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Aus der Stadt Spezialitätenrestaurants können all-inclusive sein
Hannover Aus der Stadt Spezialitätenrestaurants können all-inclusive sein
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14:27 30.11.2017
Laut Vergleich bekommen die Urlauber eine Entschädigung - aber eine wesentlich geringere als von ihnen eingeklagt. Quelle: Michael Zgoll
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Hannover

 Die per Internet gebuchte Reise an der türkischen Ägäis versprach dem Ehepaar mittleren Alters eine Verpflegung all-inclusive. Doch dies galt offenbar nur für das Hauptrestaurant in der Hotelanlage des Sentido Lykia Resorts; für das abendliche Speisen in einem der neun Spezialitätenrestaurants sollte jeder Gast 10 bis 35 Euro Aufschlag zahlen. Die Eheleute klagten gegen den Reiseveranstalter Tui –und erzielten am Donnerstag vor dem Amtsgericht Hannover einen Teilerfolg. Laut Vergleich bekommen das Paar aus Augsburg eine Reisepreisminderung von 224 Euro zugesprochen; innerhalb von zwei Wochen kann der Vergleich aber noch widerrufen werden. Gefordert hatten die Touristen 800 Euro.

Zivilrichterin Dagmar Frost hatte sich das Online-Angebot des Hotels auf der Tui-Seite – das bis heute unverändert ist  –genau angeschaut. Dort steht unter Abendessen: „Buffet, à la carte“. Zu den neun gelisteten Lokalitäten der Anlage zählen Sushi-, Steak- und Fischrestaurant oder Gasträume für türkische, italienische und asiatische Küche. Von Aufpreisen allerdings ist in diesem Angebot nirgendwo die Rede. Tui-Anwalt Jochim Gildemeister nannte die Beschreibung auf der Internetseite „unglücklich“. Es käme allerdings auf den „Empfängerhorizont“ an: Kein Mensch könne doch ernsthaft erwarten, für einen All-Inclusive-Preis in einem teuren Steakhouse essen zu können.

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Dem Hotelmanager des Sentido Lykia Resorts sei die Angelegenheit peinlich gewesen, wusste Kläger-Anwältin Barbara Riedel zu berichten, deshalb habe er dem Ehepaar ein Gratis-Essen in einem der speziellen Lokale spendiert. Die Tui dagegen habe sich bereits vor Ort sperrig gezeigt und diese ablehnende Haltung bis zum Schluss beibehalten.

2500 Euro hatten die zwei Urlauber im Frühjahr dieses Jahres für ihren 14-tägigen Türkeiurlaub bezahlt, 800 Euro wollten sie erstattet bekommen. Doch Dagmar Frost machte unmissverständlich klar, dass zehn Prozent des Hotel-Tagespreises das Höchste der Gefühle sind, was nach allgemeiner Rechtsprechung an Reisepreisminderung vorstellbar sei. Schließlich habe es bei den Flügen, dem Wohnen im Hotelzimmer oder den übrigen Mahlzeiten keine Probleme gegeben. Grundsätzlich, so die Richterin, dürfen Hotels bei All-inclusive-Reisen durchaus Aufschläge für das Speisen in besonderen Restaurants erheben – dies muss der Reiseveranstalter in seinen Prospekten oder auf den Online-Seiten aber eindeutig kenntlich machen.

Von Michael Zgoll