Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Auf Bildungsrallye durch die Savanne
Hannover Aus der Stadt Auf Bildungsrallye durch die Savanne
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:08 02.01.2015
Von Rüdiger Meise
Freude bei der Ankunft der Kolonne.
Freude bei der Ankunft der Kolonne. Quelle: Hendrik Peusch
Anzeige
Hannover/Walvis Bay

Pisten aus rotem Sand, weites Land, wenig Infrastruktur und viele Kinder, die dringend eine Schulbildung benötigen: Teile von Afrika können Hilfe dringend brauchen. Doch es gibt eine Frage, die sich viele Spender stellen: Woher weiß ich, dass mein Geld auch dort ankommt, wo es gebraucht wird? Henning Nathow aus Hannover beantwortet diese Frage ganz pragmatisch: Er fährt hin.

Mit einem Tross von 17 VW-Amaroks und 47 Teilnehmern macht sich der Mitarbeiter von VW Nutzfahrzeuge in Stöcken Ende Januar auf den Weg nach Namibia. Von hier aus fährt der Tross über Sambia nach Mali - 3500 Kilometer. Der Plan ist, dort die 17 Fahrzeuge meistbietend zu versteigern. Der Erlös fließt - gemeinsam mit Spenden von Unternehmen, Initiativen, Privatpersonen und den Teilnehmern - direkt in den Bau von Schulen vor Ort. Während der zweiwöchigen Tour besuchen die Teilnehmer zahlreiche Projekte, die sie fördern.

Die Teilnehmer tragen die persönlichen Kosten selbst und finanzieren den Transport der Autos nach Malawi. Zum zweiten Mal richtet Nathow die Rallye „Go4School“ aus. Im vergangenen Jahr führte die Tour vom Senegal über Guinea und die Elfenbeinküste nach Ghana. Mit dabei war Pastor Peer-Detlev Schladebusch von der Landeskirche Hannover, der auch diesmal wieder eines der Fahrzeuge steuert. „Eigentlich wollten wir bereits im Oktober in Westafrika fahren, aber wegen der Terrorgefahr durch den IS in Mali und Burkina Faso mussten wir die Reise drei Tage vor dem Start absagen“, sagt Schladebusch. Die Fahrzeuge, die bereits per Schiff im Hafen von Dakar angekommen waren, wurden wieder verladen und nach Antwerpen zurücktransportiert. Jetzt sind sie auf dem Weg nach Walvis Bay in Namibia.

Alle 17 VW-Amaroks haben im Jahr 2014 als Begleitfahrzeuge an der Rallye Dakar in Südamerika teilgenommen. VW Nutzfahrzeuge stellt die Fahrzeuge für die Bildungsrallye kostenfrei zur Verfügung. Voraussichtlich wird allein die Versteigerung einen Erlös von mehr als 200 000 Euro ergeben, sagt Nathow. In dem Land fehlen nach seinen Angaben rund 5500 Schulen. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, hier zu helfen“, sagt VW-Produktionsvorstand Josef Baumert. „Denn Bildung ist einer der Bausteine, mit dem Menschen vor Ort ihre Zukunft gestalten können und ein wichtiges Mittel im Kampf gegen Armut. Wir transportieren also im besten Sinne Know-how.“

Für Schladebusch macht die Kombination aus Abenteuer und Hilfsaktion den Reiz der Rallye aus. Ein halbes Dutzend Teilnehmer kommt aus dem Großraum Hannover, der Rest aus ganz Deutschland, England und Frankreich. „Wir hatten wesentlich mehr Anfragen“, sagt Schladebusch, „aber für noch mehr Teilnehmer ist der Organisationsaufwand zu groß.“ Unterstützt wird das Projekt auch vom ehemaligen Rennfahrer Jacky Ichx, Hannover-96-Chef Martin Kind ist Schirmherr der Aktion. Am Ende der Rallye-Premiere im vergangenen Jahr kamen rund 150 000 Euro zusammen, zwei Minibusse wurden direkt an sogenannte Microschools für den Einsatz als Schulbusse übergeben. „Das Geld reicht, um jedes Jahr rund zehn neue Microschulen zu finanzieren und so rund 2000 neue Schulplätze für Kinder in ländlichen Regionen zu schaffen“, sagt Schladebusch.

Wenn er von der ersten Rallye erzählen soll, weiß er kaum, wo er anfangen soll. Ein Erlebnis aber ist ihm besonders in Erinnerung: Durch ganz Ghana begleiteten staatliche Zollfahrzeuge misstrauisch den Tross - offenbar hatte der Zoll Angst, dass die Fahrzeuge unverzollt verkauft werden könnten. Als einer der Zöllner jedoch den Sinn des Projekts erkannte, sagte er zu Schladebusch: „Möge Gott Sie segnen und Ihnen dreifach zurückgeben, was Sie für die Kinder und dieses Land tun.“ Diese Worte, sagt der Pastor, haben ihn tief beeindruckt. „Gerade wo doch die Zöllner in der Bibel meist nicht so gut wegkommen ...“

02.01.2015
Aus der Stadt Hochzeitsmesse, Misswahl und Restekiste - Wohin am Wochenende?
02.01.2015
02.01.2015