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Aus der Stadt Sprengel-Anbau öffnet erst im September
Hannover Aus der Stadt Sprengel-Anbau öffnet erst im September
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00:15 26.03.2015
Von Andreas Schinkel
Wird erst im September eröffnet: Der Anbau am Sprengel Museum.
Wird erst im September eröffnet: Der Anbau am Sprengel Museum. Quelle: dpa
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Hannover

„Die anschließenden Trocknungszeiten behindern den Bauablauf“, teilt die Stadtverwaltung mit. Die Verspätung führe jedoch nicht dazu, dass die Baukosten steigen. „Wir gehen davon aus, dass der Kostenrahmen eingehalten wird“, sagt Kulturdezernentin Marlis Drevermann. Auf insgesamt 35,7 Millionen Euro beläuft sich die Bausumme.

Sein Äußeres sorgte für ein geteiltes Echo in der Bevölkerung - nun warfen Besucher einen Blick in das Innere des Sprengel-Neubaus.

Es ist nicht die erste Panne, die der Stadt bei dem Bauvorhaben unterläuft. Der neue Museumstrakt ist seit der ersten Planung immer teurer geworden. Ursprünglich hatte der frühere Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) noch vorgegeben, 25 Millionen Euro dürfen nicht überschritten werden. Später musste die Stadt ihre Rechnung um 3,5 Millionen Euro nach oben korrigieren. Doch dabei blieb es nicht. Am Ende erhöhte sich die Summe auf 35,7 Millionen Euro, eine Kostensteigerung um rund 43 Prozent, wenn man von der ursprünglichen Kalkulation Weils ausgeht. Grund für die Kostenexplosion waren Verzögerungen bei den Bauarbeiten und die technisch extrem anspruchsvolle Betonfassade aus der Feder der Schweizer Architekten Meili + Peter.

Die Stadt wollte die Bauarbeiten eigentlich Ende vergangenen Jahres abschließen, doch der Termin konnte wegen der Komplikationen am Bau nicht eingehalten werden. In der Ratspolitik wurde man unruhig, schließlich ist das Projekt auf Fördergeld aus EU-Töpfen angewiesen. Die 11,6 Millionen Euro aus Brüssel fließen nur, wenn der Museums­trakt fristgerecht fertiggestellt wird. Drevermann bat beim Land, dem Verwalter des EU-Gelds, um eine Verlängerung. Fünf Monate wurden ihr bewilligt – das bedeutet, dass die Bauarbeiten Ende Mai abgeschlossen sein müssen.

Im Rathaus ist man der festen Überzeugung, den Zeitplan einzuhalten. „Noch vor der Sommerpause wird der Erweiterungsbau übergeben“, teilt die Stadt mit. Der Anspruch auf EU-Förderung sei nicht gefährdet. Nach dem 31.  Mai stehen nach Angaben der Stadt nur noch „Restarbeiten“ an, die ohnehin nicht von der EU gefördert würden, etwa die Pflasterung des Außenbereichs, das Anlegen von Wegen – und eben das Trocknen der Böden.
Wenn die Türen des neuen Museums-traktes dann im September endlich aufgehen, können sich die Hannoveraner auf eine Ausstellung freuen. Unter dem Titel „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“ haben sich mehrere Künstler mit dem Interior des neuen Gebäudes beschäftigt. So stellt die Künstlerin Maria Loboda ungewöhnliche Sitzmöbel in den Loggien des neuen Traktes aus.

Nachgefragt bei Reinhard Spieler, Chef des Sprengel-Museums

Wie nehmen Sie den Aufschub des Bauabschlusses auf?
Der Bau wird pünktlich Ende Juni übergeben, es wird daher auch keinen Konflikt um die Zahlung der EU-Mittel geben.

Es gibt – trotz verzögerten Einbaus von Estrich und Terrazzo – keine Verzögerung?
Für den ursprünglich geplanten Start der Ausstellung „Zehn Räume, drei Loggien und ein Saal“, die den Neubau und zehn junge Künstler präsentieren soll, hätten wir schon ab Mitte Mai einrichten müssen. Nun starten wir im September und verschieben auch die baubedingte Schließung des Hauses von November auf Januar. 

Wozu diese Schließung?
Wir möchten 2016 die Sprengel-Sammlung in großem Rahmen präsentieren. Wir brauchen Zeit, um die rund 1600  Werke zu installieren. Eine Sammlungspräsentation dieser Größe hat es noch nie zuvor im Sprengel-Museum gegeben. Außerdem werden wir ein neues Leitsystem im ganzen Haus einrichten und weitere Renovierungsarbeiten im Altbau durchführen. 

Dann ist das Museum von Januar bis Mai komplett geschlossen?
Nein, wir werden in einem Teil des Neubaus den Kurt-Schwitters-Preisträger Pierre Huyghe präsentieren.

Arbeiten unter Baubedingungen haben Sie schon als Chef des Museums Franz Gertsch und des Wilhelm-Hack-Museums erlebt …
… ja, und ich bin mit den Arbeiten in Hannover außerordentlich zufrieden. Die Eröffnung im September sehe ich eher als Vorteil. Denn wir starten so nicht ins Sommerloch hinein. Und wir halten das Haus auch über Weihnachten geöffnet.

 Interview: Daniel Alexander Schacht

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