittlungen orientiert sich Hanebuth auch in Richtung Mallorca.

23. Juli 2013: Frank Hanebuth wird im Rahmen der Operation „Casablanca“ in einer Finca auf Mallorca festgenommen. Der Hells Angel kommt in Isolationshaft. Ihm wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung, Drogenhandel und Schutzgelderpressung vorgeworfen.

23. August 2013: Hanebuths Isolationshaft wird aufgehoben.

18. Oktober 2013: Der hannoversche Rockerchef wird mit 17 weiteren Festgenommenen der Operation „Casablanca“ nach Madrid verlegt.

Ende Oktober 2013: Die spanische Polizei erhebt neue Vorwürfe gegen Frank Hanebuth. Er soll am 28. März einen Bombenanschlag in Bayern in Auftrag gegeben haben.

Dezember 2013: Hanebuth kommt in ein Gefängnis im südspanischen 
Cádiz.

12. September 2014: Hanebuth feiert seinen 50. Geburtstag hinter Gittern.

3. Februar 2015: 560 Tage nach der Festnahme von Frank Hanebuth veröffentlicht der Untersuchungsrichter Eloy Velasco den Abschlussbericht seiner Ermittlungen.

 jki

Mallorquinisches Charter mit vielen Handlangern

In ihren Ermittlungen zeichnet die Audiencia Nacional, das spanische Untersuchungsgericht, die Aktivitäten der Höllenengel auf Mallorca bis ins Jahr 2009 nach. Damals sollen zunächst türkische Hells-Angels-Mitglieder auf der spanischen Ferieninsel ein Charter gegründet haben. Nachdem sich dieses 2011 wieder auflöste, habe eine Phase begonnen, in der Ende 2012 mehrere deutsche Motorradrocker das Charter wiederbelebten. Wenig später soll Frank Hanebuth die Führung der Gruppe übernommen haben, die sich folgender Vergehen schuldig gemacht haben soll:

Zwangsprostitution: Um schnell an Geld zu kommen, sollen die Rocker Frauen zur Prostitution gezwungen haben. Dafür brachten sie nach Meinung der Ermittler Mädchen nach Spanien, die wie Touristinnen aussahen, und nötigten sie zur Sexarbeit.

Geldwäsche und Erpressung: Mit dem finanziellen Polster sollen die Hells Angels sich anderen illegalen Aktivitäten zugewandt haben. Unter anderem listen die Ermittler in dem 95 Seiten langen Bericht Geldwäsche und Erpressung auf. Zudem sollen Hanebuth und seine Komplizen Firmen gegründet haben, für die sie bei der staatlichen Kreditanstalt Instituto de Crédito Oficial (ICO) Darlehen beantragten, die sie nie zurückzahlten.

Drogenhandel im großen Stil: Bei der Suche nach weiteren illegalen Geschäftsfeldern gingen die Hells Angels auf Mallorca nach Überzeugung von Richter Eloy Velasco eine Kooperation mit einer weiteren illegalen Vereinigung ein. Gemeinsam hätten sie Kokain auf die spanische Ferieninsel geschmuggelt, indem man südamerikanische Frauen als Drogenkuriere benutzte.

Informanten bei der Polizei: Unterstützt wurden die Hells Angels dem Bericht der Audiencia Nacional zufolge von diversen Handlangern auf Mallorca – darunter auch ein Mitglied der örtlichen Polizei, ein Beamter der Bundespolizei sowie ein Mitarbeiter der Guardia Civil.

 jki

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