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Aus der Stadt So spektakulär war die Abschluss-Show des Festivals
Hannover Aus der Stadt So spektakulär war die Abschluss-Show des Festivals
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14:57 17.06.2018
Lange wurde für die waghalsige Finalshow geprobt - und die 50.000 Besucher vor Ort waren begeistert. Quelle: von Ditfurth
Hannover

​So etwas hat die Stadt noch nicht gesehen. Die Party zum 125. Madsack-Geburtstag an der Goseriede hatte viele Höhepunkte, doch das, was am Ende kommt, schlägt die Besucher noch einmal in den Bann. Überraschend und spektakulär ist diese sogenannte Mapping-Show, voller Energie und zugleich voll von zarten, poetischen Momenten, ein effektvolles Spektakel und zugleich ein berührendes Kunstwerk, das im Moment seiner Präsentation schon wieder vergeht und für immer einmalig bleiben wird.

Zehntausende recken am Sonnabend um kurz nach 22.30 Uhr die Köpfe in den Nacken, um die Mischung aus Videoprojektionen und Tanzeinlagen, Artistik, Musik und Lightshow zu erleben. Alle Blicke richten sich auf das Anzeiger-Hochhaus, das paradoxerweise gar nicht zu sehen ist. Verhüllt wie weiland der Reichstag steht es da. Ein Blickfang, der gar nicht zu sehen ist. Vorm Gerüst ist eine riesige Leinwand aufgespannt. Projektoren zaubern ein großes, verpacktes Geschenk auf die 1000 Quadratmeter große Fläche. „Hier wird gleich ein großes Geschenk für Hannover enthüllt“, sagt Moderator Jan Sedelies.

Intro: Das Anzeiger-Hochhaus erwacht zum Leben. Quelle: HAZ

Ein Raunen geht durch die Menge, als – wenige Minuten später als geplant – die Fassade des Hochhauses vor der Fassade des Hochhauses erscheint, einzelne Fenster sind so hell erleuchtet, dass ihr Gelb fast die Augen blendet. Dann fängt die Fassade an zu tanzen, Zahnräder sind zu sehen, verschiedene Symbole huschen durchs Bild. Es geht um die Geschichte von August Madsack, der vor 125 Jahren den „Hannoverschen Anzeiger“ gründete, und um die Geschichte seines Unternehmens bis ins digitale Zeitalter. 

1. Akt – Die Madsack-Story Quelle: HAZ

Das Team um Brendan Shelper von der Agentur battleROYAL setzt dabei auf eine opulente Bilderflut, auf synästhetische Überwältigung, ein Feuerwerk an Farben und Mustern und Klängen und Soundeffekten und Tanz und Gesang. „Wir haben in den vergangenen Tagen immer wieder geprobt und freuen uns, dass wir diese Momente mit Hannover teilen können“, sagt Shelper. Der Plan geht auf. „Das ist wirklich eindrucksvoll“, sagt Heike Bohm aus Pattensen. Als die Silhouette von August Madsack erscheint, gibt es Szenenapplaus.

Dann taucht vor der Leinwand der erste Tänzer auf. An Seilen hängend, scheint er die Fassade des Hochhauses hinauf zu laufen – Hunderte Zeigefinger deuten aus dem Publikum in seine Richtung, Hunderte Handys versuchen, den Augenblick für die Ewigkeit zu bannen. „Wahnsinn“, flüstert eine Frau im Publikum. Uhren und Buchstaben gleiten als Projektionen an der Leinwand hinab, der Tänzer weicht ihnen aus, springt über sie hinweg. Die Grenzen zwischen Fiktion und Wirklichkeit verschwimmen: Was ist hier echt, was ist nur aus Licht erschaffen? 

