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Aus der Stadt Spatenstich für Netrada-Ansiedlung
Hannover Aus der Stadt Spatenstich für Netrada-Ansiedlung
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00:15 01.12.2012
Von Conrad von Meding
Erster Spatenstich für das neue Netrada Fashion Distributionszentrum v.l. Hans Mönninghoff, Bernd Humke,Stephan Weil und Joachim Reinhardt Quelle: Michael Thomas
Hannover

Oberbürgermeister Stephan Weil sprach von dem „wohl dramatischsten Ansiedlungsverfahren der jüngeren Stadtgeschichte" - und einem der größten noch dazu. Bis zu 1800 Arbeitsplätze will die Firma langfristig auf der ehemaligen Parkplatzfläche der Messe ansiedeln. Im ersten Bauabschnitt, für den gestern der erste Spatenstich vorgenommen wurde, sollen nach Firmenangaben 500 Arbeitsplätze entstehen. Das Unternehmen hat sich vertraglich verpflichtet, diese Jobs neu zu schaffen und nicht an seinen anderen vier Standorten in der Region abzubauen. Diese Verpflichtung sei nicht schwer gefallen, sagte Geschäftsführer Joachim Reinhardt:  „Wir wachsen rasant, deshalb freuen wir uns auf den neuen Standort.

„Etwa 50.000 Quadratmeter groß werde die erste Halle sein, bei 13 Metern Höhe wird sie mehrere Geschosse haben. Über 30 Rolltore docken sich Lkw an die Halle an. Im Gegensatz zu den Plänen von Amazon sollen diese jetzt alle im Süden liegen. „Damit dient die Halle quasi als Schallschutz, weil die Wohnhäuser dahinter liegen", sagt Wirtschaftsdezernent Hans Mönninghoff. Die Geschäftsführer Reinhardt und Bernd Humke betonten, dass sie ein gutes Verhältnis zu den Anwohnern wünschten. Oberbürgermeister Weil lobte das Entgegenkommen des Unternehmens gegenüber den Anliegern. Nicht nur seien klare Lkw-Anlieferrouten über die Messeschnellwege vereinbart, um Wohngebiete zu schonen, und Jobtickets für stadtbahnfahrende Mitarbeiter zugesichert, sondern es werde auch ein Bürgertelefon für die gesamte Bauzeit eingerichtet. „Ich habe das sichere Gefühl, dass wir als Stadt jetzt mit dem richtigen Unternehmen zusammenarbeiten", sagte Weil.

Erster Spatenstich für das neue Netrada Fashion Distributionszentrum.

Zu Beginn der Spatenstich-Zeremonie hatte es bereits eine nette Geste gegeben: Die beiden Netrada-Chefs und Oberbürgermeister Weil begrüßten ausdrücklich auch die Ansiedlungsgegner, von denen ein knappes Dutzend - verkleidet mit Gasmasken - am Bauzaun protestierte. Der Protest der örtlichen Bürgerinitiative„Pro Kronsberg" drehte sich am Mittwoch vor allem um die Sorge, dass durch die Bauarbeiten Methangas aus der alten Hausmülldeponie Bemerode austreten könne. Die Deponie ist zur Expo saniert worden, sie liegt in der Nähe des Baugebiets. Gutachtern zufolge geht von ihr keine Gefahr aus, die Anwohnerinitiative zweifelt daran.

Derzeit wird das Baufeld vorbereitet, ein Schredder nimmt die Fahrspuren des alten Parkplatzgeländes auf. Im Süden des Grundstücks haben bereits die Tiefbauarbeiten begonnen. Die Halle soll bis Mai stehen und ein dichtes Dach haben, dann beginnt der Innenausbau. Der sei sehr komplex, sagt Netrada-Geschäftsführer Humke. Die Inbetriebnahme sei daher erst für das erste Halbjahr 2014 geplant. Insgesamt investiert das Unternehmen allein im ersten Bauabschnitt gut 50 Millionen Euro. Wenn das Logistikzentrum in Hannover bezogen ist und damit der Standort Garbsen, wo bisher Esprit-Waren umgeschlagen werden, entlastet ist, soll der dortige Standort für weitere zehn Millionen Euro aufgewertet werden, versprach Reinhardt: „Wir geben keinen Standort auf, sondern wachsen kontinuierlich."

Der E-Commerce-Spezialist Netrada ist in finanzielle Bedrängnis geraten. Derzeit baut das Unternehmen am Kronsberg für 50 Millionen Euro eine neue Halle.

Kurios: Weltkonzern Amazon hat sich inzwischen schmollend zurückgezogen. Das Unternehmen ließ jüngst über das Landeswirtschaftsministerium verlautbaren, nach der Absage der Stadt Hannover nun überhaupt nicht mehr in Niedersachsen expandieren zu wollen - auch nicht an den anderen favorisierten Standorten bei Soltau-Fallingbostel und bei Hamburg. Branchenkenner bezweifeln allerdings, dass ein derart großer Konzern seine Ansiedlungsstrategie von der Absage einer Stadt abhängig macht. Sie vermuten eher, dass die gesamte Expansionsstrategie des  Unternehmens von Anfang an unseriös war - dann hätte Hannover gut daran getan, dem Unternehmen die kalte Schulter zu zeigen. Von Amazon gab es auch dazu auf Anfrage keinerlei Auskunft - das Unternehmen hüllt sich stets in Schweigen.

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