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Aus der Stadt „Potenzial von Herrenhausen verschenkt“
Hannover Aus der Stadt „Potenzial von Herrenhausen verschenkt“
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00:15 11.01.2015
Von Mathias Klein
Foto: Das Popmusical „Sommernachtstraum“ von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig wurde vergangenes Jahr zum letzten Mal in den Herrenhäuser Gärten gespielt.
Das Popmusical „Sommernachtstraum“ von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig wurde vergangenes Jahr zum letzten Mal in den Herrenhäuser Gärten gespielt.  Quelle: Natalie Becker (Archiv)
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Hannover

Das Gartentheater in den Herrenhäuser Gärten ist eines der wenigen noch bestehenden barocken Freilichttheater weltweit. Bei Experten gilt das Theater deshalb als herausragendes Denkmal der Geschichte der Gartenkunst und des Theaters. Nicht einmal im berühmten Schlossgarten von Versailles gab es eine ähnliche Freiluftbühne. Deshalb ist das Unverständnis in Hannover besonders groß, dass diese ganz besondere Bühne in diesem Sommer nicht bespielt wird. Zwar vermeidet der Vereinsvorsitzende der Freunde der Herrenhäuser Gärten, Ex-Messechef Sepp D. Heckmann, einen direkten Angriff auf Kulturdezernentin Marlis Drevermann. Aber er sagt deutlich, dass im Rathaus genug Zeit gewesen sei, auch in diesem Jahr ein Ensemble auf die Freiluftbühne zu bringen. „In dem Moment, wo man weiß, dass das bisherige Stück nicht mehr stattfinden kann, muss man sich um etwas Neues kümmern“, sagt Heckmann. Es sei schade, dass das nicht geschehen ist.

Kritik an Kulturdezernentin

Im vergangenen Jahr war dort die letzte Aufführung des Popmusicals „Sommernachtstraum“ von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig über die Bühne gegangen. Veranstalter Hannover Concerts fürchtete die Unsicherheit über die Spieltermine. Im vorigen Jahr konnte nur an 15 Abenden gespielt werden – eine Woche Regen kann da schnell die Bilanz verhageln.

Der Kulturdezernentin sei rechtzeitig bekannt gewesen, dass der „Sommernachtstraum“ nicht weiter gespielt werde, sagt der Kulturexperte der CDU-Stadtratsfraktion, Oliver Kiaman. Sie habe genug Zeit gehabt, sich nach einer Alternative umzuschauen.

Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer wirft Drevermann vor, das Potenzial, das in Herrenhausen liege, zu verschenken. Sie habe das Gartentheater in diesem Jahr in neuem Glanz erscheinen lassen können – stattdessen „ersticke sie das kulturelle Profil der Landeshauptstadt“, sagt Toepffer. „Leider zeigt sich einmal mehr, dass fast alles an Feuer erlischt, was in die Hände der Kulturdezernentin gelegt wird“, betont der CDU-Chef. Er forderte Oberbürgermeister Stefan Schostok auf, mit der Dezernentin klare Worte zu reden.

Vorlaufzeit nötig

Die SPD äußert sich zurückhaltender, aber auch dort ist Kritik an der Kulturdezernentin herauszuhören. Die Kulturexpertin der SPD-Fraktion, Belgin Zaman, sagt, sie sei zwar über die Hintergründe nicht ausreichend informiert. Allerdings wäre es „schön gewesen, wenn es eine vorausschauende Regelung für ein neues Stück“ im Gartentheater gegeben hätte. Der Vorsitzende des Kulturausschusses, Lothar Schlieckau (Grüne), hat dagegen Verständnis für Drevermann. Die Verhandlungen mit möglichen Anbietern seien nicht einfach, meint er. Zum einen müsse die Qualität stimmen, andererseits müsse sich für den Anbieter und für die Stadt rechnen.

Die Stadt wies am Donnerstag die Kritik zurück. Sofort nachdem bekannt gewesen sei, dass Hannover Concerts das Gartentheater in diesem Jahr nicht mehr bespielen wolle, sei Kontakt zu möglichen Partnern aufgenommen worden, sagte Sprecherin Ulrike Serbent. Für musikalische Produktionen sei jedoch eine längere Vorlaufzeit nötig, deshalb gebe es erst im kommenden Jahr wieder eine Produktion im Gartentheater.     

Ein Fehler in der Planung

Nicht genug Zeit, um für diesen Sommer eine Produktion für das historische Gartentheater zu finden? Wohl kaum. Dass der „Sommernachtstraum“ 2014 das letzte Mal aufgeführt wird, hatte Hannover Concerts seit Längerem angekündigt. Die Stadt hätte sich darauf einstellen können. Nun bleibt die weltweit einzigartige Kulisse in Herrenhausen unbespielt. Das ist ein Planungsfehler des Kulturdezernates. Marlis Drevermann hätte sich rechtzeitig kümmern müssen, einen Nachfolger für die Musical-Produktion zu finden. Engagierte Kulturschaffende gibt es zahlreiche in der Stadt – und sicher hätten sie gute Ideen für diese wunderbare Bühne.

Es ist eine weitere Fehlplanung im Verantwortungsbereich der Dezernentin: Nach der Baukostensteigerungen beim Sprengel-Museum, den schlecht vermittelten Kunstfestspielen und den Netto-Brutto-Rechenfehlern beim Schlossmuseum. Jetzt sollte Drevermann bis zum Ende ihrer Amtszeit im Oktober zumindest ein hochwertiges Programm für 2016 auf den Weg bringen.     

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