Dies setzt sich im nächsten Akt fort, der eine wirklich wahre Liebesgeschichte aus Hannover erzählt – die von Liane und Christian Korbach. Sie hatte einen Kiosk am Herrenhäuser Markt, er kaufte dort regelmäßig ein, und dann wurden sie ein Paar. Das Team von battleROYAL erzählt die Story als eine Art Operette in Comicästhetik, nur dass die Bühnenbilder aus Licht sind und schneller wechseln als in jedem Theater. Natürlich hat die Story ein Happy End. Die Akteure, die auf Balkonen inmitten der Riesenleinwand erscheinen, sind echt. Aber sie können ebenso gut Projektionen sein. Echt sind auch Liane und Christian Korbach, die am Ende kurz auf der Bühne erscheinen und herzlichen, ebenfalls echten Applaus bekommen. 

2. Akt – Eine Liebesgeschichte Quelle: HAZ

Von der Romantik zum Rap ist es nur ein kleiner Schritt. Kaum ist die Operette verklungen, liefert der Rapper Spax eine grelle Show ab. Hip-Hop-Tänzer erzeugen mit schnellen Bewegungen eine Art Rausch der Geschwindigkeit. Es ist das urbane Lebensgefühl einer pulsierenden Großstadt, das hier inszeniert wird. Dazu flimmern Begriffe wie „Mut“, „Verlässlichkeit“, „Leidenschaft“ und „Freude“ über die Leinwand – ein ganz eigener Kanon von Tugenden. Am Ende summiert sich alles in einem Begriff: In großen Lettern erscheint „Freiheit“ vor dem Anzeiger-Hochhaus. 

3. Akt – Symphonie der Gegenwart Quelle: HAZ

Freiheit ist ebenso machtvoll wie fragil. Buchstaben eines Gedichtes von Karl Kraus über die Freiheit fallen auf der Leinwand in sich zusammen. Erst, als ein Chor das hymnische Stück „Freiheit“ von Marius Müller-Westernhagen anstimmt, formieren die Buchstaben sich neu. Freiheit muss immer wieder neu errungen werden; sie lebt davon, dass Menschen ihre Stimme für sie erheben. Diese Passage ist ein emotionaler Höhepunkt der Show. 

4. Akt – Freiheit Quelle: HAZ

Gleich danach wallen Nebel auf, menschliche Gestalten formieren sich aus den Schwaden, die Scheinwerfer sind im Dauereinsatz – und es wird laut. Das ganze hier ist schließlich eine Symbiose aus Partyevent und Hochkultur, und es ist auch eine technische Leistungsschau, die keine falsche Scheu vor Pathos hat. Jetzt wird gefeiert, ganz so, wie es der Text von Westernhagens Freiheitshymne fordert. Das Duo Glasperlenspiel singt zum Finale live seinen Hit „Geiles Leben“, und viele im Publikum singen laut mit, während die Silhouetten der Musiker optisch verfremdet über die Leinwand flimmern. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt Axel Werner aus Döhren, während er auf die Leinwand blickt.

Der Australier Brendan Shelper ist kreativer Kopf der Multimedia-Show, die den Höhepunkt der Madsack-Geburtstagsparty am Sonnabend darstellte. Quelle: Schaarschmidt

Mit einem Feuerwerk endet die Mapping-Show. Wer bislang noch nicht wusste, was sich hinter diesem Begriff verbirgt, weiß es jetzt. Und wer sie gesehen hat, wird später davon erzählen können, dass er dabei gewesen ist. An jenem denkwürdigen Juni-Abend vorm Anzeiger-Hochhaus.

Lesen Sie hier ein Interview mit Brendan Shelper, dem Macher der Show.

Von Simon Benne

Dieser Abend wird Hannover in Erinnerung bleiben: Zum 125. Geburtstag der Madsack Mediengruppe kamen zahlreiche Stars zum Gratulieren – und das Anzeiger-Hochhaus wurde zur Arena einer außergewöhnlichen Show. Hier können Sie Hannovers wohl größte Party des Jahres noch einmal nacherleben.

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